Die Kreuzfahrtbranche hat sich erneut selbst gefeiert: Bei der neunten Verleihung der Fairplay Awards der Kreuzfahrtinitiative (KI) wurden Amadeus Flusskreuzfahrten, Hurtigruten und Norwegian Cruise Line (NCL) für „vorbildliches Verhalten“ ausgezeichnet. Doch bei aller Branchenharmonie stellt sich eine unbequeme Frage: Braucht es wirklich einen Preis für etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte?
Gewinner mit Vorbildfunktion – oder Selbstverständlichkeit?
Rund 80 Branchenvertreter kamen an Bord der Viva Moments zusammen, um die besten Partner im Vertrieb zu ehren. Bewertet wurden unter anderem:
- Fairer Umgang mit Vertriebspartnern
- Transparente Provisionen
- Flexibilität im Marketing
- Verhalten bei Reiseänderungen
- Allgemeine Zusammenarbeit
Die Gewinner:
- Hochsee: Norwegian Cruise Line (NCL)
- Fluss: Amadeus Flusskreuzfahrten
- Nachhaltigkeit: Hurtigruten
Alles klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Doch genau hier beginnt die Diskussion.
Die eigentliche Frage: Warum braucht es diesen Preis?
Die Auszeichnung soll faires Verhalten belohnen. Aber drehen wir die Perspektive um:
👉 Sollte Fairness im Geschäftsleben nicht die Regel und nicht die Ausnahme sein?
👉 Müssen Unternehmen wirklich ausgezeichnet werden, nur weil sie sich korrekt verhalten?
Ein Preis für „Fairplay“ wirkt fast wie ein indirektes Eingeständnis, dass genau dieses Verhalten nicht überall selbstverständlich ist.
Branchenproblem Cashback: Der wahre Zündstoff
Hinter den Kulissen wurde es deutlich kritischer. Ein zentrales Thema der KI-Versammlung:
- Cashback-Praktiken bei Kreuzfahrten
- Wettbewerbsverzerrung durch Rückvergütungen
- Intransparente Preisstrukturen
Die klare Aussage des KI-Vorsitzenden:
„Wir sind sauber!“
Doch diese Aussage wirft die nächste Frage auf:
Wenn man betonen muss, sauber zu sein – wie sieht es dann bei anderen aus?
Sollte man nicht die schwarzen Schafe benennen?
Vielleicht liegt hier der eigentliche Kern der Debatte:
- Statt „gute“ Unternehmen zu feiern
- sollte man stärker die negativen Beispiele sichtbar machen
Denn:
- Transparenz entsteht durch Aufklärung
- Vertrauen entsteht durch klare Standards
- Glaubwürdigkeit entsteht durch Konsequenzen
Ein Branchenpreis allein löst diese Probleme nicht.
Fazit: Gute PR – aber kein echter Fortschritt?
Die Fairplay Awards sind ohne Zweifel ein positives Signal. Sie zeigen, dass sich Teile der Branche um saubere Strukturen bemühen.
Doch gleichzeitig bleibt ein schaler Beigeschmack:
👉 Fairness sollte kein Wettbewerb sein.
👉 Sie sollte Grundvoraussetzung sein.
Solange Preise für „anständiges Verhalten“ notwendig sind, bleibt die Frage offen, ob die Branche wirklich dort ist, wo sie sein sollte.
Claus A.Blohm
Entdecke mehr von Der Kreuzfahrttester
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.