Kreuzfahrtschiffe im Golf festgesetzt: Droht TUI Cruises ein Umsatzeinbruch durch den aktuellen Golfkrieg?

Die Lage im Persischen Golf hat sich durch die jüngsten militärischen Spannungen dramatisch verändert – mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Kreuzfahrtbranche. Mehrere Kreuzfahrtschiffe sitzen derzeit in der Region fest und können das Gebiet offenbar nicht verlassen. Besonders betroffen ist dabei TUI Cruises, deren Schiffe Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 aktuell im Golf gebunden sind. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass sich daraus erhebliche wirtschaftliche Folgen ergeben könnten.

Nach derzeitigen Informationen liegen insgesamt rund sechs Kreuzfahrtschiffe im Golf fest, da eine sichere Passage aus der Region aktuell nicht gewährleistet werden kann. Neben zwei Schiffen von TUI Cruises betrifft die Situation auch andere Reedereien. Besonders kritisch könnte sich die Lage für kleinere Anbieter entwickeln, deren Flotten kaum Ausweichmöglichkeiten bieten.

TUI Cruises: mindestens 20 % Umsatzverlust möglich

Für TUI Cruises könnte die Situation zu einem spürbaren wirtschaftlichen Einschnitt führen. Branchenexperten rechnen damit, dass ein längerer Ausfall der Schiffe Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 etwa 20 % der geplanten Kapazitäten betreffen könnte. Sollte sich die Situation über mehrere Wochen oder Monate hinziehen, könnte der tatsächliche Umsatzeinbruch sogar noch höher ausfallen.

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Neben den entgangenen Einnahmen entstehen zusätzliche Kosten. Dazu gehören unter anderem:

  • laufende Betriebskosten der Schiffe
  • Versorgung der Crew und Gäste
  • mögliche Rückführungsmaßnahmen
  • Umbuchungen oder Rückerstattungen für abgesagte Reisen

Bereits gebuchte Reisen der beiden Schiffe dürften daher auf unbestimmte Zeit abgesagt oder verschoben werden müssen, sollte sich die Sicherheitslage nicht kurzfristig entspannen.

Celestyal Discovery
Celestyal Discovery

Besonders kritisch: Celestyal Cruises

Noch deutlich härter trifft die aktuelle Situation Celestyal Cruises. Die Reederei hat zwei Schiffe in der Region, die ebenfalls nicht auslaufen können. Anders als große Kreuzfahrtkonzerne verfügt Celestyal jedoch nur über ddiese sehr kleine Flotte.

Fallen beide Schiffe gleichzeitig aus, bedeutet das praktisch einen vollständigen Stillstand des operativen Geschäfts. Branchenkenner warnen daher, dass eine länger andauernde Blockade für Celestyal Cruises existenzbedrohend werden könnte.

MSC kann Ausfall eher verkraften

Auch MSC Cruises ist von der Situation betroffen. Das Kreuzfahrtschiff MSC Euribia sitzt ebenfalls im Golf fest und kann derzeit offenbar nicht auslaufen. Allerdings dürfte der wirtschaftliche Schaden für MSC deutlich geringer ausfallen.

Mit einer der größten Kreuzfahrtflotten weltweit kann die Reederei Ausfälle einzelner Schiffe wesentlich leichter kompensieren. Selbst wenn ein Schiff länger ausfällt, bleibt der Großteil des Programms weiterhin bestehen.

Aroya Cruises mit starkem finanziellen Hintergrund

Ebenfalls in der Region aktiv ist Aroya Cruises, eine vergleichsweise neue Marke im Kreuzfahrtmarkt. Das Unternehmen verfügt allerdings über einen starken finanziellen Hintergrund aus Saudi-Arabien, wodurch kurzfristige wirtschaftliche Belastungen vermutlich abgefedert werden können.

Positionsmeldungen der Schiffe offenbar abgeschaltet

Auffällig ist außerdem, dass von mehreren der betroffenen Kreuzfahrtschiffe inzwischen keine öffentlichen Positionsmeldungen mehr empfangen werden. Üblicherweise sind diese über AIS-Systeme für die Schifffahrt sichtbar.

Dass die Signale teilweise verschwunden sind, könnte Sicherheitsgründe haben. In Krisenregionen werden AIS-Daten gelegentlich bewusst eingeschränkt, um Bewegungen von Schiffen nicht öffentlich nachvollziehbar zu machen.

Ungewisse Entwicklung für die Kreuzfahrtbranche

Wie lange die Schiffe im Golf verbleiben müssen, ist derzeit völlig offen. Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Kreuzfahrtsaison in der Region haben.

Für Passagiere bedeutet das vor allem Unsicherheit: Bereits gebuchte Reisen könnten kurzfristig abgesagt oder auf andere Schiffe umgebucht werden müssen.

Die kommenden Wochen dürften daher entscheidend sein – sowohl für TUI Cruises als auch für kleinere Reedereien wie Celestyal Cruises. Während große Anbieter Ausfälle meist besser verkraften können, könnten kleinere Unternehmen durch die aktuelle Situation schnell an ihre wirtschaftlichen Grenzen geraten.


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Claus A. Blohm

„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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