Gummienten auf Kreuzfahrtschiffen: Netter Spaß oder völlig unsinnige Marotte?

Kleine Gummienten auf Kreuzfahrtschiffen haben sich vom harmlosen Versteckspiel zum weltweiten Trend entwickelt – doch wenn Passagiere Hunderte Plastikenten verteilen und dafür sogar in sensible Bereiche des Schiffes vordringen, hört für uns der Spaß auf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Verstecken kleiner Gummienten ist auf Kreuzfahrtschiffen inzwischen ein internationaler Trend.
  • Einige Reedereien schränken das Versteckspiel ein – unter anderem aus Sicherheits-, Umwelt- und Ordnungsgründen.
  • Unsere Meinung: Eine einzelne Ente mag ein harmloser Spaß sein. Hunderte Plastikenten auf einem Schiff zu verteilen, ist dagegen eine ziemlich unsinnige Kreuzfahrt-Marotte.

Warum werden überhaupt Gummienten auf Kreuzfahrtschiffen versteckt?

Es gibt Kreuzfahrt-Trends, deren Sinn sich nicht jedem Passagier sofort erschließt. Dazu gehören zweifellos die sogenannten „Cruising Ducks“.

Passagiere bringen kleine Gummienten mit an Bord, versehen sie teilweise mit Namen, Schiff und Reisedatum und verstecken sie anschließend auf dem Kreuzfahrtschiff. Andere Gäste sollen die Enten finden, fotografieren, in sozialen Netzwerken präsentieren und entweder behalten oder erneut verstecken.

Der Ursprung des Trends wird häufig auf das Jahr 2018 zurückgeführt. Damals soll ein Mädchen auf einer Kreuzfahrt ab Galveston 50 Enten versteckt haben. Über soziale Netzwerke entwickelte sich daraus eine internationale Kreuzfahrt-Community.

Was mit 50 Enten als Kinderspaß begann, hat allerdings teilweise erstaunliche Dimensionen angenommen.

Warum gehen Reedereien inzwischen gegen die Gummienten vor?

Problematisch wird es spätestens dann, wenn aus dem kleinen Spiel ein Wettbewerb wird.

Berichten zufolge verstecken manche Passagiere nicht nur einige wenige Enten. In Extremfällen sollen auf einer einzigen Kreuzfahrt mehr als 1.000 Gummienten verteilt worden sein.

Noch fragwürdiger sind offenbar die Verstecke. Gäste sollen sogar Deckenplatten angehoben haben, um ihre Enten möglichst originell zu platzieren. Spätestens in der Nähe von Sensoren oder sicherheitsrelevanter Technik kann aus einem vermeintlichen Spaß ein echtes Problem werden.

Marella Cruises hat Passagiere deshalb aufgefordert, keine Gummienten oder andere persönliche Gegenstände an Bord beziehungsweise an den besuchten Reisezielen zurückzulassen. Als Gründe werden unter anderem Sicherheit und die Vermeidung unnötigen Plastikabfalls genannt.

Auch andere Reedereien setzen Grenzen. Bei Royal Caribbean sollen beispielsweise bestimmte Bereiche mit Pflanzen geschützt werden. Disney Cruise Line hat wiederum klare Regeln dafür, wo Passagiere Dekorationen anbringen dürfen.

Ein allgemeines Gummienten-Verbot auf Kreuzfahrtschiffen gibt es allerdings nicht. Die Regeln unterscheiden sich von Reederei zu Reederei.

Sind Gummienten auf Kreuzfahrtschiffen wirklich ein Umweltproblem?

Eine einzelne Gummiente wird die Umweltbilanz eines Kreuzfahrtschiffes sicherlich nicht entscheidend verändern.

Trotzdem wirkt es etwas widersprüchlich, wenn Reedereien Einwegkunststoffe reduzieren, Müll vermeiden und Passagiere gleichzeitig große Mengen zusätzlicher Plastikartikel ausschließlich für ein Versteckspiel mit an Bord bringen.

Hinzu kommt: Nicht jede Ente wird von einem begeisterten Kreuzfahrer gefunden. Ein Teil landet zwangsläufig beim Housekeeping oder anderen Crewmitgliedern und muss eingesammelt und entsorgt werden.

Und spätestens wenn Gummienten auch noch an Land zurückgelassen werden, wird aus dem vermeintlichen Souvenir schlicht ein Gegenstand, den jemand anderes wegräumen muss.

Ist der Gummienten-Trend auf Kreuzfahrten sinnvoll oder unsinnig?

Wir beim Kreuzfahrttester können dieser Marotte wenig abgewinnen.

Natürlich soll Urlaub Spaß machen. Und wenn Eltern mit ihren Kindern zwei oder drei Enten verstecken und andere Gäste sich über den Fund freuen, muss daraus sicherlich kein großes Problem gemacht werden.

Doch wie bei vielen Trends scheint auch hier das ursprüngliche Maß teilweise verloren gegangen zu sein.

Wer Hunderte Plastikenten im Koffer auf ein Kreuzfahrtschiff trägt, um sie anschließend überall zu verteilen, produziert letztlich zusätzliche Arbeit für die Crew und im schlechtesten Fall zusätzlichen Müll.

Wer sogar Deckenverkleidungen anhebt oder sensible Bereiche für ein möglichst spektakuläres Versteck nutzt, überschreitet aus unserer Sicht endgültig die Grenze zwischen harmlosem Spaß und Unsinn.

Unser Standpunkt ist deshalb recht einfach: Eine Ente zum Spaß – meinetwegen. Eine Armada aus Hunderten Gummienten braucht auf einem Kreuzfahrtschiff wirklich niemand.

Warum ist Rücksichtnahme an Bord wichtiger als der nächste Social-Media-Trend?

Auf einem Kreuzfahrtschiff leben mehrere Tausend Menschen für einige Tage oder Wochen auf vergleichsweise engem Raum zusammen. Dazu kommen teilweise weit über 1.000 Crewmitglieder.

Nicht jeder Trend, der in einer Facebook-Gruppe oder auf anderen sozialen Netzwerken gut funktioniert, muss deshalb automatisch an Bord ausgelebt werden.

Die entscheidende Frage sollte eigentlich ganz einfach sein:

Macht mein Spaß anderen Menschen zusätzliche Arbeit oder kann dadurch etwas beschädigt werden?

Wenn die Antwort darauf möglicherweise „ja“ lautet, sollte man es einfach lassen.

Das gilt für Gummienten genauso wie für das Bekleben von Türen, das Dekorieren öffentlicher Bereiche oder andere immer neue Kreuzfahrt-Marotten.

Verschwinden die Cruising Ducks jetzt von den Kreuzfahrtschiffen?

Wahrscheinlich nicht.

Die Community rund um die „Cruising Ducks“ ist groß und für viele Kreuzfahrer gehört die Suche mittlerweile tatsächlich zum Urlaub. Selbst die Reedereien gehen unterschiedlich mit dem Thema um. Carnival Cruise Line beispielsweise betrachtet den Enten-Trend deutlich entspannter.

Deshalb dürfte es auch künftig Gummienten auf Kreuzfahrtschiffen geben.

Vielleicht wäre aber weniger tatsächlich mehr: Zwei oder drei Enten können ein lustiges Urlaubsspiel sein. 100, 500 oder gar 1.000 Enten sind kein besonders origineller Kreuzfahrt-Trend mehr, sondern vor allem eines – sehr viel Plastik.

Häufige Fragen zu Gummienten auf Kreuzfahrtschiffen

Sind Gummienten auf Kreuzfahrtschiffen verboten?
Nein. Ein allgemeines Verbot gibt es nicht. Die Regeln unterscheiden sich je nach Reederei und teilweise auch nach Bereich des Schiffes.

Warum verstecken Kreuzfahrer Gummienten?
Andere Passagiere sollen die kleinen Enten finden und den Fund häufig über soziale Netzwerke teilen. Danach kann die Ente behalten oder erneut versteckt werden.

Was bedeutet „Cruising Ducks“?
So wird die internationale Community beziehungsweise der Trend rund um das Verstecken von Gummienten auf Kreuzfahrtschiffen bezeichnet.

Warum sehen einige Reedereien den Trend kritisch?
Genannt werden unter anderem Sicherheitsaspekte, mögliche Beschädigungen, zusätzliche Arbeit für die Crew und die Vermeidung unnötigen Plastikmülls.

Darf ich selbst Gummienten auf einer Kreuzfahrt verstecken?
Das hängt von den Regeln der jeweiligen Reederei ab. Auf keinen Fall sollten Enten in sicherheitsrelevanten Bereichen, hinter Verkleidungen oder dort versteckt werden, wo Einrichtungen oder Pflanzen beschädigt werden könnten.

Kreuzfahrttester-Fazit: Urlaub darf verspielt sein – aber er braucht nicht für jeden Social-Media-Trend eine neue Ladung Plastik. Wer unbedingt eine Gummiente verstecken möchte, sollte es bei wenigen Exemplaren belassen und dabei weder Crew noch Mitreisende oder Schiffseinrichtungen beeinträchtigen.


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„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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