Manta Ray: Diese Meyer Werft Schiffstudie denkt Kreuzfahrt radikal neu

454 Meter Länge, 88 Meter Breite, 431.000 BRZ – und bis zu 10.000 Passagiere.
Mit der Konzeptstudie „Manta Ray“ wird klar: Die Kreuzfahrtbranche denkt längst über klassische Superlative hinaus. Hier geht es nicht mehr nur um das nächste größte Schiff, sondern um eine völlig neue Idee – das Schiff selbst als Reiseziel.

Ein Kreuzfahrtschiff, das Häfen ignoriert

Der vielleicht provokanteste Ansatz: Die Manta Ray muss sich nicht an Hafeninfrastrukturen orientieren. Statt anzulegen, bleibt sie vor der Küste auf Reede. Das erlaubt Dimensionen, die bislang undenkbar waren – und erklärt die extreme Breite von 88 Metern.

Das Ergebnis ist ein Trimaran-Konzept, das hydrodynamische Effizienz mit maximaler Deckfläche kombiniert. Drei Rümpfe statt einem – ein Kompromiss zwischen Energieverbrauch, Stabilität und Platzangebot.

Stadt statt Schiff: Urlaub in Zonen

Bis zu 10.000 Gäste an Bord? Klingt nach Massenabfertigung – wäre da nicht das dezentrale Stadtkonzept.
Anstelle eines riesigen Theaters oder eines zentralen „Hotspots“ setzt die Manta Ray auf viele kleinere Erlebnisräume. Vergleichbar mit einer Großstadt:

Mehr Raum für Wohlfühlen: So definiert die InTUItion-Schiffsklasse das Suiten-Erlebnis neu

  • pulsierendes Zentrum
  • ruhige „Vororte“
  • versteckte Rückzugsorte
  • überraschende Entdeckungen

Ein mutiger Versuch, Individualität trotz Megadimensionen zu ermöglichen.

Promenaden, Parks und vertikale Natur

Auf den Decks 10 und 11 entsteht ein windgeschütztes Promenadendeck mit Park. Drehbare Vertikallamellen sorgen je nach Region für Frischluft oder Wetterschutz – und reduzieren gleichzeitig den Luftwiderstand. Clever gelöst.

Spektakulär wird es zwischen Deck 23 und 15:
Felsenlandschaften, ein Gebirgsbach, Canyoning-Routen und ein Wasserfall bis ins Solarium. Dazu ein Tiefseetauchbecken, das sich über mehrere Decks zieht. Kreuzfahrt oder Freizeitpark? Die Grenzen verschwimmen bewusst.

Architektur mit Vorbildern aus Lanzarote und Santorini

Der Entertainment-Bereich „The Cave“ orientiert sich am Stil von César Manrique, bekannt für die Verschmelzung von Natur und Architektur.
Die Terrassenlandschaft am Heck zitiert Santorini – mit versetzten Ebenen, hellen Flächen und versteckten Rückzugsorten.

Das Ziel ist klar: Emotionen statt Uniformität.

Mobilität an Bord: Der „People Mover“

Bei dieser Größe reichen Treppenhäuser nicht mehr aus. Die Lösung: ein People-Mover-System mit festen Strecken und Haltestellen – quasi eine U-Bahn fürs Schiff. Für Passagiere sinnvoll, für Crew logistisch notwendig.

Nachhaltigkeit: ambitioniert, aber entscheidend

Der Antrieb soll ausschließlich über Brennstoffzellen erfolgen. Zusätzlich wurden alle Betriebs- und Technikbereiche neu gedacht, um Wege kurz und Ressourcenverbrauch gering zu halten.

Ob und wann ein solches Schiff realistisch gebaut werden kann? Offen.
Aber: Die Studie zeigt sehr deutlich, wohin die Reise technologisch und konzeptionell gehen könnte.

Fazit des Kreuzfahrttesters

Die Manta Ray ist keine realistische Neubauankündigung – sondern ein Denkexperiment mit Ansage.
Nicht alles wirkt sofort umsetzbar, manches fast provokant. Aber genau das macht diese Studie so spannend. Wer die Zukunft der Kreuzfahrt verstehen will, sollte hier genau hinschauen.

Claus A. Blohm

„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.