Reisebericht von Helmut Hafner: Mit der FTI.Berlin durch den Kanal von Korinth ins östliche Mittelmeer!


Mit der FTI.Berlin durch den Kanal von Korinth ins östliche Mittelmeer (Reisebericht über die „Dionysos“-Tour vom 27.04.2013 bis 10.05.2013)

Bild: Helmut Hafner
Schon nach unserer vierten und letzten Kreuzfahrt mit Costa im Jahr 2011 hatten wir überlegt, einmal einen anderen Veranstalter, ein anderes Schiff auszuprobieren. Wie wäre es denn, mit einem kleinen, einem sehr kleinen, Schiff auf „Trümmertour“ zu gehen? Das ehemalige ZDF-Traumschiff, die FTI.Berlin, passte genau in dieses Profil. Klein, aber durchaus oho. Spätestens als wir den Routenverlauf sahen, gab es keine Zweifel mehr: diese Reise MUSS gebucht werden.

Und die hatte es wahrlich in sich. Die Berlin startete am 27. April 2013 in der Lagune von Venedig und nahm Kurs ins östliche Mittelmeer, dabei durchlief sie den Kanal von Korinth, machte in Santorin und Valletta Halt und steuerte dann über Tunis, Cagliari, Ajaccio und Livorno am 10. Mai 2013 Nizza an. Am Ende würden wir mehr als 4.900 Kilometer zurück gelegt und zwei Kontinente besucht haben, in sieben Ländern zu Gast gewesen sein und sage und schreibe 14 Häfen gesehen haben. Was für eine tolle Route!

Aber ist denn diese Nuckelpinne nicht zu klein? mutmaßte meine ängstliche Gattin. Die Frage schien selbst mir, wenn auch nur ganz kurz, berechtigt zu sein und zwar am Tag unserer Abreise, als wir die Berlin in Venedig einlaufen sahen. Sie war in der Tat sehr übersichtlich. Ganze 139 Meter war sie nur lang, kein Vergleich zu den heute auf den Weltmeeren anzutreffenden „schwimmenden Hochhäusern“. Die Berlin hat keine gläsernen Aufzüge, keine Shop-Arkaden, keine Wasserrutschen und auch keine Eislaufbahn, sie verfügte noch nicht einmal über ein Casino. Aber sie hat etwas, das die meisten Kreuzfahrtschiffe nicht vorweisen können: Atmosphäre!
Die weiteren Vorteile bemerkten wir auch sofort: das Einchecken war nur eine schnell erledigte Randerscheinung, über eine schmale Gangway waren wir flugs an Bord und auch schon mittendrin auf dem A-Deck, auf dem die Rezeption, das Ausflugsbüro und das Hauptrestaurant untergebracht sind. Alles machte einen schnuckligen, fast zierlichen Eindruck. Unsere Kabine mit den zwei Bullaugen war gut ausgestattet, sogar mit historisch anmutenden Kleiderbügeln der „Berlin“ als diese noch als Traumschiff für das ZDF unterwegs war. Eines bemerkten wir auch sofort: der Wasserlinie waren wir hier sehr nah! Das versprach Kreuzfahrtfeeling pur!

  Die Ausfahrt aus der venezianischen Lagune ist auch bei mittelprächtigem Wetter ein Ereignis. Dazu gab es auch noch Erklärungen der charmanten Kreuzfahrtdirektorin Romana Calvetti, die das Vorbeigleiten an Markusplatz und Campanile zu einem besonderen Erlebnis werden ließen. Die Berlin nahm Kurs Richtung Kotor (Montenegro). Den einzigen Fjord Süd-Europas erlebten wir bei herrlichstem Sonnenschein und demzufolge war auch das Abendessen auf dem Verandah-Deck an diesem Abend ein Muss. Die Stadtmauer von Kotor sah beleuchtet wie ein „halbes“ Riesenrad aus, sehr beeindruckend und stimmungsvoll. Das war der Auftakt einer Reise, wie sie schöner nicht hätte sein können. Korfu war der zweite Hafen, hier besuchten wir das Achilleion von Kaiserin Sisi.
 
Außer uns waren nur wenige Touristen vor Ort. Sisi’s Rückzugsrefugium gehörte uns damit beinahe allein. Herrlich. Der Traum fand mit der Fahrt durch den „Kanal von Korinth“ seine Fortsetzung. Hier waren wohl wirklich alle Passagiere der FTI.Berlin an Deck, um dieses eindrucksvolle Ereignis mitzuerleben. Der Kanal ist ja nur etwa 23 Meter breit, unser Schiff misst immerhin 17,50 Meter und da wurde es manchmal wirklich eng, so dass man glaubte, die hohen Wände des Kanals mit den Händen streicheln zu können. Ein tolles Erlebnis. Einen kleinen Einspielfilm dazu gibt es auf YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=6QlBkrW2jCI Dann steuerte die Berlin den Hafen von Piräus an. Wir machten einen Ausflug (mit dem Taxi) zur Akropolis. Auch hier waren so wenig Menschen vor Ort, wie ich das noch nie erlebt habe.
 
Ein Foto des Parthenon ohne störende Menschen schien mir bis dahin undenkbar. An diesem Tag war es trotzdem möglich. Nächstes Ziel war die Insel Kos, Heimat des Hippokrates. Auch hier nur wenig Touristen, die in der sengenden Mittagshitze durch die wenig frequentierten Gassen schlenderten.. Am gleichen Tag lenkte Kapitän Oleg Panchenko die FTI.Berlin noch ins türkische Bodrum, wo wir einen nächtlichen Bummel unternahmen. Wir durchstöberten die zahlreichen Geschäfte nach Mitbringseln und stießen mit einem Ehepaar, das wir auf der Berlin kennengelernt hatten, auf den Geburtstag meiner Frau an. Ein kühles Efes unter türkischem Sternenhimmel ist schließlich nicht zu verachten! Hier waren sicher mehr Urlauber als anderswo, aber auch nicht so viele, dass man Platzangst bekommen hätte.
 
Auch am 2. Mai warteten wieder zwei Häfen auf uns. Der erste, Symi, war ein wirklich grandioser Zwischenstopp, den wir nicht mehr missen möchten. Eine herrliche kleine Insel, die förmlich auf die Passagiere der FTI.Berlin wartete. Zweifellos der schönste Hafen Griechenlands mit ansteigenden Häuserreihen, die im neoklassizistischen Stil erbaut wurden. Betonklötze sucht man hier vergeblich. Symi war ein Glanzpunkt der Reise. Am Nachmittag ging es weiter nach Rhodos, wo ebenfalls überschaubare Touristenmengen zu verzeichnen waren. Man konnte herrlich flanieren und shoppen! Bei weiterhin strahlendem Sonnenschein nahm das Schiff Kurs Richtung Santorin. Nach nur 20 Minuten Wartezeit schaukelten wir in der Gondel nach oben. Wir marschierten zur Bushaltestelle und fuhren für 1,60 Euro mit dem Bus nach Oia. Hier reiht sich ein Postkartenmotiv an das andere und jedes Fotografenherz schlägt höher. In der Caldera ankerten an diesem Tag die MS Eurodam, die Costa Magica, ein spanisches Schiff und die FTI.Berlin, die man ob ihrer Größe kaum sehen konnte. Da wir bis 19.00 Uhr in Santorin vor Anker lagen, hatten wir weite Teile von Thira spätestens ab ca. 16.00 Uhr fast für uns allein.
 
Wenn die Stille über diesen magischen Ort kommt, ist es Zeit in sich zu gehen. Ein bißchen Demut hin und wieder kann nicht schaden. Auf der Weiterfahrt nach Malta konnten wir uns während eines Seetags mit einem herrlichen Frühschoppen wenigstens ein bißchen ausruhen. Romana Calvetti zeigte eine Stunde lang ihr virtuoses Können als Sopranistin, sie ist ja ausgebildete Opernsängerin und verfügt über eine großartige Stimme. Die Zuhörer waren denn auch begeistert und nach dem Genuss von Weißwürste, Brezen und Weißbier klappte die Polonaise um den Pool auf dem Promenadendeck schon ganz gut. Dann erreichten wir Valletta, die Hauptstadt des kleinen Inselstaates Malta. Hier kann man bequem zu Fuß eine Stadterkundung durchführen. Ich wollte unbedingt in die berühmte St. John’s Co-Cathedral, von der ich schon so viele Fotos gesehen hatte. Meine Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht. Die prachtvoll ausgestattete Kirche ist wirklich ganz außergewöhnlich.
 
  Dann wechselten wir den Kontinent und machten Station in Tunis bzw. La Goulette. Hier hatten wir einen Ausflug gebucht, der einen Besuch der Medina von Tunis, Karthago und Sidi Bou Said einschloss. Leider wurden wir hier gleich in zwei Verkaufsveranstaltungen gelockt, was uns sehr verärgert hat und was natürlich sehr viel Zeit kostete. So blieb für einen Bummel durch das malerische Künstlerdörfchen Sidi Bou Said leider viel zu wenig Zeit. Das war der einzige Negativ-Punkt bei den Ausflügen. Schon am nächsten Tag in Cagliari auf Sardinien war dieser Ärger wieder vergessen. Der Himmel war wieder blau, wenngleich die Temperaturen im westlichen Mittelmeer nicht mehr so hoch waren wie auf den griechischen Inseln. Cagliari glänzte mit seiner bevorzugten Lage direkt am Meer und mit einer beeindruckenden Kathedrale. Die FTI.Berlin setzte ihre Reise jetzt in nördlicher Richtung fort. Am nächsten Tag statteten wir der Geburtsstadt von Napoleon einen Besuch ab. Ajaccio wartete mit Sonne und vielen Palmen auf uns. Wieder ein herrlicher Tag. Den letzten Stopp legten wir schließlich in Livorno ein.
 
Die Gelegenheit nutzten wir zu einem Ausflug nach Pisa, wo der Turm immer noch so schief ist, wie er mir als kleiner Junge von vor 45 Jahren in Erinnerung war. Schließlich ging diese traumhafte Reise am 10. Mai, meinem Geburtstag, in Nizza zu Ende. Noch nie zuvor mussten wir uns von derart vielen Mitreisenden verabschieden, mit denen wir in den vergangenen knapp zwei Wochen immer wieder zusammen saßen und viele nette Gespräche führten. Das ist natürlich auf die überschaubare Größe der Berlin zurückzuführen. Knapp 300 Gäste waren während unserer Reise an Bord, bei einer Kapazität von etwas über 400. Das bedeutet natürlich auch in der Folge keine Warteschlangen beim Ausstieg, keine 50, 60 oder 70 Ausflugsbusse.
 
Man erfasst in der Regel mit einem Blick die Lage, gelangt schnell von A nach B, ohne erst viele Decks umrunden zu müssen. Und man kennt nach spätestens zwei Tagen praktisch alle wichtigen Besatzungsmitglieder und die Passagiere sowieso. Gerade bei einer Reise durchs östliche Mittelmeer mit meistens angenehmen Temperaturen, sitzen die Passagiere gerne im Freien. Hier ist man dem Wasser, der Sonne und dem Sternenhimmel einfach noch näher. Das Promenadendeck am Heck der Berlin ist der viel besuchte Mittelpunkt eines kleinen, aber feinen Kreuzfahrtschiffes, das uns wirklich großen Spaß gemacht hat. Wenn nach der anstehenden umfassenden Renovierung dann auch noch die vorhandenen Mängel abgestellt werden, steht der nächsten Buchung nichts mehr im Weg!
 
Diese und viele weitere Geschichten und entsprechende Bilder finden Sie auch auf den Webseiten von Herrn Hafner, die ich hier gerne empfehle!
 
 
 

Kategorien: FTI Berlin, FTI-Cruises, Helmut hafner, MS Berlin, Reiseberichte

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