Im Netz gefunden: „AIDA-Experte flieht nach 60 Minuten von MSC“ – der Kreuzfahrttester sagt dazu…

Panorama | Kommentar

Wer aktuell nach Kreuzfahrt-News sucht, stolpert unweigerlich über einen viel geteilten Artikel mit einer klaren Botschaft: MSC Cruises? Nie wieder!
Autor: ein bekennender AIDA-Stammgast mit 54 AIDA-Reisen, der seine erste Fahrt mit MSC nach weniger als einer Stunde innerlich abbrechen wollte.

Klingt dramatisch. Ist es auch.
Aber ist es fair? 🤔

Zwei Reedereien, zwei Welten – und kein direkter Vergleich

Beginnen wir mit dem Kernproblem: AIDA und MSC sind keine vergleichbaren Produkte.
Wer sie dennoch eins zu eins gegenüberstellt, vergleicht nicht objektiv – sondern emotional.

  • AIDA: deutsch geprägt, Clubschiff, Du-Kultur, feste Rituale („Sail Away“, Shows, Durchsagen), nur auf deutsche Gäste zugeschnitten
  • MSC: international, italienisch geprägt, Großschiff-Konzept, mehrere Sprachen, urbane Atmosphäre, Fokus auf Masse & Entertainment

👉 Wer 54-mal AIDA gefahren ist, ist konditioniert.
Und genau hier beginnt das Missverständnis.

Laut? Voll? International? Ja – und zwar absichtlich

Der Artikel kritisiert:

  • laute Promenade
  • viele Menschen
  • internationale Gäste
  • italienische Durchsagen
  • wenig „Herz“

Wo buche ich meine nächste Kreuzfahrt am besten?

Die skeptische Frage lautet: Was genau wurde erwartet?

Die MSC World Europa ist eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt, konzipiert für über 6.700 Gäste aus dutzenden Nationen.
Das ist kein deutsches Clubhotel auf See – das ist eine schwimmende Metropole.

Wer Ruhe, Rituale und Heimeligkeit sucht, wird dort nicht automatisch glücklich.
Das macht das Schiff aber nicht schlecht – sondern anders.

Der Balkon-Schock: Produktkenntnis schlägt Empörung

Ein zentraler Kritikpunkt: der „falsche Balkon“.

Hier muss man nüchtern sagen:
👉 Ein Innenbalkon mit Blick auf die Promenade ist bei MSC kein Geheimnis, sondern ein bewusst angebotenes Kabinenprodukt.

  • günstiger als Außenbalkon
  • urbanes Feeling
  • kein Meerblick – korrekt
  • Rauchverbot – bekannt (gilt übrigens auch bei AIDA Schiffen auf den Balkon)

Das ist kein Trick, sondern fehlende Auseinandersetzung mit dem Produkt.
Wer seit Jahren nur AIDA bucht, übersieht solche Unterschiede schnell – aber das ist kein Fehler der Reederei.

Buffet, Plastik, QR-Codes – willkommen im Massentourismus

Plastikteller im Buffet? QR-Code statt Speisekarte? Gedränge am Einschiffungstag?

Unbequem, ja.
Überraschend? Nein.

MSC fährt ein striktes Massenkonzept, gerade auf stark ausgelasteten Feiertagsreisen.
AIDA setzt stärker auf „deutsche Gemütlichkeit“, MSC auf Effizienz und Durchsatz.

Beides hat Vor- und Nachteile – aber keines ist per se falsch.

Weihnachten auf See: Emotion vs. Internationalität

Ein besonders emotionaler Vorwurf:
„Kein Gänsehautmoment an Heiligabend.“

Auch hier gilt: MSC feiert Weihnachten international, nicht emotional-deutsch.
Kein gemeinsames „Stille Nacht“, keine kollektive Rührung – dafür Shows, Deko, gutes Essen.

Wer Weihnachten „wie zu Hause“ erwartet, sollte ehrlicherweise nicht auf ein internationales Schiff gehen.

Extrakosten: berechtigte Kritik – aber nicht exklusiv

Ja, bei MSC kostet vieles extra.
Wellness, Spezialitätenrestaurants, Kino, Wasser in der Minibar.

Aber Hand aufs Herz:
👉 Auch AIDA bewegt sich seit Jahren genau in diese Richtung.

Der Unterschied: AIDA kommuniziert es „weicher“, MSC direkter.
Das fühlt sich für AIDA-Stammgäste härter an – ist aber kein Alleinstellungsmerkmal.

Fazit des Kreuzfahrttesters: Kein Reinfall – sondern falsche Erwartung

Der zitierte Artikel ist ehrlich, emotional und subjektiv.
Aber er ist kein objektiver Vergleich, sondern ein Erfahrungsbericht eines Gastes, der sein gewohntes Produkt verlassen hat – und damit überfordert war.

MSC ist:

  • lauter
  • internationaler
  • voller
  • unpersönlicher
  • strukturierter

AIDA ist:

  • deutscher
  • emotionaler
  • ritualisierter
  • vertrauter

👉 Beides hat seine Zielgruppe.

Wer AIDA liebt, muss MSC nicht mögen.


Aber daraus einen „Expertenvergleich“ zu machen, ist ungefähr so sinnvoll wie ein Testbericht:
„Ich esse seit 20 Jahren Schnitzel – Sushi schmeckt mir nicht.“


Der Kreuzfahrttester sagt dazu:

Nicht jede schlechte Erfahrung ist ein schlechtes Produkt.
Manchmal ist es einfach nur das falsche Schiff für den falschen Gast.

Claus A. Blohm

„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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