Holz statt Stahl auf einem modernen Kreuzfahrtschiff? Was zunächst nach einem Schritt zurück in die Geschichte der Seefahrt klingt, könnte tatsächlich ein Baustein für die Kreuzfahrtschiffe der Zukunft werden.
Beim ersten AIDA Innovation Hub 2026 wurde das Forschungsprojekt „WoodShip – Nachhaltige Holzintegration in Kreuzfahrtschiffen“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Kategorie Nachhaltigkeit ausgezeichnet.
Dabei geht es keineswegs darum, ein komplettes AIDA-Schiff aus Holz zu bauen. Vielmehr untersuchen die Forscher, ob der Werkstoff dort eingesetzt werden kann, wo heute teilweise schwerere Materialien verwendet werden.
Und das könnte gerade auf den oberen Decks eines Kreuzfahrtschiffes interessant werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Das DLR-Projekt WoodShip untersucht den Einsatz von Holz in bestimmten Bereichen moderner Kreuzfahrtschiffe.
- Denkbar sind unter anderem Trägeraufbauten und Außenanwendungen – besonders interessant ist das geringere Gewicht gegenüber Stahl.
- AIDA ermöglicht den Gewinnerprojekten des Innovation Hub eine weitere Umsetzungsstudie oder einen möglichen Pilotversuch an Bord. Ein konkreter Einsatz von WoodShip ist bislang nicht beschlossen.
Warum könnte AIDA überhaupt Holz auf Kreuzfahrtschiffen einsetzen?
Der entscheidende Punkt ist das Gewicht.
Nach Angaben von AIDA besitzt Holz gegenüber Stahl aufgrund seiner geringeren Dichte Gewichtsvorteile. Besonders relevant kann das bei Konstruktionen sein, die sich weit oben im Schiff oder auf den Außendecks befinden.
Das Projekt WoodShip beschäftigt sich deshalb beispielsweise mit Trägeraufbauten und Außenanwendungen.
Gleichzeitig speichert Holz während seines Wachstums Kohlenstoff. Das DLR untersucht im Kompetenzzentrum Holz in Fahrzeugstrukturen bereits seit längerem Möglichkeiten, Holz als modernen Konstruktionswerkstoff einzusetzen.
Für die Kreuzfahrt könnte daraus eine interessante Kombination entstehen: ein nachwachsender Rohstoff und gleichzeitig weniger Gewicht.
Warum ist weniger Gewicht bei einem Kreuzfahrtschiff interessant?
Jedes Kilogramm eines Kreuzfahrtschiffes muss bewegt werden.
Gewicht einzusparen kann deshalb grundsätzlich dazu beitragen, den Energiebedarf eines Schiffes zu reduzieren. Besonders interessant sind Gewichtsreduzierungen bei hoch gelegenen Bauteilen, weil bei der Konstruktion eines Schiffes neben dem Gesamtgewicht auch dessen Verteilung eine wichtige Rolle spielt.
Genau deshalb richtet sich der Blick bei WoodShip nicht darauf, Stahl überall zu ersetzen.
Vielmehr geht es um die Frage:
An welchen Stellen kann Holz technisch sinnvoll eingesetzt werden, ohne Sicherheit und Haltbarkeit zu beeinträchtigen?
Das könnte langfristig eine weitere Stellschraube auf dem Weg zu effizienteren Kreuzfahrtschiffen werden.
Wird es tatsächlich ein AIDA-Schiff mit Holzbauteilen geben?
Das ist derzeit noch offen.
Die Auszeichnung beim AIDA Innovation Hub bedeutet nicht, dass AIDA bereits beschlossen hat, Holzbauteile auf seinen Schiffen einzusetzen.
Interessant ist allerdings, was nach dem Wettbewerb passiert.
AIDA unterstützt die Sieger der drei Kategorien dabei, ihre Ideen entweder im Rahmen einer Umsetzungsstudie weiterzuentwickeln oder als Pilotprojekt an Bord zu testen.
Damit besteht zumindest die Möglichkeit, dass WoodShip den Sprung aus der Forschung auf ein reales Kreuzfahrtschiff schafft.
Welches AIDA-Schiff für einen solchen Versuch infrage kommen könnte und wann ein möglicher Test stattfinden könnte, wurde bislang nicht bekannt gegeben.
Mehr zum Wettbewerb und den beiden weiteren Siegerprojekten haben wir bereits hier zusammengefasst:
AIDA Innovation Hub 2026: Diese drei Ideen könnten bald auf AIDA-Schiffen getestet werden
Könnte WoodShip sogar für die neuen AIDA-Schiffe interessant werden?
Diese Frage ist besonders spannend – derzeit aber noch Spekulation.
AIDA befindet sich mitten in einer langfristigen Erneuerung seiner Flotte. Für 2030 sowie 2031/32 sind zwei Schiffe einer neuen AIDA-Generation geplant.
Über diese neue Schiffsgeneration berichten wir hier ausführlich:
AIDA plant neue Schiffsgeneration – kleiner, flexibler und nachhaltiger
Ob WoodShip bei diesen Neubauten eine Rolle spielen könnte, hat AIDA bislang nicht angekündigt.
Zeitlich macht das Forschungsprojekt die Frage dennoch interessant: Technologien, die heute entwickelt und erprobt werden, könnten grundsätzlich bei späteren Schiffsgenerationen oder bei Modernisierungen relevant werden.
Daraus sollte man allerdings noch keine Verbindung zwischen WoodShip und den beiden bestellten Neubauten ableiten.
Könnte Holz auch bei bestehenden AIDA-Schiffen getestet werden?
Grundsätzlich sieht AIDA für die Gewinnerprojekte ausdrücklich die Möglichkeit eines Pilotprojektes innerhalb der Flotte vor.
Damit wäre theoretisch auch ein Test auf einem bestehenden Schiff denkbar.
Parallel läuft bei AIDA mit AIDA Evolution das größte Modernisierungsprogramm der Unternehmensgeschichte. Die sieben Schiffe der Sphinx-Generation werden schrittweise umfassend modernisiert.
Unsere Übersicht mit den geplanten Werftzeiten gibt es hier:
AIDA Evolution: Werfttermine und Modernisierungen 2026 bis 2028
Ob WoodShip im Zusammenhang mit AIDA Evolution eingesetzt oder getestet wird, ist allerdings ebenfalls nicht bekannt.
Was ist die größte Herausforderung bei Holz auf einem Kreuzfahrtschiff?
Holz einfach gegen Stahl auszutauschen funktioniert natürlich nicht.
Kreuzfahrtschiffe unterliegen strengen Sicherheitsvorschriften. Besonders wichtig ist dabei der Brandschutz. Hinzu kommen Feuchtigkeit, Salzwasser, UV-Strahlung, mechanische Belastungen und die lange Lebensdauer der Bauteile.
Genau deshalb ist WoodShip zunächst ein Forschungsprojekt.
Das DLR verfügt nach eigenen Angaben über Möglichkeiten zur Auslegung, Simulation und Prüfung komplexer Holzbauteile. Erst wenn solche Konstruktionen die notwendigen Anforderungen erfüllen, wäre ein praktischer Einsatz im Schiffbau realistisch.
Warum ist WoodShip für die Kreuzfahrt trotzdem bemerkenswert?
Bei der Diskussion über nachhaltigere Kreuzfahrtschiffe dreht sich fast alles um den Antrieb.
LNG, Bio-LNG, synthetische Kraftstoffe, Batterien und Landstrom bestimmen die öffentliche Diskussion.
Doch die Effizienz eines Schiffes hängt nicht ausschließlich davon ab, welcher Kraftstoff im Maschinenraum verwendet wird.
Auch Gewicht, Konstruktion, Energieverbrauch des Hotelbetriebs und verwendete Materialien spielen eine Rolle.
Genau deshalb ist WoodShip interessant: Das Projekt setzt an einem Bereich an, über den bei Kreuzfahrtschiffen bislang vergleichsweise wenig gesprochen wird.
Mehr über die bisherigen Maßnahmen und Entwicklungen gibt es in unserem Bereich Kreuzfahrt & Nachhaltigkeit.
Was bedeutet das Projekt für AIDA-Gäste?
Kurzfristig zunächst einmal: nichts.
Es gibt aktuell weder ein angekündigtes „Holzdeck der Zukunft“ noch ein bestimmtes Schiff, auf dem WoodShip bereits eingebaut werden soll.
Das Projekt zeigt aber, in welche Richtungen AIDA bei der Suche nach neuen Technologien schaut.
Der Innovation Hub beschäftigt sich bewusst nicht nur mit alternativen Antrieben. Auch Materialien, Energieeffizienz und digitale Lösungen werden untersucht.
Eine Übersicht über die Reederei, ihre aktuelle Flotte und die kommenden Veränderungen gibt es auf unserer großen AIDA Cruises Übersichtsseite.
Häufige Fragen zu Holz auf AIDA-Schiffen
Baut AIDA künftig Kreuzfahrtschiffe aus Holz?
Nein. Darum geht es beim Projekt WoodShip nicht. Untersucht wird, ob Holz für bestimmte Bauteile und Anwendungen eines Kreuzfahrtschiffes eingesetzt werden kann.
Was ist WoodShip?
WoodShip ist ein Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Untersucht wird die nachhaltige Integration von Holz in Kreuzfahrtschiffe.
Warum soll ausgerechnet Holz verwendet werden?
Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, speichert während seines Wachstums Kohlenstoff und besitzt gegenüber Stahl eine geringere Dichte. Dadurch können sich bei geeigneten Anwendungen Gewichtsvorteile ergeben.
Wird WoodShip auf einem AIDA-Schiff getestet?
Das steht noch nicht fest. AIDA bietet den Gewinnern des Innovation Hub die Möglichkeit einer Umsetzungsstudie oder eines Pilotprojektes an Bord. Ein konkreter Test von WoodShip auf einem bestimmten Schiff wurde bislang nicht angekündigt.
Könnten die neuen AIDA-Schiffe ab 2030 Holzbauteile bekommen?
Dafür gibt es derzeit keine Bestätigung. Die neuen AIDA-Schiffe und WoodShip sind zwei voneinander getrennte Projekte. Ob die Forschung später in die Neubauten einfließt, bleibt abzuwarten.
Fazit: Holz auf AIDA – verrückte Idee mit ernstem Hintergrund
Ein Kreuzfahrtschiff aus Holz wird es bei AIDA wohl kaum geben. Aber genau deshalb sollte man WoodShip nicht vorschnell als kuriose Zukunftsidee abtun.
Entscheidend ist nicht der Werkstoff allein, sondern die Frage, wo sich Gewicht einsparen lässt und welche Materialien dafür sinnvoll eingesetzt werden können.
Noch befindet sich WoodShip auf dem Weg von der Forschung in eine mögliche praktische Erprobung. Besonders spannend wird deshalb die nächste Phase: Sollte AIDA tatsächlich erstmals Holzbauteile auf einem seiner Kreuzfahrtschiffe testen, wäre das weit mehr als eine ungewöhnliche Designidee.
Es wäre ein ziemlich interessantes Experiment im modernen Schiffbau.
Quelle: AIDA Cruises – AIDA Innovation Hub 2026, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
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„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.


