Reisebericht: Die andere Seite – Mit der nickoSPIRIT in den Niederlanden

Bericht Dieter Bromund & Fotos Petra Bromund

In Amsterdam drehen die meisten Kreuzfahrer, die auf dem Rhein ankommen, nach Südwesten ab. Auf der amtlichen „Karte der Wasserstraßen in Deutschland und den Beneluxländern“ ist kein Teil der Niederlande dichter von Kanälen oder Flussläufen durchzogen als das Dreieck zwischen Ijmuiden, Walcheren und Arnhem. Hier zeigt das Nachbarland sein beeindruckendes Meistern der Gegenwart.

Wer von Amsterdam nach Norden bis Enkhuizen weiterfährt, das Meer überquert und auf der Ijssel die Rückreise beginnt, entdeckt noch ein anderes Leuchten – aus der glänzenden Geschichte des Landes. Alle Fremdenführer in Kampen, Deventer und Zutphen, waren stolz auf ihre Städte, die schon bedeutend waren, als es an der Amstel nur ein kleines Dorf gab, aus dem später die „Hauptstadt“, doch nie der Regierungssitz des Landes wurde.

Nicko Cruises hatte in die Großstadt und vier kleinere Orte eingeladen: “Hartelijk welkom in den Niederlanden“ mit der Nicko Spirit, deren 8-tägige Reise in Frankfurt am Main startete und endete.

Zwei Kirchen prägen die Silhouette der Kölner Altstadt, wie man vom Sonnendeck der
Nicko Spirit erkennt: der Dom mit seinen spitzen Türmen und die wuchtige St. Martins Kirche.

Jede Reise hat ihren eigenen Rhythmus. Erfahrene können ihn schon beim Lesen der Prospekte erkennen.

Von Freitagnachmittag bis Sonntag früh dauerte die Fahrt nach Amsterdam, am Mittwoch begann in Zutphen bereits die Rückreise. Ein eng getaktetes Unternehmen also mit langen Wegen hin- und zurück. Fast die Hälfte der Zeit war man in Deutschland. Doch das Welterbe Rheintal durchfuhr man in Dämmer oder Dunkel.

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Ein besonderes Schiff vom Bug bis zum Heck

Die Nicko Spirit fällt unter Kreuzfahrern in jedem Fluss und Hafen sofort auf, ihr Bug ist anders. Auf vergleichbaren Schiffen ist auf einem flachen Bug Technik untergebracht etwa zum Festmachen oder Ankern. Auf der NS laufen die Seiten des Schiffs in voller Höhe weiter, im oberen Teil plötzlich durchsichtig. Sie vereinigen sich ganz vorn zu einem spitzen steilen Bug und bilden so eine geschützte Deckpartie, The Garden. Die nötige Technik liegt unterhalb der so gewonnenen Fläche, auf der sich nun Passagiere niederlassen können – an Tischen und auf Stühlen, vorm Fahrtwind geschützt und von der Sonne verwöhnt, wenn sie denn scheint. Navigatorisch bietet dieser Bug keine Vorteile, erfuhr man beim Kapitän. Ähnlich originell war das Heck gestaltet – mit Mario´s Grill, einem kleinen Spezialitäten Restaurant. Dessen hintere Wand ließ sich öffnen und bot weiteren Platz für Gruppen, die unter sich bleiben wollten über dem Rauschen der Heckwelle.

Geduld ist eine Seemannstugend. Bei Flaute und Regen bleiben die Skutjes, die traditionellen
Großsegler, im Hafen.

Decks, Farben und Fenster

Nicko Tours hat die Nicko Spirit von Starling Fleet voll gechartert, einer Schweizer Reederei, die das Schiff nach ihren Vorstellungen bauen ließ, um es zu vermieten – bareboat oder mit nautischer Mannschaft und mit Hotelcrew. Die Schiffsmaße richten sich nach den Fahrgebieten und in denen nach der Größe der Schleusen und der Höhe der Brücken. Mit maximal 170 Passagieren darf die NS fahren. Sie ist 110 Meter lang, 11,4 Meter breit und hat einen Tiefgang von ganzen 1,70 Metern. Damit kann sie praktisch alle europäischen Flüsse befahren und auch das Wattenmeer zwischen Festland und den niederländischen Inseln.

Fluss- und Kanalbrücken erlauben drei Decks. Das untere, das so genannte Hauptdeck, beherbergt die Schiffstechnik, die Küche, Mannschaftsquartiere und 17 Passagierkabinen mit Fenstern, die nicht zu öffnen sind. Auf dem nächsten, dem Mitteldeck, liegen vorn das Restaurant, mittschiffs der Empfang, die verbindenden Treppen und 33 Kabinen. Auf Deck 3, dem Oberdeck, liegen 35 Kabinen. Speisen kann man auch hier, vorn vor der Lounge mit der Bar und achtern in Mario´s Grill. Das Sonnendeck ganz oben mit seinen Sonnen- und Schattenplätzen ist über die ganze Länge durch eine Reling gesichert. Das Steuerhaus hier oben ist absenkbar, die Schattenspender und die Reling lassen sich einklappen, wenn es mal in Schleusen oder unter Brücken eng werden sollte.

Ein schmuckes, lichtdurchflutetes Schiff, das man gern ansieht und in dem man sich wohlfühlt. Wenn da bloß diese Treppe nicht wäre vom 2. aufs 3. Deck, steiler als gewohnt und mit ihren Trittflächen für Ältere nicht breit genug.

Architektur verbindet Altes mit Hochmodernem. Den historischen Giebel schmückt ein
Flaschenzug, die Wohnräume erhellen riesige Fenster.

Kabinen und was man braucht

An die Kabinen muss man sich gewöhnen, an ihre Größe, ihre Farbgebung und ihren Zuschnitt. Beige-graue und Erdtöne herrschen vor. Alles ist da, was man braucht, aber nicht in der Art, die man gewohnt ist. Das Bad wird mit einer Schwebetür geöffnet und geschlossen, bleibt aber von der Seite her einsehbar, weil vor der Glaswand nur ein netzartiger Stoff den Blick auf Dusche, Toilette und Handwaschbecken verhindern soll. Der Schrankraum reichte uns nicht, unsere Jacketts waren zu lang und mussten sich an der flachen Garderobe am Eingang den Platz mit der manchmal nassen Regenkleidung teilen. Der Nachttisch war winzig, die Schublade klein, zum Schreiben oder Ablegen war ein Tischchen vorgesehen, auf dem auch Wasserflaschen und Gläser Platz finden mussten. Die absenkbare Panoramafront versagte am ersten Abend den Dienst, konnte erst in Amsterdam wieder bewegt werden. Ja, es ist ein Vergnügen, von den Betten aus auf die vorbeiziehenden Ufer und Wolken zu schauen, doch der Querbalken mit der Steuerung zieht sich, wenn man sitzt, quer durch das lockende Bild. Alleinreisende, mit denen wir sprachen, teilten unsere Erfahrung nicht. Ihnen gaben die Kabinen genügend Raum, mehr als uns beiden, die sich zu zweit die Kabine teilten.

Die Besatzung

Vierzig Männer und Frauen aus acht Nationen hielten das Schiff in Bewegung und betreuten die Gäste. Teunis von Dijk war Kapitän, Adnan Arkali Hotel Manager und Maria Shishkina – als einzige Repräsentantin von Nicko Tours – Kreuzfahrtleiterin. Gemeinsame Sprache aller war Deutsch, das man unterschiedlich gut beherrschte. Spürbar war das im Service, wenn der eine oder andere Wunsch missverstanden oder gar abgelehnt wurde und den Einsatz von Vorgesetzten nötig machte. Ganz offensichtlich hatte die Zwangspause wegen Corona die Schulung von Mitarbeitern nicht gefördert. Umso dankbarer war man, wenn Moon aus Myanmar oder Ali aus Ägypten sehr schnell die Wünsche der Gäste speicherten und prompt immer erfüllten. Sie wiesen auch daraufhin, dass der weiße Tischwein Riesling oder Weißburgunder sein konnte und servierten dann stets das Bevorzugte.

Holzschuhe haben einen Zweitnutzen, wenn sie abgetragen sind.
Sie dienen im Garten als Vasen, Futterstellen oder Nistplätze.

Ausflüge in zwei Ländern

In Köln ging´s auf die Deutzer Seite, um die Stadt und den Dom als Ganzes zu bewundern, erstaunlich gründlich interpretiert von sehr jungen Damen. Die durften im Dom selber nicht reden und konnten Museen, die immer noch geschlossen waren, auch nicht öffnen. Das inkludierte Kölsch in einer nahen Gaststätte aus einem 0,2 l Glas wurde von bayrischen Gästen als homöopathische Portion abgetan. Die Grachtenfahrt in Amsterdam fand trotz Schauern entsprechende Bewunderung, in Enkhuizen schränkten jaulender Wind und waagerechter Regen die Freude an Stadt und Zuiderzee-Museum ein. Volendam verblüffte mit Lautstärke und Stimmgewalt aus übervollen Kneipen, Marken mit seiner stillen Schönheit auch im Regen. Die Stadtrundgänge in Kampen, Deventer und Zutphen waren unvergleichlich gut. Gern hätten wir anschließend in jedem Ort Zeit für eigenes Bummeln gehabt. So mussten wir uns entscheiden zwischen geführtem Ausflug und eigenem Erkunden. Die Ausflüge siegten, ein eigenes Unternehmen gelang uns erst auf der Rückfahrt in Koblenz.

Käse kauft man in Spezialgeschäften. Über 25 Kilo Käse isst jeder Niederländer pro Jahr, nur ein
paar hundert Gramm mehr als der Durchschnittsdeutsche

Von Essen und Trinken

Es gab an Bord morgens ein kleines Frühstück und ein reichhaltiges Frühstücksbuffet, zu Mittag ein mehrgängiges Essen, ein Buffet und einen Imbiss, nachmittags eine Kaffeezeit und abends das Essen -darunter zwei Gala-Abendessen – im Restaurant oder in Mario´s Grill. Hungern musste also niemand an Bord, dennoch war zu beobachten, dass die Portionen bei mehrgängigen Menüs gegen Ende der Reise kleiner wurden. Verblüffend war die Auskunft eines Stewards beim letzten Frühstück: Es gibt keine Butter mehr an Bord. Das hätte sich noch in Koblenz vermeiden lassen.

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Unterhaltung

Flussschiffe brauchen in der Unterhaltung Verstärkung von Land. Die fehlte auf dieser Reise ganz. Doch der Bordmusiker brachte mit seiner Elektronik und Tastatur in der Lounge jeden Abend Tänzer aufs Parkett. Maria las einmal vor und spielte Ukulele. Eine Sauna lockte, Geräte für die Fitness – beides unten im Vorschiff – mussten gebucht werden. Die Bordbücherei war übersichtlich. Das Tagesprogramm lag am Vorabend in der Kabine, ein Blatt Papier, gelegentlich mit Stadtplan auf der Rückseite. Informationen über die Gegend, die das Schiff durchfuhr, hingen an der linken Wand am Eingang zur Lounge aus und wurden täglich ergänzt. Und so überblickte man am Ende dort die ganze Reise.

Um die Akzeptanz der Bürger für den teuren Neubau des Rathauses in Deventer zu gewinnen, wurden
Fingerabdrücke der Einwohner vergrößert, in Metall gegossen und in die Fenster verbaut.

(Dieter und Petra Bromund sind für die Redaktion Kreuzfahrttester unterwegs. Die Reise wurde durch Nicko Cruises unterstützt.)

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