Geisterfahrt durch das Pulverfass: Warum MSC das Suez-Risiko sucht, während TUI den Umweg wählt

Die Straße von Hormus ist nach tagelanger Blockade wieder frei, doch das Aufatmen in der Kreuzfahrtbranche ist kurz. Hinter den Kulissen tobt ein strategischer Disput über den sichersten Weg zurück in die europäischen Sommerfahrtgebiete. Im Zentrum der Kritik: MSC Cruises. Während die Schiffe der Konkurrenz als „Geisterschiffe“ ohne Gäste den langen Umweg um Afrika nehmen, wählt die MSC Euribia die gefährliche Abkürzung durch das Rote Meer.

Festgesessen im Golf: Der Zeitdruck wächst

Nachdem mehrere Schiffe im Arabischen Golf festsaßen, weil die Straße von Hormus unpassierbar war, stehen die Reedereien unter massivem Zeitdruck. Die Sommersaison im Mittelmeer und in Nordeuropa steht vor der Tür. Um die weitere Kreuzfahrten mit zahlenden Gästen nicht absagen zu müssen, zählt jeder Tag.

Gute Nachrichten für Kreuzfahrtfans: Mein Schiff 4 und 5 kehren in den Fahrplan zurück

Dennoch könnten die Strategien kaum unterschiedlicher sein:

  • TUI Cruises: Die Hamburger gehen kein Risiko ein. Die Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 befinden sich nach aktuellen Positionsdaten auf dem Weg rund um das Kap der Guten Hoffnung. Eine mehrwöchige Reise ohne Passagiere, die Millionen an Treibstoff kostet, aber die Sicherheit der Crew garantiert.
  • MSC Cruises: Die MSC Euribia wurde auf MarineTraffic eindeutig mit Kurs auf den Suezkanal gesichtet. Auch sie fährt ohne Gäste, nachdem die Reederei die „Grand Voyage“ aus Sicherheitsgründen offiziell gestrichen hatte. Doch warum geht man für das leere Schiff ein Risiko ein, das man den Passagieren nicht zumuten wollte?

Das Celestyal-Rätsel: Eine Flotte, zwei Routen?

Besonders skurril erscheint die Situation bei Celestyal Cruises. Während die Celestyal Discovery laut AIS-Signalen den Kurs durch den Suezkanal ansteuert, um rechtzeitig im östlichen Mittelmeer zu sein, gibt es Berichte, dass das zweite Schiff der Flotte, die Celestyal Journey, den Weg um Afrika nehmen soll.

Branchen-Insider fragen sich: Gibt es innerhalb einer Reederei zwei unterschiedliche Sicherheitsbewertungen für dieselbe Route? Oder ist es ein verzweifelter Versuch, zumindest ein Schiff pünktlich zum Saisonstart in den Hafen von Piräus zu bringen?

Sicherheit vs. Wirtschaftlichkeit

Die Passage durch den Suezkanal spart im Vergleich zur Umrundung Afrikas etwa 10 bis 14 Tage. Für MSC bedeutet dies, dass die Euribia ihren Dienst in Kiel pünktlich am 16. Mai aufnehmen kann. TUI Cruises hingegen musste bereits erste Reisen im Mai anpassen oder absagen, da die Schiffe den Umweg zeitlich nicht kompensieren können.

Kritiker werfen MSC vor, die Sicherheit der Besatzung niedriger zu gewichten als die wirtschaftlichen Ausfälle durch einen verspäteten Saisonstart. Zwar ist das Schiff ohne Gäste leichter zu manövrieren und potenziell weniger attraktiv für Angriffe, doch die Bedrohung durch Drohnen und Raketen im Roten Meer unterscheidet nicht zwischen Passagierschiff und Leerfahrt.


Die Fakten im Vergleich:

ReedereiSchiffRouteStatus
MSCEuribiaSuezkanalOhne Gäste, Ziel: Kiel
TUI CruisesMein Schiff 4/5Rund AfrikaOhne Gäste, Ziel: Mittelmeer/Europa
CelestyalDiscoverySuezkanalOhne Gäste, Ziel: Lavrion
CelestyalJourneyRund Afrika (?)Unklar, Ziel: Piräus

Ein gefährliches Spiel mit der Zeit: Während MarineTraffic die Euribia als einsamen Punkt im Roten Meer zeigt, bleibt die Frage offen: Ist dieser „Mut“ ein kalkuliertes Manöver oder ein unverantwortliches Risiko für die Crew an Bord?


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„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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