In der Welt der Hochseekreuzfahrten galt Hapag-Lloyd Cruises jahrzehntelang als das Maß aller Dinge. Doch der Glanz der Hamburger Traditionsreederei bekommt Risse. Während das Management rund um Isolde Susset und TUI-Vize Clas Eckholt die „Qualitätsführerschaft“ beschwört, stellt sich hinter den Kulissen eine existenzielle Frage: Wie lange bleibt Hapag-Lloyd Cruises überhaupt noch eigenständig – oder wird die Reederei bald vollständig in die Mein Schiff Flotte von TUI Cruises einsortiert?
Der Mythos der „weltbesten“ Reederei wackelt
Es ist ein offenes Geheimnis in der Branche: Dass Hapag-Lloyd Cruises oft als die „weltbeste Reederei“ tituliert wird, liegt primär an der subjektiven Bewertung eines einzelnen, bekannten Testers. Doch die Realität auf den Weltmeeren hat sich gewandelt. Die internationale Konkurrenz hat nicht nur aufgeholt, sondern Hapag-Lloyd in vielen Bereichen rechts überholt.
Das Problem: Die Reederei weicht immer mehr von ihrem alten, hanseatischen Erfolgsrezept ab. Der Fokus auf deutsche Exklusivität allein reicht nicht mehr aus, wenn der Service und die Innovationen auf Schiffen wie der MS Europa 2 stagnieren, während Newcomer den Markt mit Milliardeninvestitionen aufmischen.
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Überleben im Schatten der Giganten: Das Costa-Szenario?
Ob Hapag-Lloyd Cruises langfristig überlebt, hängt – ähnlich wie bei Costa Kreuzfahrten innerhalb des Carnival-Konzerns – massiv von der Konkurrenzsituation und der internen Konzernlogik ab. MSC Cruises drängt mit der Luxusmarke Explora Journeys mit einer Wucht in den Markt, die dem Hamburger Nischenplayer gefährlich wird.
Die Strategie von TUI Cruises, Hapag-Lloyd und die Mein Schiff Flotte unter einer gemeinsamen Vertriebsleitung zu führen, ist ein erstes Vorbote schwindender Eigenständigkeit. Es ist ein schmaler Grat:
- Bleibt man rein deutschsprachig? Das sichert die Stammkunden, begrenzt aber das Wachstum.
- Verzichtet man auf Flottenvergrößerung? Man spart Kosten, verliert aber massiv an globaler Sichtbarkeit gegenüber MSC will aber trotzdem wachsen? Das deutet eher darauf hin das man schon jetzt nicht ausgelastet ist …?
Die schleichende Integration in TUI Cruises
Die Wahrscheinlichkeit, dass Hapag-Lloyd Cruises immer mehr an Profil verliert und zur bloßen „Luxus-Abteilung“ von TUI Cruises degradiert wird, ist groß. Schon jetzt verschwimmen die Grenzen in der Verwaltung und im Marketing. Wenn die Flotte nicht deutlich vergrößert wird – wofür es aktuell keine Anzeichen gibt –, droht die Marke in der Bedeutungslosigkeit zu versinken oder vollständig in der Struktur der Massenmarke Mein Schiff aufzugehen.
Fazit: Tradition allein rettet keine Reederei
Hapag-Lloyd Cruises setzt auf „handwerklichen Luxus“, doch gegen die Expansionskraft von Explora Journeys und die Effizienz der großen Konzerne wirkt das Konzept zunehmend defensiv. Den auch „handwerklicher Luxus“ wird zunehmend günstiger angeboten. Wir reden nicht nur von MSC sondern auch von Silversea, Seabourn oder Regent Seven Seas uvm. Wenn die Hamburger nicht aufpassen, werden sie vom Jäger zum Gejagten – und enden als historisches Label in einem Großkonzern, statt als eigenständige Instanz auf den Weltmeeren.
„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.








