MSC Cruises präsentiert Industrieplan: 35 Schiffe bis 2035 – Wachstum mit Fragezeichen

Mailand / Cologno Monzese.
MSC Cruises hat große Pläne – und die Dimensionen sind beeindruckend. Bis 2035 will die Reederei ihre Flotte von derzeit 23 auf 35 Schiffe ausbauen. Zwölf Neubauten, ein Investitionsvolumen von rund 13 Milliarden Euro und der klare Anspruch, die eigene Marktführerschaft weiter auszubauen. Vorgestellt wurde der Industrieplan im Robinie-Studio in Cologno Monzese – flankiert von medienwirksamen Ankündigungen und einer neuen Markenkampagne. (Quelle: Shipmag)

Neue Flaggschiffe, neue Größenordnungen

Noch in diesem Jahr soll mit der MSC World Asia ein weiteres Schiff der World Class in Dienst gestellt werden. 2027 folgt mit der MSC World Atlantic das nächste Schwesterschiff. Beide stehen sinnbildlich für die Richtung, die MSC einschlägt: größer, moderner, effizienter – und klar auf den Massenmarkt zugeschnitten.

Parallel dazu erweitert MSC auch das Einsatzspektrum bestehender Schiffe. So wird die MSC Poesia erstmals nach Alaska fahren – ein Signal, dass neue Routen und Märkte trotz der Flottenexpansion weiter eine Rolle spielen.

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Vorteil Europa: Neubauten „Made in Germany“

Aus europäischer Sicht besonders interessant: Ein Teil der zwölf neuen Schiffe wird bei der Meyer Werft gebaut.
Gerade für den Standort Deutschland ist das eine positive Nachricht. Aufträge dieser Größenordnung sichern nicht nur tausende Arbeitsplätze, sondern stärken auch das industrielle Know-how im europäischen Schiffbau. In Zeiten, in denen viele Neubauten nach Asien wandern, ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Wachstum um jeden Preis? Eine nachdenkliche Perspektive

So beeindruckend die Zahlen sind – sie werfen auch Fragen auf. 35 Schiffe bis 2035 bedeuten nicht nur mehr Auswahl für Gäste, sondern auch mehr Kapazitäten, mehr Häfen, mehr Druck auf Destinationen. Der Kreuzfahrtmarkt wächst, keine Frage. Doch wächst er auch nachhaltig genug, um diese Flottenmengen langfristig auszulasten?

Die Branche setzt stark auf neue Zielgruppen, kürzere Reisen und emotionale Markenversprechen. Gleichzeitig wird der Wettbewerb härter, die Sensibilität für Umwelt- und Overtourism-Themen größer. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob das Konzept „mehr Schiffe = mehr Erfolg“ weiterhin aufgeht – oder ob eine gewisse Marktsättigung schneller erreicht ist als geplant.

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Flexibilität als Antwort auf Krisen

Angesprochen auf geopolitische Risiken zeigte sich MSC gelassen. Leonardo Massa, Vizepräsident der Kreuzfahrtsparte der MSC Group für Südeuropa, betonte die Mobilität der Flotte:

„Wir haben in den letzten 20 Jahren viele geopolitische Krisen erlebt. Unser Vorteil ist, dass wir mobil sind und Routen kurzfristig anpassen können.“

Diese Flexibilität ist zweifellos ein Pluspunkt – ersetzt aber nicht die strategische Frage, wie stabil die globale Nachfrage in einem zunehmend unsicheren Umfeld bleibt.

Fazit: Ein Plan mit Wucht – und offenen Fragen

Der Industrieplan von MSC Cruises ist ambitioniert, kapitalstark und klar auf Expansion ausgerichtet. Für Werften wie die Meyer Werft ist er ein Hoffnungsschimmer, für die Branche ein weiteres Signal der Konzentration auf Größe und Skaleneffekte. Gleichzeitig bleibt ein leiser Zweifel: Wie viele Schiffe verträgt der Markt – und wie viele die Weltmeere?

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Claus A. Blohm

„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.