Die Trinkgeld-Beichte: Warum „Inklusive“ oft nicht genug ist

Es ist das am heißesten diskutierte Thema in jedem Kreuzfahrt-Forum: Das Trinkgeld. Während deutsche Urlauber es lieben, wenn auf der Rechnung „Trinkgelder bereits eingeschlossen“ steht, sieht die Realität hinter dem freundlichen Lächeln der Crew oft anders aus. Wer bekommt was? Reicht die Pauschale der Reederei wirklich aus? Und warum wird man auf US-Schiffen schief angeschaut, wenn man keinen Extra-Dollar zückt? Wir werfen einen ehrlichen Blick in das Portemonnaie der Crew und die Moral der Gäste.

1. Das „Inklusive“-Missverständnis

Wenn Reedereien wie TUI oder AIDA mit Inklusiv-Trinkgeldern werben, bedeutet das rechtlich, dass die Crew einen festen Lohn erhält, der über dem Branchenschnitt liegt.

  • Die Kehrseite: Dieser Lohn ist oft dennoch kalkuliert auf ein „Zubrot“ durch besondere Leistungen. Wer glaubt, mit dem Reisepreis sei jede Extrawurst bezahlt, verkennt die harte Arbeit derer, die 12 Stunden am Tag für uns rennen.

2. Die „Service Charge“ Falle bei US-Reedereien

Bei MSC, Costa oder Royal Caribbean wird oft eine tägliche Service-Gebühr automatisch vom Bordkonto abgebucht.

  • Der Aufreger: Viele Gäste lassen diese Gebühr an der Rezeption streichen, um „lieber bar“ zu geben – und „vergessen“ es dann am Ende der Reise. Für die Crew ist das ein Desaster, da diese Pools oft unter dem gesamten Team (auch der Küche und Wäscherei) aufgeteilt werden.

3. Wer ist „extra“ wert?

Der Kabinensteward und der Stammkellner im Restaurant sind die Klassiker für das Extra-Kuvert. Aber was ist mit den „unsichtbaren“ Geistern?

  • Profi-Tipp: Ein paar Euro für den Koch an der Omelett-Station oder den Bar-Keeper am ersten Tag verändern das Service-Erlebnis für die restliche Woche dramatisch. Hier geht es nicht um Bestechung, sondern um Anerkennung.

4. Die Währung der Wertschätzung

US-Dollar oder Euro? Die Crew bevorzugt oft Dollar (da weltweit leichter wechselbar) oder die lokale Währung des nächsten großen Hafens.

  • Wichtig: Kleingeld (Münzen) ist für die Crew fast wertlos, da Banken diese oft nicht umtauschen. Wenn Trinkgeld, dann Scheine – oder gar nichts.

5. Das „No-Go“: Trinkgeld statt Anstand

Kein Geld der Welt rechtfertigt unfreundliches Verhalten. Die Crew schätzt ein echtes „Danke“ und ein Lob bei der Geschäftsführung oft genauso hoch ein wie einen 5-Euro-Schein. Wer jedoch glaubt, sich mit Geld schlechtes Benehmen erkaufen zu können, wird an Bord schnell zum Gesprächsthema Nummer eins in der Crew-Messe.


Und was sagt Ihr dazu?

Jetzt seid ihr gefragt: Ist „Inklusive“ für euch Gesetz, oder habt ihr immer ein Bündel kleiner Scheine für das Personal dabei? Wer hat in euren Augen das meiste Trinkgeld verdient?

Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare – aber bleibt fair! Wir sind gespannt auf eure Einstellung zum Thema Bord-Etikette.


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Claus A. Blohm

„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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