Berlin/Papenburg – Die Kreuzfahrt boomt, die Auftragsbücher sind voll – doch hinter den Kulissen zeigt sich ein brisantes Bild: Bei der Meyer Werft werden Luxus-Kreuzfahrtschiffe offenbar gezielt mit Verlust gebaut. Und das trifft am Ende vor allem einen: den Steuerzahler. (Quelle: u.a. Bild)
Millionenverluste trotz voller Auftragsbücher
Was nach wirtschaftlichem Erfolg klingt, entpuppt sich als riskantes Geschäftsmodell. Laut internen Unterlagen und Berichten entstehen bei mehreren Neubauten massive Verluste:
- Zwei Kreuzfahrtschiffe für Carnival Cruise Line sorgen für ein Minus von über 165 Millionen Euro
- Einzelne Projekte weisen Verluste von -64,9 Mio. und -100,3 Mio. Euro auf
- Insgesamt sind von 24 Schiffsbauten gleich 20 defizitär
- Gesamtverlust laut Planung: rund 390 Millionen Euro
Und das, obwohl Kreuzfahrten weltweit wieder boomen. Warum wird hier nicht neu kalkuliert?
Staat als Rettungsanker – oder Brandbeschleuniger?
Die Werft gehört inzwischen zu 80 % Bund und Land Niedersachsen. Zusätzlich wurde eine Staatsbürgschaft von 2,6 Milliarden Euro gewährt.
Die politische Entscheidung dafür fiel unter dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz – offiziell, um Arbeitsplätze zu sichern und die traditionsreiche Werft zu retten.
Doch genau hier wird es kritisch.
👉 Denn:
Was diese Rettung den Steuerzahler langfristig wirklich kostet, wurde nie transparent offengelegt.
Stattdessen wurde die Maßnahme öffentlich als „Investition in die Zukunft“ verkauft.
Kritik: „Der Staat verbrennt Steuergeld für Luxus-Schiffe“
Ein Blick in die Zahlen wirft unangenehme Fragen auf:
- Warum werden Aufträge angenommen, die von Anfang an Verluste bringen?
- Wieso wird ein Geschäftsmodell toleriert, das dauerhaft defizitär geplant ist?
- Und: Ist es Aufgabe des Staates, Luxus-Kreuzfahrtschiffe indirekt zu subventionieren?
Kritiker sprechen bereits davon, dass hier Steuergelder gezielt „verbrannt“ werden, um eine Industrie künstlich am Leben zu halten.
Sanierungsplan bis 2028 – Hoffnung oder Durchhalteparole?
Die Werft selbst sieht die Lage weniger dramatisch. Alle Verluste seien Teil eines langfristigen Sanierungsplans bis 2028.
Man befinde sich „erst in der ersten Hälfte der Restrukturierung“, strukturelle Probleme würden Schritt für Schritt gelöst.
Doch auch hier bleibt Skepsis:
👉 Wenn bereits heute klar ist, dass Projekte Verluste bringen – Warum lässt man Sie dann laufen? Die Reedereien verdienen genug und der Bedarf ist da, warum also nicht die Preise mal anpassen, müssen wir doch an der Tankstelle auch dauernd erleben?
wie realistisch ist dann eine nachhaltige Wende?
Kreuzfahrt-Boom trifft Realität der Werften
Die Situation zeigt ein grundsätzliches Problem der Branche:
- Reedereien drücken Preise bei Neubauten
- Werften kalkulieren aggressiv, um Aufträge zu sichern
- Staatliche Beteiligung verzerrt den Wettbewerb zusätzlich
Am Ende entsteht ein System, in dem Schiffe gebaut werden – aber Gewinne ausbleiben.
Fazit: Teure Rettung mit unklarer Zukunft
Die Rettung der Meyer Werft sollte Arbeitsplätze sichern und ein Stück deutscher Industrie bewahren.
Doch immer mehr deutet darauf hin, dass daraus ein teures Dauerprojekt für den Staat geworden ist.
Oder anders gesagt:
Der Steuerzahler finanziert die Werft – ohne Garantie auf wirtschaftlichen Erfolg.
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Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 3.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte.
Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.
„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit 1999 betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog in Deutschland