Winter-Flusskreuzfahrten: Dauerbrenner statt „Riesentrend“ – Was taugt der Urlaub im Frost-Modus?

Düsseldorf/Frankfurt – Wenn am 27. Februar 2026 der SWR in der Reportage „Expedition in die Heimat“ die Frage stellt, ob eine Flussreise im Winter überzeugen kann, blickt die Branche gelassen auf den Bildschirm. Der Grund: Was im Fernsehen als „außergewöhnliche Fahrt“ inszeniert wird, gehört für Reedereien wie VIVA Cruises längst zum Standardgeschäft. Während früher im November die Schotten dichtgemacht wurden, herrscht heute auf Rhein und Main ganzjähriger Betrieb. Doch ist das winterliche Vergnügen wirklich für jeden geeignet?

Das Märchen von der „Winterpause“

Die Pressemitteilung zur SWR-Sendung suggeriert, dass andere Anbieter ihre Schiffe pausieren lassen, während VIVA Cruises mutig die Stellung hält. Die Realität auf dem Fluss sieht jedoch anders aus: Seit Jahren haben fast alle namhaften Reedereien – von A-ROSA bis Nicko Cruises – den Wintermarkt für sich entdeckt. Ob Adventszauber, Silvester-Gala oder die sogenannten „Wellness-Reisen“ im Februar: Die Schiffe bleiben nur noch für kurze Werftaufenthalte im Dock. Der „Riesentrend“ ist also längst eine etablierte Cash-Cow.

Kritik am Winter-Konzept: Romantik oder Grauschleier?

Der SWR-Test schickt Moderator Arndt Reisenbichler auf die VIVA TIARA, um Landausflüge und Bordleben bei frostigen Temperaturen zu prüfen. Dabei müssen sich Reisende auf einige Kompromisse einstellen:

  • Eingeschränkte Decksnutzung: Das Sonnendeck, Herzstück jeder Flussreise, ist bei Minustemperaturen und Fahrtwind oft nur mit Polarausrüstung genießbar.
  • Kurze Tage: Sightseeing findet im Winter oft in der Dämmerung statt. Wer die Loreley oder das Elsass in voller Pracht sehen will, hat nur ein schmales Zeitfenster.
  • Umwelt vs. Ganzjährigkeit: Zwar rüstet VIVA Cruises 2026 auf HVO-Treibstoffe und Landstrom um, doch der Betrieb einer „schwimmenden Heizung“ auf dem Wasser bleibt energieintensiv.

All-Inclusive als Schutzschild gegen das Wetter

VIVA Cruises punktet in der kalten Jahreszeit vor allem mit seinem All-Inclusive-Konzept. Wenn es draußen ungemütlich wird, verlagert sich das Leben nach drinnen – und dort locken Gourmet-Menüs und die offene Bar. Das Unternehmen, ein Ableger der Schweizer Scylla AG, positioniert sich hier im Premium-Segment, um die fehlenden Sonnenstunden durch kulinarischen Luxus wettzumachen.

Ob die Reportage am 27. Februar auch die kritischen Stimmen der „Kreuzfahrtskeptiker“ einfängt oder bei der „Enjoy the Moment“-Romantik bleibt, wird sich zeigen. Eines ist sicher: Die Branche hat den Winter schon lange nicht mehr den Eisschollen überlassen.


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Claus A. Blohm

„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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