Ein Stück europäischer Kreuzfahrtgeschichte steht möglicherweise vor seinem endgültigen Ende. Die MS Funchal, eines der bekanntesten historischen Passagierschiffe Portugals, wurde am 9. Oktober 2026 im Rahmen eines Insolvenzverfahrens versteigert. Nach Medienberichten lag der Verkaufspreis bei lediglich 808.265 Euro. Für das 1961 gebaute Schiff, das seit mehr als elf Jahren nicht mehr regulär im Einsatz ist, könnte nun die Verschrottung folgen.
Portugiesische Medien berichten über eine mögliche Überführung in die Türkei. Gleichzeitig gibt es unterschiedliche Angaben zum Käufer und zur weiteren Verwendung. Sicher ist bislang der Verkauf – nicht der bereits erfolgte Abbruch.
Das Wichtigste in Kürze
- Historischer Kreuzfahrtklassiker verkauft: Die 1961 gebaute MS Funchal wurde am 9. Oktober 2026 im Zuge der Insolvenz ihrer Eigentümergesellschaft versteigert.
- Verkaufspreis von 808.265 Euro berichtet: Das Mindestgebot lag bei 802.354 Euro. Der Zuschlag erfolgte damit nur knapp über dem Ausgangswert.
- Verschrottung möglich: Portugiesische Medien berichten von einer geplanten Verwertung in der Türkei. Eine abschließende Bestätigung der konkreten Pläne liegt bislang nicht vor.
Was ist mit der MS Funchal passiert?
Am 9. Oktober 2026 wurde die MS Funchal im Hafen von Lissabon im Rahmen eines gerichtlich angeordneten Verkaufsverfahrens versteigert.
Hintergrund ist die Insolvenz der bisherigen Eigentümergesellschaft Teamson Lda. Das Schiff sollte verkauft werden, um Mittel für die Befriedigung der Gläubiger zu erzielen.
Der Mindestpreis war auf 802.354 Euro festgelegt worden. Nach den vorliegenden Berichten wurde das historische Passagierschiff schließlich für 808.265 Euro verkauft.
Damit lag das Gebot nur 5.911 Euro über dem Mindestpreis.
Besonders bemerkenswert ist dieser Betrag angesichts der Geschichte des Schiffes. Die Funchal war über Jahrzehnte ein bekanntes Aushängeschild der portugiesischen Passagierschifffahrt und später ein klassisches Kreuzfahrtschiff.
Allerdings sagt der vergleichsweise niedrige Kaufpreis wenig über den tatsächlichen Wert eines betriebsfähigen Schiffes aus. Nach mehr als einem Jahrzehnt Stillstand wären für eine erneute Indienststellung umfangreiche technische Prüfungen, Modernisierungen und Investitionen notwendig.
Wird die MS Funchal jetzt in der Türkei verschrottet?
Das ist derzeit die entscheidende Frage.
Portugiesische Medien berichten, dass das Schiff zur Verschrottung in die Türkei gebracht werden soll. Als möglicher Zielort wird die bekannte Schiffsrecyclingregion Aliağa genannt.
Andere portugiesische Berichte sprechen von einem griechischen Reeder als Käufer. Dieser soll sowohl Reparaturwerften als auch Anlagen für die Zerlegung ausgedienter Schiffe besitzen.
Damit bleibt zumindest eine theoretische Möglichkeit für eine weitere Nutzung bestehen.
Eine öffentlich bestätigte Entscheidung des Käufers über den endgültigen Verbleib des Schiffes liegt bislang nicht vor.
Fest steht: Die Funchal hat einen neuen Eigentümer. Ob sie tatsächlich verschrottet wird, muss sich noch zeigen.
Sollte das Schiff in den kommenden Wochen nach Aliağa überführt werden, wäre dies ein starkes Indiz für das endgültige Ende seiner langen Geschichte.
Warum ist die MS Funchal ein besonderes Kreuzfahrtschiff?
Die Funchal wurde 1961 bei der dänischen Werft Helsingør Skibsværft gebaut.
Auftraggeber war die portugiesische Reederei Empresa Insulana de Navegação. Das Schiff sollte ursprünglich die Verbindungen zwischen dem portugiesischen Festland, Madeira und den Azoren bedienen.
In einer Zeit, in der Flugreisen noch nicht die heutige Bedeutung hatten, waren solche Passagierschiffe wichtige Verkehrsmittel.
Die Funchal transportierte Reisende, Post und Fracht und entwickelte sich zu einem Symbol der portugiesischen Handelsschifffahrt.
Ihren Namen erhielt sie von der Hauptstadt der Atlantikinsel Madeira.
Besonders ungewöhnlich: Während viele historische Passagierschiffe im Laufe ihres Lebens mehrfach umbenannt wurden, blieb die Funchal über ihre gesamte Geschichte unter ihrem ursprünglichen Namen bekannt.
Wie wurde aus dem Linienschiff ein Kreuzfahrtschiff?
Anfang der 1970er-Jahre veränderte sich die internationale Passagierschifffahrt grundlegend.
Immer mehr Menschen nutzten das Flugzeug für längere Reisen. Klassische Passagierlinien verloren zunehmend an Bedeutung.
Auch die Funchal musste sich an diese Entwicklung anpassen.
Im Winter 1972/1973 wurde das Schiff umfassend modernisiert. Dabei ersetzte man die ursprüngliche Dampfturbinenanlage durch einen Dieselantrieb.
Gleichzeitig wurden die Passagierbereiche modernisiert und das Schiff zunehmend für Kreuzfahrten eingesetzt.
Später gehörte die Funchal zur Flotte von Classic International Cruises, einer Reederei, die für ihre traditionellen Kreuzfahrtschiffe bekannt war.
Anders als die modernen Kreuzfahrtriesen setzte das Unternehmen auf kleinere Schiffe mit klassischer Architektur und einer vergleichsweise persönlichen Atmosphäre.
Für viele Kreuzfahrtliebhaber waren gerade diese Eigenschaften der besondere Reiz solcher Reisen.
Warum liegt die Funchal seit elf Jahren still?
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der früheren Betreiber führten schließlich dazu, dass die Funchal ihren regelmäßigen Kreuzfahrtbetrieb einstellte.
Nach der Insolvenz von Classic International Cruises im Jahr 2012 gab es zunächst noch einen Versuch, das Schiff wieder im Kreuzfahrtgeschäft einzusetzen.
Unter Portuscale Cruises kehrte die Funchal zeitweise in den aktiven Dienst zurück.
Doch auch dieser Neustart blieb ohne dauerhaften Erfolg.
Anfang Januar 2015 endete die letzte Reise. Seitdem liegt das Schiff überwiegend im Hafen von Lissabon.
In den folgenden Jahren gab es verschiedene Pläne, die Funchal wieder wirtschaftlich zu nutzen.
Dazu gehörten neue Kreuzfahrtkonzepte, ein möglicher Einsatz als Veranstaltungsschiff und schließlich die Umwandlung in ein schwimmendes Hotel.
Warum scheiterten die Rettungsversuche?
Im Jahr 2018 wurde die Funchal an das britische Unternehmen Signature Living verkauft.
Zeitweise war vorgesehen, das Schiff als Veranstaltungsschiff oder schwimmendes Hotel zu nutzen. Auch eine Verlegung nach Großbritannien wurde diskutiert.
Die Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt.
2021 übernahm Teamson Lda das Schiff. Erneut sollte aus dem historischen Passagierschiff ein Hotel werden.
Für die geplanten Umbauten wurde die Funchal sogar in ein Trockendock gebracht.
Nach Angaben aus dem Insolvenzverfahren wurden unter anderem Arbeiten zur Asbestsanierung durchgeführt. Außerdem verfügt das Schiff laut den Verwaltern über eine Genehmigung für eine Hotelnutzung.
Dennoch konnte das Projekt nicht fertiggestellt werden.
Schließlich geriet auch die neue Eigentümergesellschaft in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Mit der gerichtlichen Versteigerung im Oktober 2026 endet nun ein weiteres Kapitel der gescheiterten Wiederbelebungsversuche.
Warum verschwinden immer mehr klassische Kreuzfahrtschiffe?
Die mögliche Verschrottung der Funchal steht beispielhaft für eine Entwicklung, die seit Jahren zu beobachten ist.
Klassische Passagier- und Kreuzfahrtschiffe aus den 1950er- und 1960er-Jahren werden immer seltener.
Viele dieser Schiffe wurden ursprünglich für den Linienverkehr gebaut und erst später zu Kreuzfahrtschiffen umgebaut.
Ihre Architektur unterscheidet sich erheblich von modernen Kreuzfahrtneubauten.
Schlanke Schiffsrümpfe, traditionelle Promenadendecks, vergleichsweise kleine Kabinen und klassische Gesellschaftsräume prägten das Reiseerlebnis.
Für einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb sind solche Schiffe heute jedoch häufig schwierig.
Neben hohen Instandhaltungskosten spielen technische Anforderungen, Energieeffizienz, Umweltvorschriften und die Erwartungen moderner Kreuzfahrtgäste eine wichtige Rolle.
Hinzu kommt, dass umfangreiche Umbauten bei historischen Schiffen oft besonders teuer und technisch anspruchsvoll sind.
Ein möglicher Erhalt als Museumsschiff oder Hotel benötigt deshalb nicht nur einen Käufer, sondern ein langfristig tragfähiges Finanzierungskonzept.
Was bedeutet der Verkauf für die Geschichte der Kreuzfahrt?
Mit der Funchal könnte ein weiteres bedeutendes Schiff aus der frühen europäischen Kreuzfahrtgeschichte verschwinden.
Die ehemalige Classic-International-Cruises-Flotte war lange ein Rückzugsort für Liebhaber traditioneller Schiffsreisen.
Mehrere frühere Flottenmitglieder wurden bereits verschrottet.
Die Funchal gehörte zu den letzten erhaltenen Vertretern dieser Epoche.
Sollte auch sie abgewrackt werden, wäre dies nicht nur das Ende eines einzelnen Schiffes, sondern der Verlust eines Stücks maritimer Geschichte.
Einschätzung von Kreuzfahrttester.com
Der Verkauf der Funchal zeigt, wie schwierig der Erhalt historischer Kreuzfahrtschiffe geworden ist.
Elf Jahre ohne regulären Betrieb, mehrere gescheiterte Nutzungskonzepte und die Insolvenz des letzten Eigentümers sprechen dafür, dass ein wirtschaftlicher Neustart erhebliche Herausforderungen mit sich bringen würde.
Gleichzeitig ist es bedauerlich, wenn ein Schiff mit einer solchen Geschichte möglicherweise nur noch nach seinem Materialwert beurteilt wird.
Ob der neue Eigentümer doch noch eine andere Nutzung ermöglicht oder die Funchal tatsächlich zur Verschrottung überführt wird, bleibt abzuwarten.
Kreuzfahrttester.com wird die weitere Entwicklung verfolgen.
Häufige Fragen zur MS Funchal
Wann wurde die MS Funchal verkauft?
Die gerichtliche Versteigerung fand am 9. Oktober 2026 in Lissabon statt.
Wie hoch war der Verkaufspreis?
Nach den vorliegenden Berichten wurde das Schiff für 808.265 Euro verkauft. Das Mindestgebot betrug 802.354 Euro.
Wird die MS Funchal verschrottet?
Portugiesische Medien berichten über eine geplante Verschrottung in der Türkei. Eine endgültige Bestätigung der konkreten Pläne des Käufers liegt bislang nicht vor.
Wie alt ist die MS Funchal?
Das Schiff wurde 1961 gebaut und ist damit im Jahr 2026 rund 65 Jahre alt.
Wann fand die letzte Kreuzfahrt statt?
Die letzte Reise endete Anfang Januar 2015. Seitdem wurde die Funchal nicht mehr regulär im Kreuzfahrtbetrieb eingesetzt.
Warum wurde die Funchal nicht wieder in Dienst gestellt?
Mehrere Projekte zur Wiederaufnahme des Kreuzfahrtbetriebs beziehungsweise zur Umwandlung in ein Hotel scheiterten. Zuletzt wurde die Eigentümergesellschaft Teamson insolvent.
Quellen und Bildnachweis
- oRegiões, 9. Oktober 2026: „Paquete Funchal adjudicado em leilão a armador grego“
- Jornal Económico, 2. Oktober 2026: „Paquete Funchal à venda: entre uma nova vida e a sucata“
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„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.


