Schloss Johannesberg mit seinen weltberühmten Weinlagen im Rheingau.

MS Antonia Teil 2 – Minusgrade, Schneevorhersagen und pfeifender Wind

MS Antonia Reisebericht Teil 2 … unterwegs zu den Weihnachtsmärkten von Dieter & Petra Bromund

Gleich zwei Weihnachtsmärkte besuchten wir in Koblenz an einem regnerischen Dienstag und entschieden uns schnell, mit unserem Budget unsere Sehnsucht nach schottischer Wolle zu stillen, die in England gesponnen, geschneidert, gestrickt oder gewalkt und in Koblenz in der Firmung-Straße angeboten wird. Wir suchten und fanden Maßgeschneidertes für uns.

Rüdesheim sollte um 19 Uhr erreicht werden. Das Besondere dieses Marktes: Seit über 25 Jahren bieten 16 Nationen Waren, Spezialitäten, „Gewohnheiten und Bräuche“ zur Jahreszeit an – von 11 bis 20 Uhr. Wir mussten uns also beeilen, Gutes und Schönes aus Ost und West zu entdecken. Das gelang. Doch die Rheinromantik ist im Winter blass. Die weltberühmte Drosselgasse mit zahlreichen Weinschenken erschien uns verlassen, auch in den wenigen anderen offenen Lokalen gähnte Leere. Also zurück aufs gemütliche Schiff, wo der Barkeeper einen vortrefflichen Dry Martin Cocktail zu mixen verstand.

Unser Reisebericht mit der MS Artania

Mit einiger Hoffnung machten wir am nächsten Tag in Mannheim fest, zu einem Landausflug nach Heidelberg oder zu einem freien Landgang. Doch Taxis zur Fahrt in die Innenstadt mussten erst in den Handelshafen gerufen werden. Für uns erwies sich die Fahrt zum Alten Rathaus als Glücksfall. Alex hatte Mannheim als Einkaufsstadt vorgestellt, der Taxifahrer erwies sich als Kenner der Stadtgeschichte und Wegweiser für die Fußgängerzone, die am Wasserturm endet. Um dieses Wahrzeichen standen dicht an dicht Buden und Karussells des Weihnachtsmarkts. Was kaufen, wenn alle Wünsche schon erfüllt sind? Die Mannheimer hatten eine Antwort, eine kulinarische. Würste, Nougat, seltene Teige, Spritzgebäck lockten. Trotz einer guten Küche an Bord war die Versuchung, fremd zu essen, groß. Uns rettete als letzter Einschiffungstermin ein unerbittliches 18.15 Uhr.

MS Antonia Reisebericht – Alex hatte vom Zwist unter Taxifahrern gesprochen, die bei seinem letzten Besuch die Strecke zwischen Altstadt und Hafen von Straßburg nicht bedienen wollten. Jetzt konnte er eine frohe Botschaft verkünden. Zwischen Anlegestelle der MS Antonia und der Stadt Straßburg hatte er einen Shuttlebusverkehr organisieren können. Wir hatten uns für einen geführten Ausflug entschieden und fuhren mit Martina oder Martine, Fremdenführerin oder Guide, vom Schiff in die Stadt, folgten ihren Ausführungen und trennten uns dann von ihr, um den Höhepunkt der Reise auf eigene Faust zu genießen. Und das gelang, dank ihrer guten Einführung. Unser Fazit: Die Zeit zwischen 9.00 und 17.45 Uhr reicht in keinem Fall aus, all die Weihnachtsmärkte dieser ruhmreichen Stadt kennenzulernen.

Straßburg, Weihnachtshauptstadt Europas, hat den wohl größten Adventskalender der Welt:
Die Niederlassung der Luxusmarke Hermès.

Was haben wir alles erfahren? Straßburg steht mit seinen europäischen Einrichtungen, wie etwa dem Europäischen Parlament oder dem Europäischen Gerichtshof, immer im Schatten Brüssels. Es hat eine französische und eine deutsche Geschichte, die auch an Bauwerken sichtbar wird. Martines Großmutter wechselte in ihrem Leben ohne ihren Wohnort zu ändern, viermal die Staatsbürgerschaft, ein Schicksal, das sie mit Tausenden teilte. „Wer sind wir also?“ Martines Antwort: Elsässer mit eigener Sprache und eigener Kultur – und jetzt Europäer. In der Stadt scheint jeder Deutsch und Französisch zu beherrschen, und wer Elsässisch spricht, ist auch Elsässer. Die Stadt wird als Capital de Noël, als Weihnachtshauptstadt, bezeichnet. Der Weihnachtsmarkt findet rund um das Straßburger Münster und an zwölf weiteren Plätzen mit mehr als 300 Hütten im Stadtzentrum statt. Und er hat natürlich einen elsässischen Namen: „Christkindelsmärik“. Er ist bis 20 Uhr geöffnet, ab 11 Uhr morgens. Er wird gut bewacht, Polizei und Militär sind nach den schrecklichen Ereignissen in Paris und Nizza sehr präsent. Einer aus einer Vierergruppe versieht seinen Dienst immer mit einer Maschinenpistole in hoher Vorhalteposition. Beim Bummel über die Märkte vergaßen wir unsere Vorsätze und Absichten. Wir speisten elsässisch, tranken Gewürztraminer und nahmen kulinarische Köstlichkeiten aus dem Elsass mit. Begeisterung für Straßburg war an Bord überall zu spüren. Offensichtlich hatten die Marktbesucher in der attraktiven Fülle ihre Wünsche erfüllen können.

Und wir drehten mit der MS Antonia um, Richtung Norden, nach Mainz. Die Stadt liebt ihren Rhein und die Gäste, die er ihr zuführt. Alle Straßen zum Wasser sind mit roten Schildern ausgezeichnet, blaue Straßen bleiben auf dem Trocknen. Und Mainz liebt seinen Weihnachtsmarkt so sehr, dass es den beliebten Wochenmarkt für die Adventszeit vom Domplatz verlegt hat.

Immer aktuell sind Sie auch in unserer Facebook Gruppe zu Phoenix Reisen

Das Ablegen um 12.15 Uhr, während des Mittagessens, war ungewöhnlich, wurde aber schnell verständlich. Denn das Unesco Weltkulturerbe „Romantisches Oberes Mittelrheintal“ sollte die MS Antonia bei Tageslicht passieren. Alex kommentierte die Strecke zwischen Rüdesheim und Koblenz kenntnisreich und involvierend. Der Service sorgte an Deck für innere Wärme. Oh ja, man muss da noch mal hin!

Andernach, letzter Hafen, erreicht nach dem Abendessen, lud zum letzten Weihnachtsmarkt dieser Reise ein. Viele Landgänger kehrten enttäuscht auch von schlecht beleuchteten Wegen bald an Bord zurück.

Um 3.00 Uhr nachts ging´s auf nach Köln, um 10 Uhr morgens war die Kreuzfahrt – diesmal auf dem „richtigen“ Ufer – zu Ende. Der aufmerksame Service hatte alle Koffer an Land gebracht, Taxis kamen sofort.

Sie hätte gern länger dauern können, diese wohltuende Reise mit 760 Flusskilometern, gut komponiert mit zwei Höhepunkten: an Land mit Straßburg, auf der Fahrt mit dem oberen Mittelrheintal.