ruft jetzt der Schrottplatz? …
Rotterdam/Kiel – 27. Mai 2025
Ein Stück schwimmende Geschichte kommt unter den Hammer: Die legendäre MS Astoria, das wohl älteste Kreuzfahrtschiff der Welt, wird am 17. Juni 2025 in Rotterdam versteigert – und das zu einem mutmaßlichen Schleuderpreis. Die Auktion könnte das letzte Kapitel einer faszinierenden Reise auf See markieren, die 1948 begann.
Ein schwimmender Zeitzeuge der Weltgeschichte
Die MS Astoria – ursprünglich als MS Stockholm in Schweden gebaut – startete ihre Jungfernfahrt am 21. Februar 1948 von Göteborg nach New York. Damals ein hochmoderner Transatlantikliner, wurde das Schiff später weltberühmt durch eine tragische Kollision:
Am 25. Juli 1956 rammte die Stockholm im dichten Nebel vor der US-Küste den italienischen Luxusliner Andrea Doria. Die Andrea Doria sank, 46 Menschen verloren ihr Leben – ein prägendes Ereignis in der Geschichte der zivilen Schifffahrt.
Von der DDR zur Karibik – die wechselvolle Karriere der MS Astoria
1960 übernahm die DDR das Schiff und taufte es in Völkerfreundschaft um. Im Auftrag des FDGB ermöglichte es linientreuen DDR-Bürgern Kreuzfahrten in ferne Länder – unter anderem bis nach Kuba. Doch auch in dieser Zeit blieb das Schiff nicht von Zwischenfällen verschont:
1968 rammte ein Torpedoboot der Bundesmarine die Völkerfreundschaft, als ein Passagier über Bord sprang, um aus der DDR zu fliehen. Und 1983 stieß das Schiff kurioserweise mit dem deutschen U-Boot U26 zusammen – jenem U-Boot, das einst Udo Lindenberg für PR-Zwecke an Bord hatte.
Astoria als Kultobjekt – von Models bis zur Pandemie
Nach dem Ende der DDR wurde das Schiff mehrfach verkauft und unter verschiedenen Namen betrieben: Volker, Fridtjof Nansen, Valtur Prima, Athena, Azores – bis es schließlich als MS Astoria in See stach.
2016 sorgte es noch einmal für Glamour, als es Drehort für Germany’s Next Topmodel war. Doch die Corona-Pandemie setzte dem Schiff endgültig zu. Seitdem liegt es stillgelegt im Hafen von Rotterdam.
Jetzt bei der Auktion: Letzte Chance oder trauriges Ende?
Der aktuelle Schrottwert des 160 Meter langen und über 10.000 Tonnen schweren Kreuzfahrtschiffs liegt laut dem Kreuzfahrt-Portal anbord.de bei nur rund 2,75 Millionen Euro. 2020 scheiterte bereits ein Versuch zur Versteigerung – damals lag die Mindestsumme bei 10 Millionen Euro.
Ob sich dieses Mal ein Käufer für das maritime Kulturgut findet? Oder endet die Reise der Astoria doch noch im Schiffswrack-Recycling?
Fazit: Die MS Astoria bleibt ein schwimmender Mythos
Was auch immer mit dem Schiff passiert – ihre Geschichte ist einzigartig. Sie erzählt von Glanz, Katastrophen, Fluchten und politischen Wendepunkten. Ein echtes Kapitel Seefahrtsgeschichte, das nun seinen letzten Hafen sucht.
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Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 3.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte.
Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.
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