Kreuzfahrt-Abzocke durch versteckte Trinkgelder? Warum deutsche Urlauber keine Angst haben müssen

Neue Schlagzeilen über steigende Bordkosten – aber betrifft das deutsche Kreuzfahrer überhaupt?

Wieder einmal sorgen Berichte über angeblich explodierende Bordkosten auf Kreuzfahrten für Aufsehen. Mehrere norddeutsche Medien berichten aktuell über steigende Trinkgeldpauschalen bei amerikanischen Reedereien wie Holland America Line, MSC Cruises oder Carnival Cruise Line. Schnell entsteht der Eindruck, Kreuzfahrturlaub werde durch versteckte Gebühren immer teurer.

Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Für die meisten Kreuzfahrer in Deutschland sind diese Meldungen kaum relevant.

Gelten die erhöhten Trinkgeldpauschalen überhaupt für deutsche Kreuzfahrtgäste?

Die entscheidende Information findet sich meist erst weit unten im Artikel: Die genannten Erhöhungen betreffen überwiegend Buchungen außerhalb der Europäischen Union oder direkt in den USA.

Wer eine Kreuzfahrt in Deutschland bucht, profitiert von deutlich strengeren Verbraucherschutzregeln. Nach deutschem Recht müssen verpflichtende Preisbestandteile bereits im beworbenen Reisepreis enthalten sein. Überraschende Pflichtgebühren nach der Buchung sind daher nur sehr eingeschränkt möglich.

Genau deshalb weisen viele Reedereien bei Buchungen über deutsche Vertriebswege sämtliche verpflichtenden Kosten bereits im Reisepreis aus.

Warum sorgen amerikanische Trinkgeldmodelle regelmäßig für Schlagzeilen?

In den USA gehört das Trinkgeld traditionell zum Vergütungsmodell vieler Dienstleistungsbranchen. Dieses System haben zahlreiche amerikanische Kreuzfahrtgesellschaften übernommen.

Dort werden automatische Servicepauschalen häufig täglich auf das Bordkonto gebucht. Die Beträge können je nach Reederei, Kabinenkategorie und Reiseziel variieren.

Für amerikanische Gäste ist dieses Modell seit Jahren üblich. In Deutschland wirkt es dagegen oft ungewöhnlich, weshalb entsprechende Berichte regelmäßig für Aufmerksamkeit sorgen.

Sind Trinkgelder bei AIDA und Mein Schiff bereits enthalten?

Ja. Die beiden größten deutschen Kreuzfahrtmarken verfolgen seit Jahren einen anderen Ansatz.

Bei AIDA Cruises sowie TUI Cruises mit der Mein Schiff Flotte gibt es keine verpflichtenden täglichen Trinkgeldpauschalen. Die Besatzung erhält ihre Vergütung unabhängig von freiwilligen Trinkgeldern der Gäste.

Wer besonders zufrieden mit einem Service war, kann selbstverständlich freiwillig ein zusätzliches Trinkgeld geben. Verpflichtend ist dies jedoch nicht.

Warum wird in vielen Berichten der Eindruck von „versteckten Kosten“ erzeugt?

Ein genauer Blick auf viele Veröffentlichungen zeigt ein wiederkehrendes Muster. Die Schlagzeilen sprechen von „versteckten Gebühren“, „Kostenfalle Kreuzfahrt“ oder „immensen Zusatzkosten“.

Erst im weiteren Verlauf wird erklärt, dass die Erhöhungen überwiegend US-Buchungen oder Reisen außerhalb Europas betreffen.

Für deutsche Leser entsteht dadurch schnell ein falscher Eindruck. Tatsächlich unterscheiden sich die Buchungsbedingungen in Europa und den USA erheblich.

Welche Zusatzkosten können auf einer Kreuzfahrt tatsächlich entstehen?

Auch wenn verpflichtende Trinkgelder bei vielen deutschen Angeboten bereits enthalten sind, können an Bord freiwillige Zusatzkosten entstehen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Landausflüge
  • Spezialitätenrestaurants
  • Wellness- und Spa-Anwendungen
  • Premium-Getränke
  • Internetpakete
  • Shopping an Bord
  • Casino-Besuche

Diese Leistungen sind jedoch in der Regel klar ausgewiesen und können vom Gast selbst gewählt werden.

Müssen deutsche Kreuzfahrer jetzt mit höheren Kosten rechnen?

Für die meisten Kreuzfahrtgäste in Deutschland lautet die Antwort: Nein.

Die aktuell diskutierten Erhöhungen automatischer Trinkgeldpauschalen betreffen überwiegend den nordamerikanischen Markt. Wer seine Kreuzfahrt über deutsche Reiseveranstalter oder direkt bei Reedereien in Deutschland bucht, erhält in den meisten Fällen bereits einen Reisepreis, der alle verpflichtenden Kosten enthält.

Deshalb sollten sich Urlauber nicht von alarmierenden Schlagzeilen verunsichern lassen, sondern vor der Buchung einfach einen Blick auf die enthaltenen Leistungen werfen. In den allermeisten Fällen gibt es dann keine bösen Überraschungen an Bord.

Fazit: Viel Aufregung um ein Problem, das deutsche Kreuzfahrer oft gar nicht betrifft

Steigende Trinkgeldpauschalen bei amerikanischen Reedereien sind durchaus eine Nachricht. Die Darstellung als allgemeine Kostenfalle für Kreuzfahrturlauber greift jedoch zu kurz.

Für deutsche Kunden gelten andere Rahmenbedingungen. Wer seine Reise in Deutschland bucht, profitiert von transparenten Preisangaben und einem hohen Verbraucherschutz. Die viel diskutierten automatischen Trinkgelder sind daher meist bereits berücksichtigt oder spielen bei deutschen Reedereien gar keine Rolle.


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„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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