ARTANIA Grönland Reisebericht Teil 4: Prins Christian Sund – und plötzlich ist da Grönland

Drei Tage Nordatlantik, ordentlich Seegang, eine kurzfristige Routenänderung und schließlich Land in Sicht: Die ARTANIA erreicht Grönland – doch der legendäre Prins Christian Sund begrüßt uns zunächst auf typisch grönländische Art mit einer dicken Portion Nebel.

Wie fühlt es sich an, nach drei Seetagen endlich Grönland zu erreichen?

Land in Sicht!

Auf diesen Moment haben wir lange gewartet. Nach Irland liegen noch einmal drei komplette Seetage hinter uns – und dieses Mal hat uns der Nordatlantik durchaus gezeigt, was er kann.

Die ARTANIA bewegt sich deutlich, und gelegentlich verabschiedet sich im Badezimmer auch schon einmal der eine oder andere Gegenstand von seinem angestammten Platz.

Unser Kapitän Morten Hansen nimmt es gewohnt gelassen und spricht vom einen oder anderen „Schlagloch“.

Nun ja: Auf deutschen Straßen kennt man das. Nur dass die Schlaglöcher hier mehrere tausend Meter Wasser unter sich haben.

Willkommen auf dem Nordatlantik.

Welche Kabine ist bei starkem Seegang die beste Wahl?

An dieser Stelle noch einmal ein Tipp für alle, die Seegang weniger gut vertragen.

Wer bereits bei der Buchung weiß, dass der Magen auf stärkere Schiffsbewegungen empfindlich reagiert, sollte möglichst eine Kabine in der Schiffsmitte und auf einem niedrigeren Deck wählen.

Dort sind die Bewegungen in der Regel weniger ausgeprägt als weit vorne, weit hinten oder sehr weit oben.

Und ansonsten hilft manchmal nur noch der Klassiker: raus an die frische Luft, den Horizont anschauen und daran denken, dass auch das zum Abenteuer Nordatlantik gehört.

Was macht man eigentlich drei Tage lang auf See?

Zeit hat man plötzlich reichlich.

Und so bleibt auch Gelegenheit, Nachrichten aus der Kreuzfahrtbranche zu verfolgen. Dabei fiel uns erneut das jährliche Kreuzfahrtranking des NABU ins Auge.

Umweltschutz und die Reduzierung von Emissionen sind ohne Frage wichtige Themen, denen sich auch die Kreuzfahrtbranche stellen muss. Trotzdem lohnt es sich, bei Rankings genauer hinzusehen und zu fragen, was eigentlich miteinander verglichen wird.

Eine interessante Frage wäre beispielsweise, wie die Umweltbilanz einer Kreuzfahrt gegenüber dem alternativen Verhalten derselben Passagiere aussähe. Würden sie zu Hause Auto fahren, heizen oder klimatisieren? Würden sie stattdessen fliegen, ein Hotel nutzen oder eine andere Urlaubsform wählen?

Eine seriöse Antwort darauf erfordert natürlich eine vollständige Lebenszyklus- und Vergleichsbetrachtung. Einfach „2.000 Autos bleiben stehen“ gegenzurechnen wäre genauso zu kurz gesprungen wie ein Ranking, das relevante Systemgrenzen nicht transparent macht.

Aber genau solche Fragen gehören für uns zu einer sachlichen Diskussion dazu.

Vielleicht wäre das einmal Stoff für einen eigenen Artikel.

Warum fährt die ARTANIA plötzlich nach Qaqortoq statt nach Paamiut?

Und dann zeigt Grönland bereits vor unserem ersten Landgang, wer hier wirklich den Reiseplan schreibt:

das Wetter.

Der ursprünglich vorgesehene Anlauf von Paamiut wird durch Qaqortoq ersetzt.

Die Entscheidung wurde nach Prüfung der aktuellen Bedingungen von Kapitän und den beteiligten Fachleuten getroffen.

Das ist keine Panne im Reiseverlauf, sondern gehört bei einer Grönland-Kreuzfahrt schlicht dazu. Wetter, Wind, Eis und Seegang können hier wichtiger sein als jeder gedruckte Fahrplan.

Für Qaqortoq wurde kurzfristig sogar ein neues Ausflugsprogramm zusammengestellt.

Was können wir nun in Qaqortoq erleben?

Die ungeplante Änderung ist keineswegs uninteressant.

Qaqortoq ist die größte Stadt Südgrönlands und liegt zwischen steilen Hügeln und den für Grönland so charakteristischen farbigen Häusern. Die Stadt ist außerdem ein wichtiges kulturelles Zentrum der Region.

Zu den angebotenen Möglichkeiten gehören unter anderem Spaziergänge, der Besuch einer grönländischen Familie und erste Touren hinaus aufs Wasser.

Besonders interessant ist auch ein Besuch bei Great Greenland. Auf der anderen Seite des Hafens befinden sich die Gerberei- und Produktionsanlagen des Unternehmens. Dort werden insbesondere Robbenfelle aus verschiedenen Teilen Grönlands verarbeitet. Visit Greenland beschreibt die Anlage als die einzige Fabrik dieser Art im Land.

Und dann gibt es natürlich eine Möglichkeit, bei der das Wort Grönland endgültig Realität werden dürfte:

eine erste Eisberg-Safari mit dem Boot.

Einen Nachteil haben die kurzfristig angebotenen Ausflüge allerdings für einen Teil der Gäste: Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind sie nach den uns an Bord gegebenen Informationen nicht geeignet.

Warum ist „immaqa“ vielleicht das wichtigste Wort dieser Reise?

Während der Vorbereitung auf Grönland lernen wir ein Wort kennen, das für die kommenden Tage wahrscheinlich wichtiger wird als so mancher Wetterbericht:

Immaqa.

Sinngemäß: Vielleicht.

Vielleicht fahren wir dort hin.

Vielleicht scheint morgen die Sonne.

Vielleicht liegt dort Eis.

Vielleicht können wir tendern.

Vielleicht sehen wir etwas.

Oder vielleicht eben auch nicht.

Das Wort passt erstaunlich gut zu Grönland. Denn hier können Wetter und Bedingungen Entscheidungen innerhalb kürzester Zeit verändern.

Wer eine Grönland-Kreuzfahrt bucht und einen minutengenau garantierten Reiseablauf erwartet, könnte deshalb am falschen Ort sein.

Wer sich dagegen auf „immaqa“ einlassen kann, bekommt vielleicht genau deshalb die spannendere Reise.

Was lernen wir vor unserer ersten Grönland-Passage?

Am dritten Seetag wird es dann richtig interessant.

In einer Fragestunde und bei verschiedenen Vorträgen bereiten uns die Lektoren und die Schiffsführung auf das vor, was vor uns liegt.

Mit dabei sind Kapitän Morten Hansen, unser Grönland-Lotse Carsten Gerke und Kreuzfahrtdirektor Moritz Stedtfeld. Sie berichten aus ihren Erfahrungen und beantworten Fragen der Gäste.

Praktisch auf der ARTANIA: Die Vorträge werden auch auf die Fernseher in den Kabinen übertragen. Wer also lieber vom eigenen Sofa aus zuhört, verpasst nichts.

Und dann lernen wir Dinge, mit denen wir uns bislang eher selten beschäftigt haben.

Schon einmal etwas von winkeltreuen Karten gehört?

Wir vorher auch nicht unbedingt.

Spätestens jetzt bekommt unsere klassische Kreuzfahrt einen kleinen Hauch von Expedition.

Warum bestimmt der „große Eiswürfel“ das Wetter Grönlands?

Besonders spannend ist die Erklärung, welchen Einfluss das gewaltige grönländische Inlandeis auf das Wetter hat.

Rund 80 Prozent der Fläche Grönlands sind von einer Eiskappe bedeckt. Dieser gigantische Eiskörper beeinflusst Temperaturen, Luftströmungen und die lokalen Wetterverhältnisse erheblich.

Oder etwas weniger wissenschaftlich formuliert:

Mitten auf Grönland liegt ein gigantischer Eiswürfel.

Und wer schon einmal einen Eiswürfel ins Getränk geworfen hat, weiß zumindest im Kleinen, dass danach etwas mit der Temperatur passiert.

Nur ist dieser Eiswürfel ungefähr in einer anderen Gewichtsklasse.

Das erklärt auch, warum Wettervorhersagen hier wesentlich schwieriger sein können und sich die Bedingungen regional sehr schnell verändern.

Wie wichtig ist ein erfahrener Kapitän auf einer Grönland-Kreuzfahrt?

Am Nachmittag des dritten Seetages gibt es beim Kapitänsempfang noch einmal Gelegenheit, Morten Hansen persönlich zu treffen.

Auf einer gewöhnlichen Route denkt man als Passagier vielleicht gar nicht ständig darüber nach, wer oben auf der Brücke die Entscheidungen trifft.

Hier schon.

Denn spätestens mit der ersten Routenänderung wird deutlich, dass eine Grönland-Reise trotz moderner Navigation nicht vollständig am Schreibtisch geplant werden kann.

Erfahrung, Wetterinformationen, lokale Kenntnisse und die Einschätzung der tatsächlichen Bedingungen spielen eine entscheidende Rolle.

Und dann kommt endlich der Morgen, auf den wir gewartet haben.

Wie empfängt uns der Prins Christian Sund?

Vor der Reise haben wir viel darüber geschrieben.

Wir haben Bilder gesehen.

Wir haben gelesen, warum der Prins Christian Sund zu den Höhepunkten einer Grönland-Kreuzfahrt gehören soll.

Gewaltige Felswände. Gletscher. Wasserfälle. Eis. Eine Landschaft, die man angeblich niemals vergisst.

Und dann erreichen wir ihn.

Nebel.

Dicker Nebel.

Grönland hat Humor.

Unser Lektor hatte uns schließlich vorbereitet: Hier oben kann innerhalb kurzer Zeit alles anders aussehen als erwartet.

Also gleitet die ARTANIA langsam durch den Prins Christian Sund – hinein in eine Landschaft, die sich zunächst nur schemenhaft hinter dem Grau erkennen lässt.

Und irgendwie passt das sogar.

Nach all den Monaten der Vorbereitung präsentiert sich Grönland nicht sofort wie im Hochglanzprospekt.

Es lässt uns warten.

Immaqa eben.

Vielleicht lichtet sich der Nebel.

Vielleicht öffnet sich plötzlich der Blick auf Berge und Gletscher.

Vielleicht sehen wir gleich unseren ersten Eisberg.

Und genau deshalb stehen wir draußen und schauen.

Ist der Prins Christian Sund trotzdem ein Höhepunkt?

Diese Frage werden wir heute wahrscheinlich noch nicht endgültig beantworten.

Vielleicht entstehen in den nächsten Stunden genau jene Bilder, auf die wir gehofft haben. Vielleicht bleibt der Sund mystisch und teilweise im Nebel verborgen.

Aber bereits dieser erste Moment macht deutlich, warum eine Grönland-Kreuzfahrt anders ist.

Hier bestellt man das Wetter nicht mit.

Man bekommt das, was die Natur gerade anbietet.

Nach drei Tagen Nordatlantik, Seegang, Vorträgen, einer Routenänderung und viel Vorfreude ist für uns deshalb etwas anderes viel wichtiger:

Wir sind da.

Vor uns liegt Grönland.

Und ab jetzt wird aus unserer langen Anreise endlich das Abenteuer, wegen dem wir diese Reise angetreten haben.

Hier unsere ersten Bilder aus dem Prins Christian Sund:

[BILDERGALERIE PRINS CHRISTIAN SUND

Dieser Beitrag ist Teil 4 unseres großen ARTANIA-Grönland-Reiseberichts 2026. Alle Etappen, Erfahrungen, Bilder und Videos unserer Reise sammeln wir zusätzlich in unserem zentralen Grönland-Reisebericht.


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„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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