Russland will den Kreuzfahrtmarkt im Fernen Osten neu beleben – mit gebrauchten Schiffen, staatlicher Unterstützung und großen Versprechen. Berichten zufolge soll ein ehemaliges Schiff der AIDA-Flotte dabei eine zentrale Rolle spielen. Doch bei genauerem Hinsehen wirft das Projekt mehr Fragen auf, als es Antworten liefert.
Kreuzfahrtpläne ab Wladiwostok: Aufbruch oder alter Wein in neuen Schläuchen?
Im Fokus der aktuellen Meldungen steht ein geplantes Kreuzfahrtprogramm ab Wladiwostok. Zehn- bis zwölftägige Reisen nach Sachalin, zu den Kurilen und bis nach Kamtschatka sollen jährlich über 50.000 Gäste anlocken. Klingt ambitioniert – doch ähnliche Konzepte kursieren in Russland bereits seit Jahren, ohne jemals nachhaltig umgesetzt worden zu sein.
Ex-AIDA-Schiffe für Russland: Bewährte Klassiker oder technischer Rückschritt?
Besonders häufig fällt der Name der ehemaligen AIDAvita. Das 2004 in Wismar gebaute Schiff war zuletzt als Blue Dream Melody unterwegs und ging Ende 2025 außer Dienst. Nun soll es angeblich als Astoria Nova unter russischer Flagge zurückkehren.
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Die entscheidende Frage: Sind diese Schiffe überhaupt noch zeitgemäß? Auf dem internationalen Markt operieren längst modernere, effizientere und umweltfreundlichere Neubauten. Gegenüber LNG-Antrieb, hybriden Systemen oder deutlich optimierten Rumpfformen wirken diese Einheiten eher wie Kreuzfahrt-Nostalgie – charmant vielleicht, aber kaum wettbewerbsfähig.
Staatlich subventionierte Kreuzfahrt: Sinnvoll oder politisches Prestigeprojekt?
Offiziell ist von einem „dieselelektrischen Schiff mit Theater, Spa, Restaurants und Konzertsaal“ die Rede. Doch genau diese Ausstattung entspricht eher dem Standard von vor 15 bis 20 Jahren. Dass das Projekt offenbar massiv staatlich unterstützt werden soll, wirft zusätzliche Fragen auf: Macht eine vollständig subventionierte Reederei wirtschaftlich überhaupt Sinn – oder geht es eher um Symbolpolitik und regionale Imagepflege?
Internationale Gäste? Eher Wunschdenken
Russland hofft, mit dem neuen Angebot auch internationale Kreuzfahrtgäste anzuziehen und wirtschaftliche Impulse zu setzen. Angesichts geopolitischer Spannungen, Visafragen und begrenzter Infrastruktur erscheint dieses Ziel zumindest optimistisch.
Fazit: Viel Ankündigung, wenig Substanz?
Russland greift zu – und setzt auf ausgediente Kreuzfahrtschiffe aus Westeuropa? Ob daraus wirklich eine neue Kreuzfahrt-Attraktion entsteht oder nur ein weiteres staatlich alimentiertes Prestigeprojekt, bleibt abzuwarten. Die entscheidende Frage lautet daher: Stimmen die aktuellen Meldungen überhaupt – oder wird hier ein alter Dampfer medial zur Zukunftshoffnung aufgeblasen?
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„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.








