Die Magellan, Fernao de Magalhaes, hat festgemacht.

Ein Fluss nur für Kreuzfahrer – Mit der Magellan auf dem Douro

Voraussichtliche Lesedauer: 10 Minuten

Dieter Bromund (Text) und Petra Bromund (Fotos)

Wir hatten von der überwältigenden Schönheit des portugiesischen Flusses gehört und vom Wein seiner Ufer gekostet, den Engländer und Schotten weltberühmt gemacht hatten. Also entschieden wir uns für ein Schiff, das von Phoenix als „Magellan“ vermarktet wird. Mit dem Schriftzug „Fernao de Magalhaes“ an Bug und Heck befährt es den Fluss in neun Tagen in ganzer schiffbarer Länge – hinauf und hinab.

Warum es diesen Wein überhaupt gibt, verriet uns die neuere Geschichte Westeuropas. Alles andere erfuhren wir durch die Guides bei Ausflügen und Besuchen von Bord aus. Und in gründlicher Präzision im Museu do Douro in Régua, 100 Flusskilometer von der Stadt entfernt, die dem Wein seinen Namen gab: Porto.

Porto, zweitgrößte Stadt Portugals, vom Douro aus gesehen.

Mit der Magellan also auf dem Douro neun Tage unterwegs, zweimal durch fünf Schleusen, waren 69 deutschsprachige Gäste und 20 Portugiesen als Crew und im Service. Das Schiff wird von Croisi Europe in Straßburg bereedert und bis zu sieben Monate im Jahr von Phoenix gechartert. Der Veranstalter war nur durch einen Mann präsent, den überzeugenden Kreuzfahrtdirektor Alex Dernbach. Er ist seit 2012 für Phoenix auf dem Wasser und seit 2019 vor allem auf dem Douro unterwegs.

… eine überwältigende Freundlichkeit überwanden schnell, was Masken verbargen.

Die Crew in Zeiten einer abnehmenden Corona Pandemie kennen zu lernen war schwierig. Masken verbargen bei der Arbeit im Service, als Matrosen, in Küche und Kabinen identitätsstiftende Gesichtsteile. Doch präzises Arbeiten und eine überwältigende Freundlichkeit überwanden schnell, was Masken verbargen. Anabela, die uns am Flughafen Porto empfangen und zum Schiff begleitet hatte, lud mit lachender Stimme zweimal am Tag über Lautsprecher zum Essen im Restaurant ein und blieb als rechte Hand des Kreuzfahrtdirektors omnipräsent. Hotelmanagerin Claudia Santos bewies sich als verlässliche Seele für die Finanzen und vieles Organisatorische wie etwa die pünktlichen Busse oder das perfekt organisierte Essen im Hotel in Salamanca.

Kapitän Joaquim Graça beherrschte mit seinem Mechaniker und vier Matrosen sein Schiff meisterhaft. Die Magellan ist 75 Meter lang, 11,40 Meter breit und 7,80 Meter hoch bei einem Tiefgang von ganzen 1,5 Metern. Der Mann mit vier goldenen Ärmelstreifen steuerte sie in Schleusen, die rundum kaum mehr als eine Handbreit Raum zwischen Schiff, Toren und Wänden ließen. Der Douro ist heute ein ruhiger Fluss, doch vor dem Eintritt Portugals in die Europäische Gemeinschaft war er über weite Strecken ein kraftvoll wildes Wasser.

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Auf hölzernen barco rabelos, Booten, speziell für das tobende Nass entwickelt, mussten erfahrene Männer Wein in gewaltigen Fässern zur Mündung bewegen, wo ihm bei den Vermarktern Veredelung widerfuhr. Mehr als sechs hölzerne Fässer mit je 550 Litern Fassungsvermögen konnte so ein rabelo aufnehmen. Kein Fass war bis zum Rande gefüllt, denn es musste noch aufschwimmen, falls der Fluss mit seiner Kraft über das Schiff siegte. Schiffsmodelle, Handwerkszeug und Filmausschnitte zeigen im Museum am Flussufer in Régua eindrucksvoll, was für ein gefährliches Leben die Flussleute einst führten.

Wie der Fluss hatte auch der Portwein uns angelockt.

Wie der Fluss hatte auch der Portwein uns angelockt. Wir kannten ihn als roten und lernten jetzt einen weißen Port kennen. Süß sind beide, der rote mehr als der weiße. Ihre Geschichte füllt ganze Bücher. Portwein stammt immer aus einer eng begrenzten Region am Douro. Sie wurde bereits 1756 durch den portugiesischen Premier Marqués de Pombal definiert und kartiert und zählt heute zum Weltkulturerbe.

Der Alto Douro gehört mit seinen Weinbergen zum Weltkulturerbe Bild: Petra Bromund

Was also ist Portwein? Ein exzellentes Getränk aus einem exakt definierten Gebiet, dem Alto Douro, dessen Gärung durch das Zusetzen von Alkohol gestoppt wird. In große und noch größere Fässer oder gleich in Flaschen gefüllt entwickelt sich daraus etwas, das verzaubert – roter Portwein als Tawny, Ruby oder Vintage. Ein portugiesisches Produkt also, das vor allem Kaufleute aus dem befreundeten und verbündeten England erfolgreich vertrieben. Ganze Weinberge gehören heute zu so berühmten Marken wie Sandeman, Graham, Croft oder Taylor. Weißer Portwein ist jüngeren Datums. Er wird aus weißen Trauben gekeltert und heute gern als Aperitif auch mit Eis und Tonic serviert. Dass mit solchen Juwelen kein Schindluder getrieben wird, überwacht seit 1756 eine eigene portugiesische Behörde, die Companhia Geral da Agricultura das Vinas do Alto Douro, heute tätig und bekannt als Companhia Velha.

Rot und weiße Portweine werden aus den gleichen Gläsern getrunken Bild: Petra Bromund

Fernando de Magellanes war der spanische Name des Mannes, der als Portugiese Fernao de Magalhaes bei Porto geboren und nach seinem Tode als Ferdinand Magellan in Deutschland bekannt wurde. Im Auftrag der Spanier wagte er als erster, auf der Suche nach den Gewürzinseln westwärts segelnd, die Erde zu umrunden.

Das Flussschiff auf dem Douro, das heute seinen portugiesischen Namen trägt, wird mit weniger Ehrgeiz bewegt – und das auch nur tagsüber. Nachts wird auf dem Fluss nicht gefahren und so liegt die Magellan manchmal – je nach Programm – zwei Tage an einer Pier, auch in kleinen Orten „mit viel frischer Luft“, so Alex Dernbach. Sie hat vier Decks, das Restaurant auf dem unteren, den Salon auf dem zweiten, nur Kabinen auf dem dritten. Sonnenbaden oder sich im Pool erfrischen kann man auf dem Sonnendeck. Das muss nur manchmal beim Schleusen geräumt werden, wenn das Wasser im Fluss zu hoch gestiegen ist.

… Ihre Seele und ihr Herz sind, so Alex Dernbach stolz, die Männer und Frauen, die auf ihr als Mannschaft die Gäste verwöhnen.

Die Magellan gilt als altes Schiff, weil sie bereits 2003 in Belgien gebaut wurde. Ihre Seele und ihr Herz sind, so Alex Dernbach stolz, die Männer und Frauen, die auf ihr als Mannschaft die Gäste verwöhnen. Da mögen die 71 Kabinen für bis zu 138 Passagiere etwas kleiner als üblich sein, der Vorhang beim Duschen am Körper kleben, die Ablagefläche über dem Handwaschbecken allenfalls Platz für das Werkzeug eines männlichen Nassrasierers bieten, die Besucherritze zwischen den Betten zu breit sein – ein so hingebungsvolles einheimisches Team wie das in Küche und Restaurant gleicht alles aus. Im Restaurant ist man stolz auf die Weine des Landes und eine exzellente Küche. Küchenchef Jorge Coutinho ist natürlich auch Portugiese und stellte seine Köstlichkeiten vor dem Galadinner lächelnd nur in der Landessprache vor.

Als Gast hatte man sich schnell daran gewöhnt, am Vorabend bereits sein Essen für den Mittag und den Abend des nächsten Tages zu bestellen und kleine runde Plastikmarken als Orientierung für die Stewardessen und Stewards neben sein Besteck zu legen. Rot für Fleisch, Blau für Fisch oder Grün für ein vegetarisches Essen. Das Frühstück nahm man sich vom Büffet, die „early birds“ konnten ab 6.30 Uhr morgens bereits Kaffee und Tee zapfen. Immer dabei hatte man an Bord seine Barkarte, im Wert von 30 oder 50 Euro. Auf ihr wurde abgestrichen, was die Flasche oder das Glas kostete. Langer oder neuer Durst erforderte eine neue Karte.

Man aß an Vierertischen, nur drei Paare hatten sich für Zweiertische entschieden. Die Herren gehörten fast alle zu jener Gruppe, die sich noch jeden Morgen rasiert, aber zum Abendessen kein Jackett trägt und auch zum Galadinner auf die Krawatte verzichtet. Die Damen glänzten.

Der Duero, so der erste Name des 897 Kilometer langen Flusses, entspringt in Nordspanien auf 2000 Meter Höhe und ist auf 112 Kilometer Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal. Erst ab dem portugiesischen Barca d`Alva ist er schiffbar und heißt dann Douro. Nach 207 weiteren Flusskilometern mündet er in den Atlantik. Die letzte oder erste Schleuse liegt auf Flusskilometer 20 östlich von Porto. Bis zu ihr kennt der Fluss auch Ebbe und Flut. Nicht durchgängig, nur an Schwerpunkten ist das Fahrwasser durch rote und grüne Tonnen gekennzeichnet, manchmal warnt eine Untiefentonne in Gelb. Dass die europäische Union die Zähmung des wilden Wassers kräftig mitfinanziert hat, weiß in Portugal vermutlich jedes Kind. Die Gäste waren indes verblüfft, als sie erfuhren, dass die Zähmung des Wassers ausschließlich die Kreuzfahrt fördert. Es gibt heute keine Frachtschiffe mehr flussaufwärts von Porto. In allen Schleusen, auch der zweithöchsten Europas mit 38 Metern Fallhöhe, werden nur Schiffe wie die Magellan bewegt. Insgesamt 30 ähnlich große Kreuzfahrtschiffe sind auf den Fahrstrecken zwischen der ersten und der letzten Schleuse unterwegs. Der Transport von Waren läuft über Eisenbahn und Autobahn.

Der Douro hat viele Gesichter, idyllische und hochdramatische …

Der Douro hat viele Gesichter, idyllische und hochdramatische, die alle Zähmungen überstanden haben. Auf einem gemächlich fließenden Fluss wird plötzlich ein schneller, den große Felsen einengen. Und dann steht das Wasser auch immer mal und spiegelt Himmel, Land und Brücken. Nur wenige erkennbar große Orte schlummern am Ufer, die Schönheit der Landschaft liegt in ihrem vielfältigen Grün, den langen Linien, die die Rebstöcke bilden, den Schatten und Schummerungen der Weingärten und den jähen Perspektivwechseln bei der Wasserreise oder den Busausflügen. Olivenbäume stehen in Gruppen in den grafischen Mustern. Und immer wieder überraschen Korkeichen. Zum Douro gehört ein Himmel, der mal droht, mal lächelt.

Überraschendes und Lohnendes entdecken kann man geballt in Porto oder jenseits der Grenze im spanischen Salamanca. Immer wieder erinnern Kirchen an den einstigen Glanz Portugals. Große Gärten und kleine Schlösser gehören heute Stiftungen, deren Herren sie nur den Sommer über nutzen. Im Winter lebt man im fernen Lissabon.

Ein Kachelbild hält fest, wie der Wein einst auf Rabelos transportiert wurde. Bild Petra Bromund
Moderne nachbauten der Rabelos fahren heute Touristen spazieren Bild: Petra Bromund

Nicht nur die Herrenhäuser, auch die Kirchen, Kapellen, Bahnhöfe und zahllose große und kleine Häuser sind mit Kacheln geschmückt, die häufig zu gewaltigen Genrebildern aus der Geschichte oder der ländlichen Arbeitswelt zusammengefügt sind. Über das alles und manches Persönliche unterrichteten sehr gut ausgebildete Guides während der Busfahrten oder Führungen.

Sie holten die Kultur vom Land aufs Schiff und in den Salon …

Was macht man auf einem Flussschiff am Abend? Spaziergänge sind natürlich in allen Orten möglich, aber Alex und seine Crew konnten Interessanteres bieten. Sie holten die Kultur vom Land aufs Schiff und in den Salon, drei Tanz- und Musikgruppen.

So spielte, sang, tanzte und präsentierte eine Folklore Gruppe in Kostümen des letzten Jahrhunderts Bewegendes aus dem Arbeitsleben in den Weinbergen. Vier junge Damen aus Salamanca zeigten in atemberaubenden Kleidern an Bord, was alles an Tänzen zum Flamenco gehört. Am dritten Abend begleiteten zwei Herren mit einer sechssaitigen spanischen und einer zwölfsaitigen portugiesischen Gitarre eine der bekanntesten Fado-Sängerinnen des Landes, Cristina Marques. Die Trauer, die den klassischen Fado immer umgab, hat ihr moderner Gesangstil hinter sich gelassen. Der Beifall war jedes Mal herzlich und lang. Anabela führte in die Geheimnisse der portugiesischen Sprache ein und bewies sich an einem weiteren Abend als DJ. Sie hatte Gäste gebeten, ihre Lieblinge aus der Tanzmusik zu nennen und die Musik aus dem Internet geholt. Im Salon wurde danach gern getanzt. Sag einer, eine Flussreise biete keine Abendprogramme!

Portugal hat nur zwei Grenzen, eine lange nach Spanien und die fast ebenso lange zum Atlantik. Vorherrschende westliche Winde treffen nach dem weiten Weg übers Wasser an Portugals Küsten wieder auf Land und lassen Regen, den sie unterwegs eingesammelt haben, schon an den ersten Berghängen fallen. In Porto stellte Alex gleich nach der Ankunft Crew, Schiff und Programm im Salon vor, als draußen wilder Wind Regen gegen die großen Scheiben schleuderte, und das Flusswasser in weißen Kämmen schäumte. Am nächsten Morgen lag die Magellan auf ruhigem Wasser und begann darauf ihre geruhsame Reise durch ein warmes Land, das sich nach der Weinernte unter strahlender Sonne dehnte.

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