Mexiko, Griechenland, Norwegen: Eine neue Welle von Touristenabgaben trifft zunehmend Kreuzfahrtgäste – unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit. Was steckt wirklich dahinter?
Ob türkisfarbenes Wasser in der Karibik, malerische Dörfer auf Santorini oder die dramatische Fjordlandschaft in Norwegen – Kreuzfahrten versprechen unvergessliche Erlebnisse. Doch mit steigender Beliebtheit kommen auch neue Belastungen für die Urlaubskasse: Weltweit setzen immer mehr Destinationen auf sogenannte „Tourismusabgaben“. Was zunächst wie ein kleiner Beitrag zur Infrastruktur klingt, entpuppt sich für viele Reisende als neue Form der versteckten Abzocke.
Norwegen: Besuchsabgabe für Kreuzfahrer beschlossen
Die jüngste Entwicklung: In Norwegen wurde nun ein landesweites Gesetz verabschiedet, das Kommunen mit hohem Besucheraufkommen erlaubt, eine 3-Prozent-Abgabe auf Übernachtungen und Kreuzfahrten zu erheben. Besonders betroffen: beliebte Reiseziele wie Lofoten, Tromsø oder der Geirangerfjord – Hotspots auf vielen Kreuzfahrtrouten.
Während Camper, Zelturlauber und Wohnmobilfahrer von der Abgabe ausgenommen sind, sollen Hotelgäste und Kreuzfahrttouristen voll zahlen. Kommunen müssen jedoch erst nachweisen, dass die lokale Infrastruktur durch Tourismus tatsächlich überlastet ist – ein bürokratischer Prozess mit vielen Schlupflöchern.
Die Argumente: Schutz der Natur oder Schutz der Kassen?
Befürworter des Modells wie Norwegens Regierungsparteien (Arbeiderpartiet, Senterpartiet und SV) betonen, dass das Geld für Toiletten, Wege, Mülleimer und Parkplätze verwendet werden soll – also zum Schutz der „Allmende“. Ordnungsruf oder Marketing?
Kritiker wie die FrP und Vertreter der Kreuzfahrtbranche sprechen von einem unausgereiften Schnellschuss, der ohne fundierte Planung aus dem Ärmel geschüttelt wurde. Auch der norwegische Tourismusverband warnt: Diese Form der Abgabe könnte Kreuzfahrten nach Norwegen spürbar unattraktiver machen – mit wirtschaftlichen Folgen für viele Küstenstädte.
Weltweiter Trend: Auch Griechenland und Mexiko greifen zu
Norwegen ist kein Einzelfall. In Griechenland wurde jüngst eine „Klimaschutzabgabe“ eingeführt – 10 Euro pro Nacht in Luxushotels, 5 Euro in einfacheren Unterkünften. Auch Kreuzfahrtpassagiere sollen künftig stärker zur Kasse gebeten werden, obwohl sie nur wenige Stunden an Land verbringen.
In Mexiko verlangen beliebte Regionen wie Quintana Roo (Cancún, Cozumel) bereits seit 2021 eine digitale Touristensteuer namens „VISITAX“. Selbst wer nur ein paar Stunden auf einer Kreuzfahrtinsel verweilt, muss zahlen – Kontrolle erfolgt oft über spontane Ausweiskontrollen.
Was Kreuzfahrtgäste jetzt wissen müssen
Für Reisende bedeutet dieser Trend vor allem eins: Mehrkosten und Unsicherheiten. Oft sind die Abgaben nicht im Reisepreis enthalten, sondern werden spontan an Land fällig. Manche Destinationen verlangen Online-Zahlung im Voraus, andere fordern Barzahlung vor Ort.
Tipps für Kreuzfahrer:
- Informieren Sie sich vorab über mögliche Zusatzgebühren auf Ihrer Route.
- Prüfen Sie Ihre Buchungsunterlagen, ob Tourismusabgaben inkludiert sind.
- Kalkulieren Sie großzügig – auch bei Landgängen.
- Achten Sie auf lokale Aushänge – viele Gemeinden informieren erst vor Ort.
Fazit: Zwischen Nachhaltigkeit und Nebenkasse
Die Idee, dass Touristen zur Finanzierung der Infrastruktur beitragen, ist nicht neu – doch die Umsetzung lässt oft zu wünschen übrig. Während Wohnmobilisten und Billigurlauber verschont bleiben, trifft es vor allem Kreuzfahrtgäste und Hotelreisende mit voller Wucht.
Ob diese neue Art der Tourismusfinanzierung wirklich nachhaltig ist – oder schlicht ein bequemer Weg, zusätzliche Einnahmen zu generieren – bleibt offen. Eines steht jedoch fest: Der Trend zur Tourismusabgabe wird Kreuzfahrturlauber künftig noch häufiger treffen.
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Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 3.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte.
Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.
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