Ex-NCL-Chef Frank Del Rio verklagt Norwegian Cruise Line: Wenn selbst 129 Millionen Dollar nicht reichen

Millionenstreit bei Norwegian Cruise Line: Ehemaliger CEO fordert weitere Millionen vor Gericht

In der Kreuzfahrtbranche geht es oft um Luxus, Prestige und Milliardeninvestitionen. Doch manchmal sorgt nicht ein neues Schiff für Schlagzeilen, sondern die Frage, wie viele Millionen ein ehemaliger Top-Manager nach seinem Ausscheiden noch erhalten sollte.

Der frühere CEO von Norwegian Cruise Line Holdings (NCLH), Frank Del Rio, hat Klage gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber und mehrere frühere Vorstandsmitglieder eingereicht. Der Vorwurf: Ihm seien vertraglich zugesicherte Beratungsvergütungen in Millionenhöhe vorenthalten worden.

Streit um 18 Millionen Dollar nach dem Rücktritt

Laut einer Klageschrift, die im Miami-Dade County eingereicht wurde, soll Del Rio Anfang 2023 seinem Rücktritt als Vorstandsvorsitzender zugestimmt haben. Voraussetzung sei eine Vereinbarung gewesen, nach der er bis Ende 2027 als Berater für das Unternehmen tätig bleiben und dafür eine Vergütung von einer Million US-Dollar pro Quartal erhalten sollte.

Nach Darstellung des ehemaligen Managers entsprach dies einem Gesamtvolumen von rund 18 Millionen US-Dollar über viereinhalb Jahre.

Doch genau hier beginnt der Rechtsstreit.

Schriftlicher Vertrag deutlich kleiner als die angebliche Zusage

Del Rio behauptet, dass der ihm später vorgelegte schriftliche Vertrag lediglich Beratungsleistungen für zweieinhalb Jahre im Wert von insgesamt 10 Millionen US-Dollar vorsah.

Nach seinen Angaben hätten Vertreter des Unternehmens jedoch erklärt, dass die Vereinbarung später auf die ursprünglich zugesagte Laufzeit erweitert werde.

Diese Verlängerung sei jedoch nie erfolgt.

Nachdem die Zahlungen nach Ablauf der ersten Vertragsphase eingestellt worden seien, habe Del Rio den Rechtsweg gewählt.

Schwere Vorwürfe gegen ehemalige Vorstandsmitglieder

Die Klage richtet sich nicht nur gegen Norwegian Cruise Line Holdings selbst, sondern auch gegen mehrere ehemalige Mitglieder des Verwaltungsrats.

Genannt werden:

  • Russell Galbut
  • Harry Curtis
  • Mary Landry
  • Stella David

Del Rio wirft den Beklagten unter anderem Betrug, Vertragsbruch sowie eine Verschwörung zur Verschleierung der tatsächlichen Absichten des Unternehmens vor.

Über die Vorwürfe muss nun ein Gericht entscheiden. Del Rio fordert Schadensersatz in Millionenhöhe und hat ein Geschworenenverfahren beantragt.

„Berater“ ohne Beratung?

Besonders bemerkenswert ist ein weiterer Vorwurf in der Klageschrift.

Demnach habe Norwegian Cruise Line Holdings Aktionären gegenüber erklärt, Del Rio unterstütze das Unternehmen weiterhin bei wichtigen Themen wie Schiffbau, Finanzierung, Dekarbonisierung und strategischen Branchenfragen.

Der ehemalige CEO argumentiert jedoch, dass das Unternehmen ihn während des Beratungszeitraums nie tatsächlich um Rat gefragt habe.

Mit anderen Worten: Laut seiner Darstellung stand er bereit, das Telefon blieb jedoch still.

Der bestbezahlte Kreuzfahrtmanager seiner Zeit

Frank Del Rio gehörte über Jahre zu den einflussreichsten Führungskräften der Kreuzfahrtbranche.

Nach Angaben in der Klage verdiente er allein in den letzten fünf Jahren seiner Amtszeit mehr als 129 Millionen US-Dollar.

Diese Summe macht den aktuellen Rechtsstreit nicht weniger bemerkenswert. Schließlich geht es nun um weitere Millionenbeträge, die nach seiner Auffassung Teil seiner Ruhestandsvereinbarung gewesen sein sollen.

Wenn Millionen nicht genug sind

Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die Gehaltsstrukturen in internationalen Konzernen. Während Kreuzfahrtgesellschaften in den vergangenen Jahren mit Pandemie-Folgen, hohen Schulden und steigenden Betriebskosten kämpften, bewegen sich Vergütungen von Spitzenmanagern weiterhin in Dimensionen, die für normale Arbeitnehmer kaum vorstellbar sind.

Dabei geht es in diesem Verfahren nicht um die Frage, ob hohe Managergehälter gerechtfertigt sind. Entscheidend wird vielmehr sein, ob die angeblich mündlich zugesagten Zahlungen tatsächlich vereinbart wurden und ob daraus rechtliche Ansprüche entstanden sind.

Norwegian Cruise Line äußert sich nicht

Norwegian Cruise Line Holdings hat bislang keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgegeben.

Das Unternehmen erklärte lediglich, dass man sich zu laufenden Rechtsstreitigkeiten grundsätzlich nicht äußere.

Bis ein Gericht den Fall bewertet, gilt daher: Es handelt sich um Vorwürfe des Klägers, die bislang nicht gerichtlich festgestellt wurden.

Fazit

Der Rechtsstreit zwischen Frank Del Rio und Norwegian Cruise Line Holdings könnte zu einem der interessantesten Managerverfahren der Kreuzfahrtbranche werden. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Frage nach mehreren Millionen Dollar an Beratungsvergütungen, sondern auch die grundsätzliche Bedeutung mündlicher Zusagen in Chefetagen großer Konzerne.

Ob die versprochenen Millionen tatsächlich zugesichert wurden oder ob unterschiedliche Erinnerungen an Verhandlungen aufeinanderprallen, wird nun ein Gericht klären müssen.

Fest steht bereits jetzt: In der Welt der Kreuzfahrtgiganten sind selbst zweistellige Millionenbeträge manchmal offenbar nur der Anfang einer Diskussion.


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„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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