Das neue NABU-Kreuzfahrtranking 2025 ist da – und wieder einmal sorgt es für Schlagzeilen. Doch wie aussagekräftig ist diese Bewertung wirklich? Ein genauer Blick zeigt: allzu viel Substanz steckt nicht dahinter.
Wie kommt das Ranking zustande?
Die Bewertung der Reedereien basiert fast ausschließlich auf den Antworten der Unternehmen selbst. Wer auf die NABU-Fragen nicht reagiert, landet automatisch auf den letzten Plätzen – unabhängig davon, welche Fortschritte tatsächlich in Sachen Umweltschutz erreicht wurden. Ein klassisches Beispiel: Phoenix Reisen hat keine Daten geliefert und steht daher ganz unten – nicht wegen schlechter Technik, sondern schlicht wegen fehlender Auskunft.
Das pikante Detail: Der NABU weist diesen Umstand nicht transparent aus. Dass „keine Antwort“ gleich „letzter Platz“ bedeutet, fällt in der öffentlichen Wahrnehmung schnell unter den Tisch.
Technischer Fortschritt bleibt unberücksichtigt
Was im NABU-Ranking kaum Beachtung findet: Die Kreuzfahrtindustrie hat in den letzten Jahren enorme Schritte unternommen.
- Bereits 50 % der Kreuzfahrtschiffe sind heute landstromfähig. Das Problem: Nur wenige Häfen bieten die Technik tatsächlich an.
- Neue Antriebe und Energiesparmaßnahmen werden laufend entwickelt. Effizienzsteigerungen sind Realität, nicht Zukunftsmusik.
- Was der NABU 2019 noch selbst forderte – LNG als Übergangstechnologie – wird heute plötzlich als „fossile Scheinlösung“ abgetan.
- Nicht jede technische Innovation ist auch geeignet
Es wirkt fast so, als sei das Ranking stärker auf mediale Wirkung als auf fachliche Differenzierung ausgelegt.
Kreuzfahrt im Vergleich: Das vergessene Argument
Ein Aspekt, der regelmäßig übersehen wird: Menschen, die auf Kreuzfahrt gehen, verbrauchen in dieser Zeit zu Hause keine Energie. Keine Autofahrten, keine Heizungen, kein Stromverbrauch in den eigenen vier Wänden. Natürlich entbindet das die Branche nicht von ihrer Verantwortung – aber es zeigt, dass die CO₂-Bilanz differenzierter betrachtet werden müsste.
Fazit: Einseitige Sichtweise hilft niemandem
Die Kreuzfahrtindustrie steht ohne Frage in der Pflicht, ihre Emissionen weiter zu senken. Doch Rankings wie das des NABU greifen oft zu kurz. Statt die Entwicklungen realistisch einzuordnen, wird mit stark vereinfachten Botschaften Stimmung gemacht.
Die eigentliche Herausforderung liegt nicht im medialen Schlagabtausch, sondern in einer Zusammenarbeit von Reedereien, Städten und Politik: Nur wenn Häfen Landstrom anbieten, neue Technologien gefördert und Innovationen realistisch bewertet werden, lässt sich die Schifffahrt nachhaltiger gestalten.
Bis dahin bleibt das NABU-Ranking vor allem eines: ein PR-Instrument, das regelmäßig Schlagzeilen liefert – aber wenig zur eigentlichen Lösung beiträgt.
Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 3.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte.
Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.
„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit 1999 betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog in Deutschland








