AIDA „Abzocke“ oder faire Kalkulation? Warum Clickbait-Berichte an der Realität vorbeisegeln

In den letzten Tagen kursieren wieder einmal Artikel mit dramatischen Überschriften wie „Kosten-Falle AIDA“ oder „Stammgäste schlagen Alarm“ durch die Google-News-Feeds. Basis dafür ist oft eine ZDF-Dokumentation, die bereits 3 Jahre alt ist. Doch was steckt wirklich hinter der Kritik an den Preisen für Ausflüge und Zusatzleistungen? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen, den die Klick-Portale gerne verschweigen.

Der „Apfel-Birnen-Vergleich“ bei Landausflügen

Ein beliebtes Beispiel der Kritiker: Die Fahrradtour in Malaga. Bei AIDA kostet sie 75 Euro, beim lokalen Anbieter nur 27,50 Euro. Klingt nach Wucher? Wer so rechnet, vergisst die logistische Mammutaufgabe, die eine Reederei stemmt.

Ein Ausflug über die Reederei ist mehr als nur die reine Tour – er ist ein Rundum-Sorglos-Paket:

  • Wartegarantie: Wenn der Ausflugsbus im Stau steht, wartet das Schiff. Wer privat bucht und zu spät kommt, sieht die Heckwelle – und zahlt Flug und Hotel zum nächsten Hafen selbst.
  • Qualität & Sicherheit: Die Reedereien prüfen ihre Partner streng nach westlichen Sicherheitsstandards und Versicherungsauflagen.
  • Logistik an Bord: Die Bikes müssen gelagert, gewartet und von Bordpersonal (das versichert und untergebracht ist) geführt werden. Das kostet Geld, das ein kleiner Verleih an der Ecke nicht aufbringen muss.

Die Mischkalkulation: Günstiger Grundpreis vs. Bordumsatz

Man muss ehrlich sein: Die Kreuzfahrtpreise für die reine Kabine sind oft erstaunlich niedrig. Das ist nur möglich, weil Reedereien wie AIDA einen Teil ihrer Kosten über den sogenannten On-Board-Revenue decken – also Ausflüge, Wellness und Spezialitätenrestaurants.

Der Insider-Check: Würde AIDA die Ausflüge zum Selbstkostenpreis anbieten, müsste der Reisepreis für alle massiv steigen. So hat der Gast die Wahl: Wer sparen will, geht auf eigene Faust los. Wer Komfort und Sicherheit will, zahlt den Aufpreis.

Neues Tarifsystem 2025: Mehr Transparenz als früher

Entgegen der Behauptung, alles werde „unübersichtlicher“, hat AIDA mit dem neuen Tarifmodell (Light, Classic, Premium, Comfort) eigentlich mehr Wahlfreiheit geschaffen.

  • AIDA Light: Für Sparfüchse, die nur die Koje brauchen.
  • All-In-Optionen: Hier sind Getränkepakete und teils sogar Internet bereits inklusive.

Dass Stammgäste „skeptisch“ werden, ist oft ein Phänomen in sozialen Medien, wo negative Stimmen lauter sind als die tausenden zufriedenen Urlauber, die jede Woche pünktlich und glücklich wieder von Bord gehen.

Fazit: Journalismus vs. Klicks

Portale wie moin.de leben von der Empörung. Dass eine Dokumentation von 2023 im Jahr 2026 als „neuer Alarm“ verkauft wird, zeigt, wie wenig es um Information geht. Eine Kreuzfahrt bleibt ein Produkt, bei dem man bekommt, was man bezahlt. Wer die Sicherheit der Reederei-Ausflüge schätzt, zahlt für diese Versicherung mit. Wer das nicht will, kann in fast jedem Hafen individuell losziehen – die Freiheit hat jeder Gast. Warum Google so einen Müll überhaupt noch in die News aufnimmt bleibt offen!


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Claus A. Blohm

„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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