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Die „Hamburg“ soll Hotelschiff werden!

Das Schiff gilt als eine Art schwimmendes Museum der 60er-Jahre. Bestens erhalten und im Design unverändert. Nun gibt es Bestrebungen, in Hamburg für das Kreuzfahrtschiff "Maxim Gorki" in der Hansestadt einen Dauerliegeplatz zu schaffen. Als spektakuläres Hotel- und Kongressschiff auf der Elbe. Mit Luxuskabinen und Pools direkt am Fluss. Es wäre die Rückkehr einer Legende: Als der weiße Luxusliner im Februar 1968 auf Finkenwerder unter dem Namen "Hamburg" vom Stapel lief, schien seinerzeit ein Bann gebrochen. Erstmals nach dem Krieg hatte Deutschland wieder ein großes Passagierschiff gebaut. Als Taufpatin war damals eigens Kanzlergattin Marie-Luise Kiesinger angereist. "Man war nun auch im Schiffbau wieder wer", sagt Stefan Behn, der damals als Zwölfjähriger bei der Übergabefahrt auf der Elbe dabei war. Seitdem sammelt das heutige Vorstandsmitglied des Hamburger Hafenkonzerns HHLA alte Fotos, Karten und Prospekte von dem legendären Schiff.

Gestern endete nun der langjährige Chartervertrag des deutschen Kreuzfahrt-Veranstalters Phoenix mit der ukrainischen Maxim-Gorki-Reederei. Die frühere "Hamburg", mittlerweile eines der fünf ältesten Kreuzfahrtschiffe der Welt, fährt nun in eine ungewisse Zukunft. Möglicherweise droht ihr sogar der Hochofen. Eine Reihe Hamburger Schiffsliebhaber wie Behn und der frühere "Hamburg"-Kapitän Dirk Moldenhauer (72) verfolgen daher seit einiger Zeit die Idee einer Rückkehr der "Hamburg" nach Hamburg. So wie die alte "Queen Mary 1" in Long Beach/USA könnte auch die "Hamburg" hier als Hotelschiff eine zweite Blüte erleben, sagen sie. Zu den Fans einer solchen Idee gehört auch der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Hans Lafrenz, der bereits Kontakt mit einem Düsseldorfer Investor aufgenommen hat. "Die Signale sind da durchaus positiv", so Lafrenz. Eine genaue Kostenschätzung gebe es zwar noch nicht. Dafür aber einen möglichen Liegeplatz: in der östlichen HafenCity direkt am Hauptstrom. "Grundsätzlich können wir ein solches Hotelschiff in unser Konzept integrieren", heißt es dazu bei der städtischen Entwicklungsgesellschaft HafenCity GmbH. Ein geeigneter Standort wäre das westliche oder östliche Ende des Baakenhafens.

Tatsächlich dürfte kaum ein anderes Passagierschiff so gut nach Hamburg passen wie die ehemalige "Hamburg". Bei der Deutschen Werft auf Finkenwerder gebaut, verkörpert der Ozeanliner eine Werftgeschichte, die es dort längst nicht mehr gibt. Maschinenanlagen, technische Ausrüstung – vieles stammt von Firmen aus der Region. Und: "Das Schiff ist immer noch wundervoll in Schuss", sagt Behn, der zuletzt im September an Bord gewesen ist und Dias mitgebracht hat. Die Einrichtungen der Salons und Kajüten im Stil der 60er-Jahre sind nie ausgetauscht worden, Polster und Teppiche wurden nur immer wieder erneuert. Das Deck, der Maschinenraum und auch die Brücke wirken auf den Fotos von Behn perfekt gepflegt. "Faszinierend, da hat sich ja nichts geändert", sagt auch Ex-Kapitän Moldenhauer, der heute Geschäftsführer der Hamburger Kreuzfahrtterminals ist. Für ihn sind die Fotos von Behn wie eine Zeitreise: Die stolze "Hamburg" fuhr seinerzeit mit zahlungskräftigem Publikum ins Mittelmeer und bis zur Karibik. Rund 600 Passagiere hatten auf dem 195 Meter langen Schiff reichlich Platz. Die heutige Begeisterung und Faszination für die "Queen Mary 2" galt damals in der Stadt diesem Schiff, das zudem in Hamburg seinen Heimathafen hatte.

Dabei war es ein Däne, der 1958 die legendäre Hamburg-Atlantik Schifffahrtsgesellschaft gegründet hatte: Der 1991 gestorbene Axel Bitsch Christensen, ein gelernter Lehrer, war eher zufällig in die Schifffahrtsbranche geraten. "Abc" nannten ihn seine Mitarbeiter, die sich heute noch jährlich treffen, obwohl das Unternehmen 1973 untergegangen ist und die "Hamburg" verkauft werden musste. Er startete mit der "Hanseatic", einem 1930 gebauten Ozeanliner. 1968 kam dann der stolze Neubau der "Hamburg". Finanziert mit einer damals revolutionären Idee, die heute allgemein üblich ist im Schiffbau. "Abc" gewann rund 200 Hamburger, die in den Wirtschaftswunderjahren zu Geld gekommen waren, für eine Beteiligung: Mal flossen 10 000 Mark, mal 400 000 Mark in das Projekt. Doch viel Rendite gab es wohl nicht: Die Betriebskosten stiegen spätestens mit der Ölkrise 1973 enorm an, im selben Jahr ging die mittlerweile in Deutsche Atlantik Linie (DAL) umbenannte Reederei in die Insolvenz.

Über Umwege wurde die "Hamburg" später an eine sowjetische Reederei verkauft und fuhr fortan als "Maxim Gorki" weiter.

Doch in den letzten Jahren machten wieder hohe Betriebskosten Probleme. Der alte Turbinenantrieb gilt zwar als besonders ruhig, aber auch als besonders durstig. Die Treibstoffkosten sind nahezu doppelt so hoch wie bei anderen Schiffen. In der Schifffahrtbranche machten daher Gerüchte die Runde, das Schiff könnte als Hotelschiff zur Fußball-WM 2010 nach Südafrika verkauft werden. Auch eine indische Abwrackwerft war interessiert. Inzwischen kaufte eine amerikanische Firma die "Maxim Gorki". Doch die Finanzkrise macht einen Einsatz des Oldies jetzt wieder fraglich, schreibt das Branchenblatt "Deutsche Schiffahrts-Zeitung". Die Idee für eine Zukunft als Hotelschiff im alten Heimathafen ist daher aktueller denn je. CDU-Politiker Lafrenz: "Sobald das Schiff auf dem Markt ist, stehen wir bereit."

Quelle: Hamburger Abendblatt 01.12.2008

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Categories: Allgemein

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