Das Geld ja – aber die Gäste bitte nicht? Kreuzfahrtschiffe weltweit unerwünscht?

Nizza, Amsterdam, Palma: Der weltweite Trend, Kreuzfahrten zu begrenzen – oder teuer zu machen

Nizza, 15. Juli 2025 – Kreuzfahrtschiffe bringen Geld, aber auch Diskussionen. Lärm, Emissionen, Overtourism: Immer mehr Städte suchen nach Wegen, den Boom zu begrenzen – oder besser zu kontrollieren. Jetzt hat ein französisches Verwaltungsgericht eine solche Begrenzung in Nizza vorerst gestoppt. Doch der Konflikt zeigt: Der Trend zur Einschränkung des Kreuzfahrttourismus ist längst ein globales Thema.

Nizza wollte dichtmachen – das Gericht winkt ab

Bürgermeister Christian Estrosi hatte große Pläne: Keine Schiffe mit mehr als 450 Passagieren mehr im Hafen von Nizza, und nur noch ein Anlauf pro Tag in der Bucht von Villefranche-sur-Mer. Der Grund: Umwelt, Klimaschutz, Lebensqualität. Doch die Richter sahen das anders – und erklärten das kommunale Verbot für unwirksam. Schiffsverkehr sei Sache des Staates, nicht der Stadt.

Die Reaktion der Kreuzfahrtbranche? Erleichterung. Die der Einheimischen? Gespalten.

Amsterdam, Palma, Venedig: Kreuzfahrt unter Druck

Nizza steht nicht allein. In Amsterdam dürfen Kreuzfahrtschiffe ab 2026 nicht mehr direkt im Zentrum anlegen. Palma de Mallorca hat eine Obergrenze von nur drei Schiffen pro Tag eingeführt. Venedig hat große Kreuzfahrtschiffe bereits verbannt – mit drastischen Auswirkungen für Reedereien und Hafenwirtschaft.

Die Motive ähneln sich: Luftqualität, touristische Überlastung, Schutz der Altstädte – und in vielen Fällen auch politischer Druck. Denn bei vielen Einheimischen gelten Kreuzfahrten längst als Symbol für ausufernden Massentourismus.

Und wer nicht verbietet, kassiert

Statt auf Verbote setzen andere Länder auf Geld. In Griechenland sollen Reedereien künftig für Anlegeplätze bieten und oder pro Gast zahlen – das meistbietende Schiff gewinnt. In Mexiko wurde die Touristensteuer auf Kreuzfahrtgäste erhöht. Die Botschaft ist klar: Wer bleiben will, muss zahlen. Viel zahlen.

Zwischen Milliarden und Moral

Kreuzfahrten bringen Arbeitsplätze, aber auch Müll. Sie füllen Häfen – und verstopfen Innenstädte. Sie versprechen Luxus – sorgen aber oft für soziale Spannungen vor Ort. Zwischen diesen Extremen versuchen Hafenstädte weltweit, eine neue Balance zu finden.

Die großen Reedereien reagieren mit neuen Umweltprogrammen, saubererem Treibstoff und freiwilligen Begrenzungen. Doch reichen diese Schritte aus, um das Image zu drehen?

Wie weiter in Nizza – und anderswo?

Bürgermeister Estrosi will das Urteil nicht auf sich sitzen lassen. Neue rechtliche Schritte sind angekündigt. Auch in anderen Regionen wird es wohl neue Versuche geben, den Kreuzfahrttourismus stärker zu steuern – oder einzugrenzen.

Denn die Frage bleibt weltweit ungelöst: Wie viele Kreuzfahrtgäste sind genug? Und was ist uns die maritime Besuchermasse wirklich wert? Und müssen die Schiffe wirklich immer grösser werden?


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Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 3.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte.

Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.
„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit 1999 betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog in Deutschland

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