Verrückt nach Meer Absetzung: BR stoppt alle Wiederholungen aus Umweltschutzgründen?

Erziehungsauftrag erfüllt: Warum der BR uns jetzt vor der „schmutzigen“ MS Artania rettet

Stellen Sie sich vor, es ist Samstagmittag, Sie freuen sich auf Kapitän Morten Hansen, das sanfte Rauschen des Ozeans und ein bisschen Fernweh – und plötzlich starrt Ihnen der „Kleine Muck“ entgegen. Nein, Ihr Fernseher ist nicht kaputt, Sie werden lediglich pädagogisch wertvoll umgelenkt.

Der Bayerische Rundfunk (BR) hat nämlich im Alleingang beschlossen, dass die Kult-Doku „Verrückt nach Meer“ ab sofort giftig für Ihre Moral ist. Wer 500 Folgen lang geglaubt hat, Kreuzfahrten seien Urlaub, wird nun eines Besseren belehrt: Es sind schwimmende Sündenpfuhle, und der BR ist der neue Umwelt-Beichtvater der Nation.

Die Logik des Sendestopps: Gucken macht Abgase?

In einer Stellungnahme, die vor Selbstgerechtigkeit fast so stark glänzt wie eine frisch polierte Reling, erklärt der RBB (im Auftrag des BR), dass man die Serie wegen „massiver Kritik gesellschaftlicher Gruppen“ und aus Gründen des Umweltschutzes aus dem Verkehr zieht.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Eine Wiederholung einer bereits produzierten Serie wird gestoppt, um das Klima zu retten. Dass die Schiffe auch ohne Kameraeinschaltung weiterfahren (und das übrigens mit immer moderneren LNG-Antrieben und Landstrom-Technologie, wovon man in München offenbar noch nichts gehört hat), spielt keine Rolle. Es geht um das Signal! Wenn wir die Kreuzfahrt im Fernsehen ignorieren, existiert sie quasi nicht mehr. Das ist die physikalische Logik der öffentlich-rechtlichen Elfenbeintürme.

Zwangserziehung statt Unterhaltung

Man könnte fast meinen, die Verantwortlichen halten die über 1,15 Millionen treuen Zuschauer für leicht manipulierbare Kleinkinder, die sofort nach dem Abspann ein Schiff chartern, um eigenhändig Schweröl in die Nordsee zu kippen. Dass die Branche längst Milliarden in Nachhaltigkeit investiert? Geschenkt. Dass drei Millionen Deutsche diesen Urlaub lieben? Offenbar drei Millionen Menschen mit dem falschen moralischen Kompass.

Statt die Zuschauer als mündige Bürger zu behandeln, die Unterhaltung von einer Umweltdebatte unterscheiden können, setzt der BR auf die gute alte Zwangserziehung. Wer Kreuzfahrt gucken will, bekommt jetzt Märchenfilme. Passender könnte die Metaphorik kaum sein, denn die Vorstellung, dass ein Sendeverbot von TV-Konserven das Weltklima rettet, ist das größte Märchen von allen.

Ein stilles Ende für die „Grand Lady“

Während in der ARD-Mediathek (noch!) die Reste der 24.520 Sendeminuten vor sich hin vegetieren, bleibt im linearen TV nur das Kopfschütteln. Man fragt sich, wann die erste SOKO-Folge gestrichen wird, weil der Kommissar einen Diesel fährt, oder ob Kochshows bald verboten werden, weil Fleischbraten das CO2-Konto belastet.

Der BR hat entschieden: Fernweh ist offiziell nicht mehr nachhaltig. Danke für die Bevormundung – wir hätten es alleine fast genossen. Da bleibt nur noch die Frage wann wird das ZDF Traumschiff abgesetzt?

Quelle: Blog-kreuzfahrt.ch


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Claus A. Blohm

„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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