Nicht jedes Kreuzfahrtschiff endet auf dem Schrottplatz. Viele ehemalige Luxusliner starten nach ihrer aktiven Karriere ein völlig neues Leben – manchmal sogar unter einem anderen Namen.
Vom Luxusliner zum Schrottplatz? Was aus alten Kreuzfahrtschiffen wirklich wird
Millionen Urlauber verbinden mit Kreuzfahrtschiffen unvergessliche Reisen, spektakuläre Shows und faszinierende Reiseziele. Doch was passiert eigentlich, wenn ein Schiff nach 20, 30 oder sogar 40 Jahren aus dem Liniendienst ausscheidet?
Verschwindet es einfach auf dem Schrottplatz oder beginnt eine zweite Karriere unter neuer Flagge? Tatsächlich gibt es darauf keine einfache Antwort. Der Lebensweg eines Kreuzfahrtschiffes kann sehr unterschiedlich verlaufen.
Wann gilt ein Kreuzfahrtschiff eigentlich als „alt“?
Anders als bei Autos gibt es für Kreuzfahrtschiffe kein festes Rentenalter.
Viele Schiffe bleiben 30 Jahre oder länger im Einsatz. Entscheidend ist weniger das Baujahr als vielmehr:
- der technische Zustand,
- die Wirtschaftlichkeit,
- neue Umweltauflagen,
- der Modernisierungsbedarf,
- und die Erwartungen der Gäste.
Während moderne Neubauten mit innovativen Umwelttechnologien und großzügigen Kabinen ausgestattet werden, geraten ältere Schiffe zunehmend unter wirtschaftlichen Druck.
Warum werden Kreuzfahrtschiffe verkauft?
Ein Verkauf ist häufig der erste Schritt nach dem Ende der Karriere bei einer großen Reederei.
Neue Eigentümer übernehmen ältere Schiffe häufig, um:
- neue Märkte zu erschließen,
- kleinere Zielgruppen anzusprechen,
- Expeditions- oder Themenreisen anzubieten,
- oder den Einstieg in den Kreuzfahrtmarkt zu erleichtern.
Nicht selten erhält das Schiff dabei einen neuen Namen, eine neue Inneneinrichtung und fährt künftig unter einer anderen Flagge.
Viele Kreuzfahrtgäste bemerken gar nicht, dass sie auf einem Schiff reisen, das bereits eine lange Geschichte bei einer anderen Reederei hat.
Warum erhalten manche Schiffe eine zweite Karriere?
Gerade kleinere oder mittelgroße Schiffe sind auf dem internationalen Markt gefragt.
Während große Neubauten heute häufig mehr als 5.000 Gäste aufnehmen können, bevorzugen manche Reedereien bewusst kleinere Einheiten mit persönlicher Atmosphäre.
Ein ehemaliges Kreuzfahrtschiff kann deshalb noch viele Jahre erfolgreich unterwegs sein – oft auf völlig neuen Routen.
Wann bleibt nur noch die Verschrottung?
Irgendwann erreicht jedoch nahezu jedes Schiff das Ende seines Lebenszyklus.
Gründe hierfür sind unter anderem:
- hohe Modernisierungskosten,
- verschärfte Umweltauflagen,
- steigende Betriebskosten,
- fehlende Ersatzteile,
- sinkende Wirtschaftlichkeit.
Dann bleibt häufig nur noch der Weg zur Abwrackwerft.
Dort werden Stahl, Kupfer, Aluminium, Maschinen und zahlreiche weitere Materialien recycelt. Ein großer Teil eines Kreuzfahrtschiffes wird heute wiederverwertet.
Welche bekannten Beispiele gibt es?
Die Kreuzfahrtgeschichte kennt zahlreiche Schiffe, die nach ihrer ersten Karriere ein neues Leben begonnen haben.
So wechselten in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder ehemalige Schiffe von Costa Cruises, Royal Caribbean, Princess Cruises oder anderen großen Reedereien zu kleineren Anbietern und fuhren dort viele weitere Jahre.
Auch die Costa Victoria wurde nach ihrem Einsatz für Costa Cruises verkauft und schließlich verschrottet.
Andere Schiffe wurden umfassend modernisiert und fahren bis heute – oft unter einem völlig anderen Namen – für neue Reedereien.
Bei AIDA Cruises ist bislang noch kein Schiff der ursprünglichen Flotte verschrottet worden. Stattdessen investiert die Reederei regelmäßig in umfangreiche Modernisierungen ihrer Schiffe, um deren Einsatzdauer zu verlängern.
Können Kreuzfahrtschiffe auch Hotels werden?
Ja.
Einige ehemalige Kreuzfahrtschiffe werden dauerhaft im Hafen festgemacht und als:
- Hotels,
- Restaurants,
- Veranstaltungsorte,
- Museen,
- oder Wohnschiffe
genutzt.
Solche Projekte bleiben zwar eher die Ausnahme, zeigen aber, wie vielseitig die Nutzungsmöglichkeiten alter Schiffe sein können.
Werden moderne Kreuzfahrtschiffe künftig länger genutzt?
Viele Experten gehen davon aus.
Neue Kreuzfahrtschiffe entstehen heute unter deutlich strengeren Umwelt- und Effizienzvorgaben als noch vor 20 Jahren.
Reedereien investieren Milliardenbeträge in:
- alternative Antriebe,
- Landstromtechnik,
- Energieeffizienz,
- digitale Wartungssysteme,
- langlebigere Materialien.
Dadurch könnten viele heutige Neubauten künftig länger wirtschaftlich betrieben werden als frühere Generationen.
Unser Fazit als Kreuzfahrttester
Ein Kreuzfahrtschiff verschwindet nicht automatisch vom Markt, sobald es für eine große Reederei ausgemustert wird.
Oft beginnt dann erst seine zweite Karriere – mit neuem Namen, neuer Flagge und einem völlig anderen Einsatzgebiet. Erst wenn Modernisierung und Betrieb wirtschaftlich keinen Sinn mehr ergeben, endet die Reise auf einer Recyclingwerft.
Für Kreuzfahrtfans lohnt sich deshalb manchmal ein genauer Blick auf den Schiffsnamen. Hinter einem vermeintlich neuen Schiff verbirgt sich nicht selten ein echter Klassiker mit jahrzehntelanger Geschichte.
Hinweis der Redaktion: Wir empfehlen grundsätzlich keine Reederei oder ein bestimmtes Schiff allein aufgrund seines Alters. Entscheidend sind der technische Zustand, regelmäßige Modernisierungen, Sicherheitsstandards und das jeweilige Bordkonzept. Nicht jedes im Artikel erwähnte Schiff wurde von uns persönlich getestet.
Entdecke mehr von Der Kreuzfahrttester
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.


