Die europäischen Flüsse haben schon viel gesehen: Römer, Handelsschiffe, Ausflugsschiffe – und inzwischen auch eine stetig wachsende Armada an Flusskreuzfahrtschiffen. Nun kommt ein weiteres hinzu: Viking hat die neue Viking Eldir übernommen, ein weiteres sogenanntes Longship, gebaut auf der Meyer Neptun Werft in Rostock-Warnemünde.
Mit Platz für 190 Gäste in 95 Kabinen wird das neue Schiff künftig auf Rhein, Main und Donau unterwegs sein. Klingt erstmal nach einer normalen Flusskreuzfahrt-Nachricht – wäre da nicht eine kleine Frage, die sich viele Flussanwohner inzwischen stellen: Wie viele dieser Schiffe passen eigentlich noch auf unsere Flüsse?
Noch ein Longship für Europas Flüsse
Die Viking Eldir gehört zur bekannten Serie der Viking Longships, die das Unternehmen seit Jahren in Serie bauen lässt.
Typisch für diese Schiffe sind:
- drei Passagierdecks
- die bekannte Aquavit-Terrasse mit Innen- und Außenbereich
- großzügige Suiten mit zwei Räumen
- ein quadratischer Bug für mehr Platz an Bord
- skandinavisches Design mit viel Glas und hellem Holz
Eingesetzt wird die Viking Eldir auf beliebten Routen wie:
- „Rhein-Ausflug“
- „Große Europa-Rundreise“
- „Passage nach Osteuropa“
- „Europa-Reise“
- „Weihnachten am Rhein“
Für Gäste bedeutet das komfortables Reisen mit Hotelstandard – für Flüsse bedeutet es vor allem eines: noch mehr Verkehr auf ohnehin stark frequentierten Wasserstraßen.

Flüsse voller Kreuzfahrtschiffe?
Wer in den letzten Jahren am Rhein spazieren war, kennt das Bild:
Ein Viking-Schiff kommt, dahinter das nächste, danach vielleicht eines von AmaWaterways, A-ROSA oder Nicko Cruises.
Manchmal wirken die Flüsse fast wie eine schwimmende Hotelstraße, in der sich die Schiffe in Kolonne aneinanderreihen. Und weil viele Flussschiffe von Viking äußerlich sehr ähnlich aussehen – lange weiße Kästen mit Glasfront – entsteht schnell der Eindruck einer Kopie nach der anderen.
Frech formuliert:
Man könnte meinen, irgendwo steht eine große Fabrik für schwimmende IKEA-Regale.
Natürlich ist das überspitzt – aber der Punkt bleibt: Die Zahl der Flussschiffe wächst rasant.
Viking setzt weiter auf Wachstum
Die neue Viking Eldir ist dabei nur ein kleines Puzzlestück in einer sehr großen Wachstumsstrategie.
Nach Angaben der Reederei plant Viking:
- 22 weitere Flussschiffe bis 2028
- 10 neue Hochseeschiffe bis 2031
- 2 weitere Expeditionsschiffe bis 2031
Sollten alle Bestellungen umgesetzt werden, würde Viking:
- 112 Flussschiffe im Jahr 2028 betreiben
- sowie 25 Hochsee- und Expeditionsschiffe bis 2031
Das ist eine beeindruckende Flotte – und gleichzeitig ein Hinweis darauf, wie stark der Markt für Flusskreuzfahrten wächst.
Komfort für Gäste – Herausforderung für Flüsse?
Flusskreuzfahrten gelten als besonders entspannte Art zu reisen. Man fährt mitten durch historische Städte, steigt direkt im Zentrum aus und genießt kurze Wege zu Sehenswürdigkeiten.
Doch der Boom hat auch Schattenseiten:
- überfüllte Liegeplätze in Städten
- mehr Verkehr auf engen Flussabschnitten
- Diskussionen über Umweltbelastung
- Kritik von Anwohnern und Kommunen
Die Branche arbeitet bereits an Lösungen – etwa mit Landstrom, Hybridtechnik oder strengeren Umweltstandards.
Trotzdem bleibt die Frage:
Wann ist ein Fluss eigentlich „voll“?
Fazit
Mit der Viking Eldir wächst die Viking-Flotte weiter – und damit auch die Zahl der Flusskreuzfahrtschiffe auf Europas Wasserwegen. Für Reisende bedeutet das mehr Auswahl und moderne Schiffe. Für Rhein, Main und Donau allerdings auch: noch ein schwimmendes Hotel mehr in der Kolonne.
Oder anders gesagt:
Der Flusskreuzfahrt-Boom fährt weiterhin mit voller Kraft voraus.
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Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 3.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte.
Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.
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