Die Taufe der „Mein Schiff Relax“ in Málaga sollte ein glanzvolles Ereignis werden, ein weiterer Meilenstein für TUI Cruises und ein Fest für Kreuzfahrtfans weltweit. Doch was sich stattdessen entfaltete, war ein peinliches Desaster, das mehr Fragen aufwirft als Urlaubsfreude verbreitet. Von technischer Inkompetenz bis hin zu einer Regie, die offenbar ihren Job verfehlt hat, geriet die Live-Übertragung zu einem unfreiwilligen Lehrstück in Sachen missglückter Großveranstaltungen.
Die Kommentare unter dem YouTube-Livestream sprechen eine deutliche Sprache – und sie sind vernichtend. „Ganz schlechte Internetverbindung“, „echt peinlich für so ein Unternehmen“, „ruckelt“, „Folter“ sind nur einige der harmloseren Beschreibungen der Zuschauererfahrung. Da fragt man sich unweigerlich: Hat TUI Cruises, ein Unternehmen, das sich im Milliardenmarkt der Kreuzfahrten bewegt, tatsächlich an den grundlegendsten Voraussetzungen für eine gelungene Live-Übertragung gespart? Die lapidare Entschuldigung, man möge „froh sein, dass es es gibt“ (Zitat eines Kommentators), zeugt von einer erschreckenden Realitätsferne und einem Mangel an Professionalität.
Die technischen Mängel scheinen dabei eklatant gewesen zu sein. Eine ruckelnde, pixelige Übertragung, die an ein schlecht aufgelöstes Video aus den frühen 2000ern erinnerte, war die Regel, nicht die Ausnahme. Kommentare wie „Ich sehe nur Pixel“ oder „verzerrte Bilder“ häuften sich. Dass parallel dazu die eigene Webseite von TUI Cruises offenbar teilweise zusammenbrach, wie ein Nutzer monierte, verstärkt den Eindruck einer vollkommen unzureichenden Vorbereitung. Millionen von Euro fließen in den Bau eines neuen Schiffes, aber für eine stabile Internetverbindung und eine reibungslose Übertragung zu den potenziellen Kunden scheint das Budget gefehlt zu haben – ein geradezu groteskes Missverhältnis.
Doch nicht nur die Technik versagte kläglich. Auch die Regie der Übertragung verdiente bestenfalls ein müdes Achselzucken. Anstatt die eigentliche Taufzeremonie in den Fokus zu rücken, präsentierte man dem Online-Publikum offenbar verwackelte Aufnahmen von Leinwänden und scheinbar willkürliche Schnitte. Der Kommentar eines Branchenkenners, „Auch die Live-Regie, die nicht mal auf die Source schaltet, sondern die Leinwand abfilmt, hat das noch nicht oft gemacht“, ist bezeichnend und wirft ein düsteres Licht auf die Kompetenz der Verantwortlichen. Eine stringente Erzählung der Taufgeschichte? Fehlanzeige. Stattdessen herrschte Chaos und Verwirrung vor den heimischen Bildschirmen.
Die Versuche einzelner Kommentatoren, die Situation zu beschwichtigen („Leute relaxt mal“, „Chillt doch mal“), wirkten angesichts des offensichtlichen Debakels hilflos. Andere wiederum reagierten mit Sarkasmus und Spott („Schaue jetzt Tom & Jerry“). Die Vergleiche mit dem „Schiffsberater“ für gewöhnlich schlechte Qualität oder gar die Frage, ob man aus „Sibirien“ sende, unterstreichen die allgemeine Fassungslosigkeit über das Gebotene.
Besonders bitter stößt die Ankündigung von TUI Cruises auf, man werde „morgen ein Video mit den schönsten Bildern und den emotionalsten Momenten der Taufe veröffentlichen“. Dies liest sich wie ein Eingeständnis des eigenen Versagens und der Versuch, die desolate Live-Erfahrung im Nachhinein zu kaschieren. Warum nicht gleich in eine professionelle Live-Übertragung investieren, anstatt auf nachträglich bearbeitetes Material zu setzen?
Die Taufe der „Mein Schiff Relax“ in Málaga geriet somit zu einem PR-Desaster für TUI Cruises. Anstatt Vorfreude auf das neue Schiff zu wecken, hinterließ die Veranstaltung vor allem Frustration und Kopfschütteln. Ein Unternehmen dieser Größe sollte in der Lage sein, eine solch wichtige Zeremonie technisch und inszenatorisch einwandfrei zu präsentieren. Das Fiasko von Málaga wirft ein deutliches Schlaglicht auf eklatante Mängel in der Planung und Ausführung und lässt potenzielle Kunden mit einem höchst negativen ersten Eindruck zurück. Hier wurde am falschen Ende gespart – und das Ergebnis war eine peinliche Bruchlandung.
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