Vom Großkunden zum Eigentümer? MSC verhandelt offenbar über Meyer Werft

Das Wichtigste in Kürze

  • MSC führt laut Bloomberg Gespräche über die rund 80-prozentige Staatsbeteiligung an der Meyer Werft.
  • Bund und Niedersachsen waren 2024 zur Rettung der Werft eingestiegen und investierten gemeinsam 400 Millionen Euro Eigenkapital.
  • Eine Übernahme ist nicht beschlossen – die Gespräche sind ergebnisoffen und bislang von den Beteiligten nicht offiziell bestätigt.

Veröffentlicht: 21. September 2026
Stand: 21. September 2026, 16:30 Uhr

Bei der Meyer Werft in Papenburg könnte eine der größten Veränderungen seit der staatlichen Rettung im Jahr 2024 bevorstehen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg führt die MSC Group Gespräche über eine mögliche Übernahme der Beteiligung, die derzeit vom Bund und dem Land Niedersachsen gehalten wird.

Gemeinsam besitzen die beiden staatlichen Anteilseigner rund 80 Prozent der Meyer Werft.

Sollte es tatsächlich zu einer Einigung kommen, würde damit einer der größten Kreuzfahrtkonzerne der Welt zum Mehrheitseigentümer einer der bedeutendsten Kreuzfahrtschiff-Werften Europas.

Noch ist es allerdings nicht so weit.

Ist die Übernahme der Meyer Werft durch MSC bereits beschlossen?

Nein.

Genau diese Unterscheidung ist derzeit wichtig.

Bloomberg beruft sich auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Demnach laufen Verhandlungen, eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Auch weitere Interessenten könnten noch auftreten. Ebenso könnten die Gespräche ohne Ergebnis enden.

MSC, die Meyer Werft sowie Bund und Land haben eine Übernahme bislang nicht offiziell bestätigt.

Von einer bereits erfolgten „Übernahme durch MSC“ kann deshalb derzeit keine Rede sein.

Wie viel der Meyer Werft gehört dem Staat?

Bund und Niedersachsen waren 2024 in einer existenziell schwierigen Situation bei der Meyer Werft eingestiegen.

Die öffentliche Hand übernahm 80,73 Prozent der Anteile. Dafür stellten Bund und Land gemeinsam 400 Millionen Euro Eigenkapital bereit.

Zusätzlich wurde ein Kreditrahmen von 2,6 Milliarden Euro durch staatliche Bürgschaften abgesichert.

Die Familie Meyer hält heute noch knapp 20 Prozent der Anteile.

Wir haben bei Kreuzfahrttester.com bereits 2024 ausführlich über die damalige Krise, die staatliche Rettung und die Zukunft der traditionsreichen Werft berichtet.

Der staatliche Einstieg war von Anfang an nicht als dauerhafte Lösung gedacht. Ziel war es, die Meyer Werft zu stabilisieren und später wieder in private Hände zu überführen.

Warum könnte ausgerechnet MSC bei Meyer einsteigen?

Eine Verbindung zwischen MSC und der Meyer Werft gibt es längst.

MSC Cruises und Meyer hatten im Dezember 2025 einen Letter of Intent für vier Kreuzfahrtschiffe einer vollkommen neuen Schiffsklasse plus zwei Optionen vereinbart.

Die neue Klasse trägt den Projektnamen „New Frontier“.

Geplant sind Kreuzfahrtschiffe mit rund 180.000 BRZ und Platz für maximal etwa 5.400 Passagiere. Die Ablieferungen sollen ab 2030 jährlich erfolgen.

Das mögliche Gesamtvolumen für vier Schiffe und zwei Optionen wurde mit bis zu zehn Milliarden Euro angegeben.

Damit würde MSC zu einem der wichtigsten Kunden der Papenburger Werft.

Wichtig ist allerdings auch hier: In ihrer letzten gemeinsamen Erklärung vom Juni 2026 bezeichneten MSC Cruises und Meyer Werft die Vertragsverhandlungen noch als weit fortgeschritten. Der endgültige Abschluss sollte anschließend bekanntgegeben werden.

Was würde ein Einstieg von MSC bedeuten?

Eine MSC-Mehrheit an der Meyer Werft wäre für die Kreuzfahrtindustrie eine außergewöhnliche Konstellation.

MSC wäre dann nicht nur Auftraggeber neuer Kreuzfahrtschiffe, sondern gleichzeitig Mehrheitseigentümer der Werft, die diese Schiffe bauen soll.

Für MSC könnten langfristig gesicherte Baukapazitäten interessant sein. Weltweit gibt es nur wenige Werften, die große und technisch komplexe Kreuzfahrtschiffe dieser Größenordnung bauen können.

Für Meyer wiederum könnte ein finanzstarker Eigentümer aus der Kreuzfahrtindustrie langfristige Planungssicherheit bedeuten.

Welche konkreten Auswirkungen eine Beteiligung auf andere Kunden der Werft wie Carnival oder Disney hätte, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht seriös beurteilen.

Was passiert mit der Familie Meyer?

Die Meyer Werft wurde 1795 gegründet und befand sich bis zum staatlichen Einstieg 2024 über Generationen im Besitz der Familie Meyer.

Heute hält die Familie noch knapp 20 Prozent.

Bei der staatlichen Rettung wurde der Eigentümerfamilie außerdem ein Rückkaufrecht eingeräumt.

Wie eine mögliche Beteiligung von MSC mit den Interessen und Rechten der Familie Meyer ausgestaltet werden könnte, ist derzeit nicht öffentlich bekannt.

Auch deshalb dürfte die mögliche neue Eigentümerstruktur noch Gegenstand umfangreicher Verhandlungen sein.

Warum ist die Meldung für Papenburg so bedeutend?

Die Meyer Werft ist weit mehr als eine reine Kreuzfahrtschiff-Werft.

Tausende Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt am Standort und an den zahlreichen Zulieferunternehmen.

Als Bund und Niedersachsen 2024 einstiegen, wurde ausdrücklich betont, dass die staatliche Beteiligung eine vorübergehende Stabilisierung sein sollte.

Jetzt könnte erstmals konkret sichtbar werden, wie die Rückkehr in private Hände aussehen könnte.

Ob MSC am Ende tatsächlich neuer Mehrheitseigentümer wird, ist offen.

Allein die Tatsache, dass nach Bloomberg-Informationen entsprechende Gespräche geführt werden, macht die Entwicklung aber zu einer der interessantesten Nachrichten rund um die Meyer Werft seit der staatlichen Rettung.

Weitere aktuelle Nachrichten zu MSC und der Flotte finden sich auf unserer Themenseite:

MSC Cruises – Schiffe, Kreuzfahrten und aktuelle News

Passend dazu haben wir zuletzt auch über den nächsten großen Neubau bei Meyer berichtet:

Carnival Tropicale: Baubeginn für das letzte Schiff der Excel-Klasse

Hinweis: Den zweiten internen Link bitte auf deinen bereits veröffentlichten Carnival-Tropicale-/Meyer-Werft-Artikel vom September setzen. Die genaue URL möchte ich hier nicht erfinden.

Häufige Fragen zu MSC und der Meyer Werft

Hat MSC die Meyer Werft bereits gekauft?
Nein. Laut Bloomberg finden Gespräche über einen möglichen Erwerb der staatlichen Beteiligung statt. Ein Abschluss wurde bislang nicht bestätigt.

Wie viele Anteile gehören Bund und Niedersachsen?
Bund und Land halten gemeinsam 80,73 Prozent der Meyer Werft.

Wie viel Geld investierte der Staat 2024?
Bund und Niedersachsen stellten zusammen 400 Millionen Euro Eigenkapital bereit. Zusätzlich wurde ein Kreditrahmen von 2,6 Milliarden Euro staatlich abgesichert.

Wie viele Anteile hält die Familie Meyer noch?
Die Familie Meyer besitzt knapp 20 Prozent der Anteile.

Baut die Meyer Werft künftig Schiffe für MSC?
MSC Cruises und Meyer Werft haben einen Letter of Intent über vier Schiffe der neuen „New Frontier“-Klasse sowie zwei Optionen unterzeichnet. Die ersten Ablieferungen sind ab 2030 vorgesehen.

Ist der Verkauf an MSC sicher?
Nein. Nach den vorliegenden Informationen sind die Gespräche ergebnisoffen. Andere Interessenten könnten ebenfalls auftreten.

Quelle: Bloomberg, Bundeswirtschaftsministerium, Meyer Werft. Stand: 21. September 2026, 16:30 Uhr.



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