Flusskreuzfahrt der Zukunft: Meyer Werft zeigt radikales „Future River Cruise Concept“

Die Meyer Werft denkt Flusskreuzfahrten neu – und zwar konsequent. Mit dem „Future River Cruise Concept“ präsentiert die traditionsreiche Werft eine Studie, die zeigt, wie Flusskreuzfahrtschiffe in naher Zukunft aussehen könnten – und vielleicht auch aussehen müssen, wenn die Branche jünger, nachhaltiger und designorientierter werden will.

Statt klassischer Kastenform setzt das Konzeptschiff auf ein organisch inspiriertes Außendesign. Vorbild ist nicht ein anderes Schiff, sondern – man höre und staune – die Natur selbst. Das Ergebnis: futuristisch, leicht, fast schon yachtartig. Und ja, das ist ein klarer Bruch mit vielen aktuellen Flusskreuzfahrt-Designs.

Exoskelett statt Sonnensegel: 3D-Druck als Gamechanger

Das auffälligste Merkmal ist ein leichtes Exoskelett auf dem Sonnendeck. Diese Struktur dient nicht nur als Vordach, sondern auch als Träger für Solarpaneele, Beleuchtung und weitere technische Komponenten. Besonders spannend:
Das Exoskelett soll mithilfe von 3D-Drucktechnologie im Großformat gefertigt werden.

Für Architekten und Designer eröffnet das völlig neue Möglichkeiten. Weg von geraden Linien und Standardlösungen, hin zu freien Formen und funktionalem Design. Kurz gesagt: Flusskreuzfahrt trifft Hightech – und das ist längst überfällig.

Infinity-Pool auf dem Fluss? Ja, wirklich.

Am Heck des Schiffes überrascht ein Feature, das man bisher eher von Superyachten kennt: ein Infinity-Pool. Für Flusskreuzfahrtschiffe ist das nahezu revolutionär. Der Pool bringt die Gäste optisch und emotional näher ans Wasser und schafft einen echten Wohlfühlort – ideal für entspannte Stunden mit Panorama statt Programmpunkt.

Loft-Kabinen und Innenhof: Mehr Nähe zum Wasser

Auch im Bugbereich verlässt die Studie bekannte Pfade. Dort befindet sich ein Loft-Kabinenbereich, der direkt mit einem offenen Innenhof verbunden ist – ein Novum für Flusskreuzfahrtschiffe.

Die Kombination aus Innenhof und Loft-Balkonen auf beiden Schiffsseiten sorgt für mehr Tageslicht, mehr Luft und vor allem für eine intensivere Verbindung zur Umgebung. Sightseeing wird hier nicht konsumiert, sondern erlebt – ganz ohne Gedränge am Panoramafenster.

18 Kabinen, unendliche Themenwelten

Insgesamt verfügt das Konzeptschiff über 18 Loft-Kabinen, die technisch ebenfalls neue Wege gehen. Dank moderner audiovisueller Systeme können die Kabinen thematisch gestaltet werden – und zwar täglich neu, wenn der Gast es wünscht.

Heute skandinavisches Design, morgen asiatische Ästhetik? Theoretisch ja. Ob das jeder braucht, sei dahingestellt – aber als Konzept zeigt es, wohin sich Individualisierung auf dem Fluss entwickeln kann.

Technische Eckdaten des Konzeptschiffs

  • Länge: 137 Meter
  • Breite: 11 Meter
  • Kapazität: 190 Gäste

Damit bleibt das Schiff im Rahmen klassischer Flusskreuzfahrt-Maße, nutzt den vorhandenen Raum aber deutlich kreativer als viele aktuelle Neubauten.

Ein Blick in die Zukunft – oder bewusstes Aufrütteln?

Die spannende Frage bleibt: Wird ein solches Schiff jemals exakt so gebaut? Oder ist das „Future River Cruise Concept“ eher ein Weckruf an Reedereien, endlich mutiger zu denken?

Wahrscheinlich beides. Und genau das macht diese Studie so relevant – auch für Kreuzfahrtfans, die bisher einen großen Bogen um Flussreisen gemacht haben.

Claus A. Blohm

„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.