MSC Orchestra: Stromausfall auf See – und schon funken deutsche Urlauber die Presse an
Stand: 03.06.2025 – 17:34 Uhr | Kommentar von Kreuzfahrt-News-Blog
Genua – Man stelle sich vor: Ein kleines technisches Problem auf einem gigantischen Kreuzfahrtschiff. Die Crew reagiert schnell, der Zwischenfall ist innerhalb kürzester Zeit unter Kontrolle. Niemand verletzt, keine Evakuierung, keine Titanic-Momente. Und doch: Kaum geht das Licht aus, blitzen deutsche Smartphones im Notlicht und schießen Fotos für die Ewigkeit – oder zumindest für IPPEN.MEDIA.
Einige deutsche Redaktionen nehmen diese angebliche Sensationsmeldung dankbar an?
Feuer im Maschinenraum – und Drama in der Selfiekabine
Ja, auf der MSC Orchestra kam es zu einem technischen Defekt im Maschinenraum. Ja, es gab Stromausfall. Und ja, die Crew reagierte sofort, aktivierte Sicherheitsprotokolle, löschte den Vorfall (Wortspiel beabsichtigt) – und niemand kam zu Schaden. Doch was wäre eine Kreuzfahrt ohne ein bisschen Nervenkitzel? Oder besser gesagt: ohne Content für Instagram & Boulevardmedien?
Ein Passagier – natürlich anonym – meldete sich bei der Presse: „Wenn durchgesagt wird, alles sei unter Kontrolle, weiß man, dass nichts unter Kontrolle ist.“ Klar. Denn das eigene Bauchgefühl wiegt bekanntlich schwerer als ein Feuerlöschsystem nach Industriestandard.
Surreale Nacht oder Social-Media-Chance?
Was wurde dokumentiert?
🎥 Ein Wasserschlauch.
🎙️ Eine spanische Durchsage („Das Schiff befindet sich in einer sicheren Position.“).
📱 Und jede Menge Gänsehaut-Kommentare.
Während die Crew löscht, löschen andere – ihren Flugmodus. Man will schließlich live dabei sein, wenn der nächste virale Clip entsteht. Schließlich ist nichts beruhigender, als in einer echten Notlage erstmal die Kamera zu zücken. Man weiß ja nie, ob man später eine Schadenersatzforderung mit Beweismaterial untermauern will.
Genua statt Drama: Alles gut, aber Einschiffung gestrichen
Am Ende dockt die MSC Orchestra mit etwas Verspätung in Genua an. Keine Verletzten, keine Schäden in den Gästebereichen. Lediglich Reparaturarbeiten stehen an. Und für die kommenden Gäste: Sorry, der Check-in fällt aus – aber keine Sorge, es gibt Rückerstattung.
Ob auch die Adrenalin-Junkies unter den Passagieren entschädigt werden, ist allerdings fraglich. Schließlich bekommt man nicht jeden Tag die Gelegenheit, in einer Notbeleuchtung mit dem Handy durch ein Kreuzfahrtschiff zu schleichen.
Ein Fazit zwischen Flammen und Filter
Man kann sich fragen:
War das ein sicherheitsrelevanter Vorfall – oder eher ein PR-Stunt unfreiwilliger Art?
Wollten manche Gäste einfach nur Aufmerksamkeit – oder den nächsten Gutschein?
Und: Warum sind immer die am lautesten, die sich angeblich „nicht sicher“ gefühlt haben – aber mit der Presse telefonieren können, bevor der Strom überhaupt wieder da ist?
In jedem Fall bleibt uns nur zu sagen:
Brand gelöscht, Schlagzeilen entzündet. Willkommen im Jahr 2025.
Für weitere Informationen besuchen Sie die Website von MSC Cruises.
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Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 3.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte.
Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.
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