Artania Reisebericht

Masken, Menschen und Meer – Mit der MS Artania in Corona-Zeiten nach Portugal und Spanien

MS Artania Reisebericht von Dieter Bromund. Bilder von Petra Bromund.

Voraussichtliche Lesedauer: 10 minutes

Wir hätten so gern den Hamburger Hafen und die Unterelbe im Tageslicht erlebt. Doch als wir am 19. Dezember mit der MS Artania ausliefen, war es schon stockdunkel und bei der Rückkehr am 12. Januar noch nicht hell genug. Dazwischen lag eine Kreuzfahrt, wie wir sie noch nie erlebt hatten.

Eigentlich wollten wir mit Phoenix in die Karibik fahren und von Panama aus zurückfliegen. Als aus den Ruminseln wegen der Pandemie Marokko, Spanien, Portugal, Madeira und die Kanaren neue Ziele geworden waren, blieben wir Phoenix und der Artania treu, auch weil uns die vielen Seetage reizten. An Bord erfuhren wir, dass Marokko dicht gemacht hatte und wir statt Agadir Cádiz anlaufen würden. Alle Corona bedingten Vorschriften hatten wir erfüllt, ließen uns kurz vor unserer Busfahrt zum Schiff noch einmal testen und wiederholten im Cruise Center Altona das Ganze beim Einchecken. Wir gingen mit Maske an Bord und legten sie nur beim Essen und Trinken ab, in der eigenen Kabine und beim Bewegen an der frischen Luft. Auch an Land hielten wir uns bei Ausflügen und privaten Gängen an die nationalen Regeln, wie im Tagesprogramm vorgestellt.

MS Artania Reisebericht: Kapitän, Offiziere und das Phoenix-Team verhielten sich wie die Gäste

An Bord verhielten Kapitän, Offiziere und das Phoenix-Team sich wie die Gäste. Zur Begrüßung in der Lounge erschienen alle mit Maske, nahmen sie nur für´s Mikrofon ab. Doch von den Stewards und allen anderen guten Geistern sahen wir immer nur den oberen Teil des Gesichts, den unteren verdeckten ständig medizinische Masken. Lächeln war dennoch erkennbar. Und ihre Herzlichkeit bremste kein Schnutentuch.

Wer von Phoenix oder als Crew neu an Bord kam, blieb fünf Tage in Quarantäne, ehe er seinen Dienst antrat. Jeden Tag wurde bei jedem Gast die Körpertemperatur gemessen. Und getestet wurde wieder, wenn das Gesetz, lokale Vorschriften oder der eigene Verstand es forderten.

MS Artania Reisebericht
Wilder Atlantik. Gischt stürzt sich über die Hafenmauer von Leixões. Wie unruhig wird die Rückreise werden?

Doch die strengen Regeln wurden noch strenger: Ab dem 4. Januar gab es nach dem einzigen Coronafall an Bord für Gäste keinen individuellen Landgang mehr, Ausflügler konnten sich nur als Rudel bewegen, Toilettenbesuche waren wegen möglicher Kontakte mit Einwohnern an Land nicht mehr möglich.

Er habe sein Ziel erreicht, alle gesund nach Hamburg zurück zu bringen.

Solch rigide Maßnahmen beschützten uns alle an Bord. In seinem letzten Statement von der Brücke dankte Kapitän Morten Hansen Gästen und Crew für´s Mitmachen. Er habe sein Ziel erreicht, alle gesund nach Hamburg zurück zu bringen. Dafür gab es dankbaren Beifall.

MS Artania Reisebericht: Was sich änderte, was blieb

Doch hatte die Pandemie nicht noch mehr verändert? Den Kapitänsempfang, sonst erster Höhepunkt jeder Reise, gab es diesmal nicht, kein Schlange Stehen, kein Händeschütteln, kein fotografiert werden, kein Sekt beim Warten in der großen Lounge. Jetzt saß man in großen Abständen nebeneinander, das Tuch vor Mund und Nase. Keine Band lud zum Tanz ein und in allen Bars waren die Tresen gesperrt. Cocktailempfänge für Gästegruppen entfielen ebenso wie der Kapitänstisch, an dem einst Gäste mit Kapitän und Offizieren tafelten.

Geblieben waren Galaabende, fünf Mal lautete die Empfehlung für die Abendgarderobe: elegant. Früher hatte man für diese Abende festliche Kleider oder Smoking oder Dinner-Jackett mitgebracht. Auf dieser Reise fielen Herren schon auf, die zum Abendessen im Jackett und mit Krawatte erschienen, ein buntes Hemd oder ein Pulli reichten den meisten anderen für jeden Tag. Entsprechend burschikos erschienen die meisten Hemdenträger zum Willkommens-Empfang, zum Galadinner am ersten Feiertag, zu Silvester, zum 7. Januar und zum Abschiedsempfang.

Die Künstler der Abendunterhaltungen zeigten sich von solchen Bildern nicht entmutigt. Ihr Programm war mit Liebe und Sorgfalt entwickelt worden und wich vom Üblichen vorteilhaft ab. Das Artania Showensemble machte immer Freude, Matthias Graf präsentierte „Die Lyriker der Popmusik“, Sabine Grofmeier begeisterte als Star-Klarinettistin mehrmals ihr Publikum und Armin Fischer erhielt mit grandiosem Spiel am Piano und mit überraschenden Pointen großen Beifall. Und für Musik in den Bars oder an Deck war mit Mihaly Barabas, Laura Riz und Zsolt Botos und der „Band Elena“ bestens gesorgt.

Zwei Lektoren stillten mit ihren Vorträgen Wissensdurst. Axel Krack, ehemals Forscher im Alfred-Wegener Institut Bremerhaven, präsentierte Geschichte, Land, Leute, aber auch Leben unter Wasser und in der Zukunft. Günter Bolz sammelte Zuhörer in seinen Präsentationen von Sternen als Navigations- und Lebenshilfe.

MS Artania Reisebericht: Beifall für die Küche …

Artania Reisebericht
Was sich Gäste des Artania Restaurants wünschten, erfüllten die Köche. Sie präsentierten sich in Arbeitskleidung und mit Schnutentuch.

Im Restaurant Vier Jahreszeiten, dem Artania Restaurant oder der Lido Bar zu speisen, gehörte zu den Höhepunkten der Reise.

Achtung keine Kreuzfahrt ohne Gütesiegel!

90 Männer und Frauen arbeiten in der Küche. Nur wenige von ihnen waren sichtbar, wenn man sein Frühstück in der Lido-Bar zusammenstellte, etwa Spiegeleier sunny side down, Bohnen in Tomatensoße, gebratene Würstchen und Speck. Doch als dann die Köche beim Abschied von Portugal ihren großen Auftritt hatten, klickten nicht nur die Kameras. Es gab langen, herzlichen Applaus.

und für den Service

Was mag jemand fühlen, der auf der anderen Seite der Welt tagaus tagein arbeitet und drei Monate lang nicht an Land kann? Der gesamten Mannschaft war Landgang verboten – aus Sicherheitsgründen. Die Familien der Crew leben überwiegend in Indonesien oder auf den Philippinen. Da blieben nur Handy oder Laptop als verbindendes Medium. Doch von möglichen Enttäuschungen oder Sehnsüchten der Stewards und Stewardessen spürte der Gast nichts.

Die auf der Artania überall freie Tischwahl hatte nach wenigen Tagen bereits feste Muster entwickelt. Man aß immer am gleichen Tisch und hatte damit „seine eigenen“ guten Geister, die Wünsche schnell erfüllten und sich Vorlieben rasch merkten.

Meer mit vielen Gesichtern

MS Artania Reisebericht – Und so fuhren wir zu vier Städten auf dem Festland und sieben Inseln. Das Programm begann und endete mit je drei Seetagen, also langen Wegen.

MS Artania Reisebericht
Blick aus den Bergen. Plötzlich ist die große Artania ein winziges Schiff, das im Hafen Santa Cruz von La Palma festgemacht hat.

In dieser Jahreszeit hätten Stürme uns nicht überrascht. Doch die Elbe schob uns mit ablaufendem Wasser sanft in die Deutsche Bucht. Die Nordsee empfing uns gelassen, beim Feuerschiff Elbe 1 ging der Lotse von Bord. Wer durch den Englischen Kanal in den Atlantik will, hält sich nördlich unter der englischen Küste. Entgegenkommer fahren aus der keltischen See auf einer südlichen Route vor den Küsten Frankreichs, Belgiens und der Niederlande Richtung Deutschland. Auf beiden Strecken blieb es für die Artania ruhig.

Unsere Phoenix Reisen Facebook-Gruppe

Wir genossen den Wind, dessen Tonhöhe wir durch den Spalt der Schiebetür zum Balkon bestimmen konnten. Je breiter die Öffnung, desto tiefer der Ton. Den Übergang von der keltischen See zum Atlantik bezeichnet auf der Insel Ushant, dem bretonischen Ouessant, ein berühmter Leuchtturm. Dort änderte sich auslaufend unser Kurs deutlich, es ging südwestlich durch die Biskaya.

Hier empfahl Kapitän Hansen zum ersten Mal: Eine Hand für´s Schiff, eine für sich selber. Festhalten also war die Regel, als die Wellen ruppiger wurden und der Wind in Böen bis 9 Beaufort blies. Erst vor der spanischen Küste wurde es ruhiger und blieb so auch zwischen den Inseln. Die Sonne kam durch und lud zum Bad im Pool auf Deck 8 ein.

MS Artania Reisebericht
Lissabon wird gern angefahren. Vom Liegeplatz zur Altstadt sind die Wege kurz.

MS Artania Reisebericht: Landausflüge

Landausflüge zu Weihnachten und zum Jahreswechsel haben ihren eigenen Reiz, Badestrände und ihre Städte sind leer, viele Läden in Cities haben geschlossen. Bleiben als Ziele von Ausflügen vor allem kirchliche Immobilien, an denen beide Länder und die Inseln so reich sind. Doch was eigentlich macht Spanien aus, was Portugal? Was unterscheidet diese von jener Insel, die manchmal in Sichtweite liegt? In der Erinnerung vermischen sich Inseleindrücke schnell.

Gelobt sei da jedes Ausflugsziel, das Grandioses anbietet wie etwa Gomera mit seiner heroischen Landschaft. Ein Parra, ein tresterähnlicher Schnaps für Männer der Insel, und El Silbo, die berühmte Pfeifsprache Gomeras, die Schluchten und Distanzen überwindet, bleiben sicher unvergesslich.

MS Artania Reisebericht
Heinrich der Seefahrer motivierte die besten Kapitäne zu Entdeckungsreisen. Ein Denkmal erinnert in der Hafeneinfahrt von Lissabon an sie alle.

Auf den Besuch Portos hatten wir uns gefreut, die Stadt hatten wir erst vor drei Monaten kennen gelernt. Doch nur in Gruppen durch die Schöne am Ufer des Douro geführt zu werden, reizte uns nicht. Wir blieben an Bord und beobachteten Portos geschäftigen Handelshafen Leixões. An seiner Mauer brachen sich die Seen, die der Atlantik heranführte mit dramatischen Gischtwänden und Spritzkaskaden, unsere Kameras hatten viel zu tun.

MS Artania Reisebericht
Ein Brunnen erinnert an maurische Zeiten in Andalusien und ist auch im Regen sehenswert.

Würde uns dieser wilde Atlantik unbehelligt nach Hause lassen? Er ließ es. Mit einer Hand für´s Schiff und einer für uns selber erreichten wir bei Ushant den Kanal wieder, Rollen und Stampfen in der Biskaya waren schnell vergessen. Aus der Ferne grüßte die Isle of Wight und dann waren wir fast schon in heimischen Gewässern und vor dem nächsten Morgengrauen in Hamburg-Altona.

Wir gingen als letzte von Bord. Die Artania würde am Spätnachmittag ihre nächste Reise von hier aus beginnen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.