Schiffsstudien der Meyer Werft: Helix – Das Meer immer im Blick

Mit dem Projektnamen Helix entwarf die Meyer Werft ein Kreuzfahrtschiff, das seiner Zeit weit voraus war – technisch, konzeptionell und aus Passagiersicht. Ziel dieser Schiffsstudie war nichts Geringeres als die Entwicklung eines hochflexiblen Kreuzfahrtschiffs der Zukunft, das sich individuell an Kundenwünsche anpassen lässt, ohne die Produktionsprozesse auf der Werft unnötig zu verkomplizieren. Ein ambitionierter Spagat, der hier bemerkenswert konsequent durchdacht wurde.

Modularität als Schlüssel zur Zukunft

Im Zentrum des Helix-Konzepts steht ein radikal modularer Ansatz:
Alle Feuerzonen sind gleich lang, alle Compartments identisch groß, das technische Layout vollständig dezentral aufgebaut. Für Reedereien hätte das enorme Vorteile bedeutet: Die Schiffsgröße ließe sich flexibel skalieren, indem Feuerzonen oder wasserdichte Abteilungen je nach Bedarf hinzugefügt oder entfernt werden.

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Für die Werft wiederum liegt der Mehrwert klar auf der Hand: Standardisierte Module, effizientere Abläufe und eine deutlich vereinfachte Serienfertigung – ein Ansatz, der heute aktueller wirkt denn je.

Das Erlebnis: Meerblick aus fast jeder Perspektive

Doch Helix wollte nicht nur technisch überzeugen. Auch das Passagiererlebnis stand im Fokus – mit einer klaren Leitidee: Das Meer soll überall erlebbar sein.

Namensgeber des Projekts ist die spektakuläre Helix-Wendeltreppe am Heck des Schiffes. Sie erstreckt sich über mehrere obere Decks und verbindet unterschiedliche öffentliche Bereiche miteinander. Das Besondere: Von allen Ebenen aus bleibt der Blick aufs Meer frei – ein architektonisches Statement gegen klassische, geschlossene Innenräume.

Wingsuiten und „Mini-Wintergärten“

Die Entwickler griffen gezielt eine bekannte Passagier-Vorliebe auf: den Blick von der Brückennock. Daraus entstanden die sogenannten Wingsuiten – private, nicht einsehbare Wintergarten-ähnliche Bereiche mit einer Aussicht, die sonst nur Offizieren vorbehalten ist.

Auch die außenliegenden Kabinen folgen diesem Gedanken: Öffnungsfähige Fenster erlauben die Nutzung als „Mini-Wintergarten“ und machen die Kabinen flexibel für verschiedene Fahrtgebiete – vom warmen Mittelmeer bis zu kühleren Regionen.

Brennstoffzellen statt Schornstein

Technologisch setzte Helix ein klares Zeichen: Die komplette Energieversorgung des rund 181.000 BRZ großen Schiffes sollte über Brennstoffzellen erfolgen. Der klassische Schornstein entfällt – und schafft Platz.

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Das Ergebnis: Mehr nutzbare Fläche auf dem Sonnendeck, mehr Freizeitangebote, mehr Gestaltungsspielraum. Ein Detail, das zeigt, wie eng Technik und Erlebnis bei Helix miteinander verzahnt gedacht wurden.

Flexible Deckskonzepte nach dem Tiny-House-Prinzip

Auch an Deck bleibt das Schiff wandelbar. Vorgesehen ist eine modulare Container-Lösung, bei der einzelne Bereiche je nach Route ausgetauscht werden können. Heute ein Food Court für Asien-Routen, morgen ein Spa- oder Lounge-Konzept für Nordlandfahrten – vergleichbar mit dem Prinzip der Tiny Houses, nur eben auf Kreuzfahrtniveau.

Die Eckdaten von Helix

  • Länge: 340 Meter
  • Breite: 42 Meter
  • Vermessung: ca. 181.000 BRZ
  • Antrieb/Energie: vollständige Energieerzeugung über Brennstoffzellen

Ein Konzept, das Fragen stellt – und Antworten gibt

Warum sehen wir solche modularen Konzepte noch so selten in Serie? Ist die Branche bereit für diese Flexibilität – oder bremst sie sich selbst aus? Helix liefert jedenfalls eindrucksvoll die Blaupause für eine Kreuzfahrt, die nachhaltiger, anpassungsfähiger und erlebnisorientierter kaum gedacht werden kann.

Claus A. Blohm

„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.