ARTANIA Grönland Reisebericht Teil 5: Qaqortoq und Nuuk – großartige Natur, aber überzeugen uns auch die Städte?

Nach dem Prins Christian Sund erleben wir mit Qaqortoq und Nuuk erstmals Grönland an Land – zwischen bunten Häusern, rasant wechselndem Wetter und einer Naturkulisse, die uns stärker beeindruckt als manches in den Städten selbst.

Wie fühlt sich Grönland an, wenn man endlich an Land steht?

Nach dem Prins Christian Sund beginnt nun der Teil unserer Reise, auf den wir besonders gespannt waren: Wir schauen uns Grönland nicht mehr nur vom Deck der ARTANIA an, sondern gehen an Land.

Mit Qaqortoq und Nuuk erleben wir zwei sehr unterschiedliche Seiten des Landes.

Und nach unseren ersten Tagen lässt sich ein Eindruck bereits ziemlich klar formulieren:

Die eigentliche Hauptattraktion Grönlands ist für uns bisher die Natur.

Berge, Fjorde, Wolken, Licht, Nebel und diese unglaubliche Weite sorgen immer wieder für Momente, in denen man einfach stehen bleibt.

Die Städte selbst?

Da sind unsere Eindrücke etwas differenzierter.

Wie hat uns Qaqortoq gefallen?

Qaqortoq stand ursprünglich gar nicht auf unserem Reiseplan. Wegen der Wetterbedingungen wurde Paamiut gestrichen und durch Qaqortoq ersetzt.

Und manchmal sind es gerade solche ungeplanten Änderungen, die eine Reise interessant machen.

Qaqortoq ist mit gut 3.000 Einwohnern überschaubar. Bunte Häuser verteilen sich über die Hänge, dahinter steigen die Berge auf und vor der Stadt liegt das Meer.

Genau diese Kombination entspricht ziemlich genau dem Bild, das viele von einer kleinen grönländischen Stadt im Kopf haben.

Qaqortoq

Es ist kein Ort, an dem eine Sehenswürdigkeit die nächste jagt. Qaqortoq lebt vielmehr von seiner Lage und der Atmosphäre.

Und vielleicht ist genau das der richtige Einstieg in Grönland.

Ist Nuuk wirklich eine kleine Hauptstadt?

Danach folgt das genaue Gegenteil.

Nuuk ist die Hauptstadt Grönlands – und wächst kräftig.

Die häufig genannten „rund 20.000 Einwohner“ stimmen inzwischen ziemlich genau: Zum 1. Juli 2026 lebten laut Statistics Greenland 20.384 Menschen in Nuuk. Ein Jahr zuvor waren es noch 299 weniger. Damit lebt inzwischen mehr als jeder dritte Einwohner Grönlands in der Hauptstadt.

Das merkt man.

Nuuk fühlt sich wesentlich urbaner an als Qaqortoq. Es gibt Wohnblocks, moderne Neubauten, Geschäfte, Restaurants, Straßenverkehr und ein Einkaufszentrum.

Wer nach Nuuk kommt und ein großes Freilichtmuseum voller alter bunter Holzhäuser erwartet, dürfte deshalb überrascht sein.

Nuuk ist keine historische Kulisse – Nuuk ist eine Stadt, in der Menschen leben und die sich sichtbar verändert.

Wie erleben wir Nuuk bei einem zweistündigen Spaziergang?

Wir haben uns rund zwei Stunden Zeit genommen und Nuuk zu Fuß erkundet.

Und genau hier möchten wir unseren Reisebericht auch Reisebericht sein lassen:

Uns persönlich hat die Natur rund um Nuuk stärker beeindruckt als das eigentliche Stadtzentrum.

Das Zentrum wirkt funktional und an vielen Stellen überraschend europäisch. Neue Wohn- und Geschäftsbauten bestimmen zunehmend das Bild, während die historischen Häuser dazwischen fast ein wenig um Aufmerksamkeit kämpfen müssen.

Manche ältere Gebäude wirken auf uns, als könnten sie etwas mehr Zuwendung vertragen, während gleichzeitig sichtbar viel neu gebaut wird.

Das mag zunächst enttäuschen, erzählt aber vermutlich mehr über das heutige Grönland als eine perfekt restaurierte Postkartenkulisse.

Denn warum sollte ausgerechnet Nuuk stehen bleiben, während sich Städte überall auf der Welt verändern?

Warum sieht Nuuk teilweise so wenig nach dem erwarteten Grönland aus?

Dahinter steckt eine interessante Entwicklung.

Nuuk ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Visit Greenland beschreibt, dass sich die Stadt seit den 1980er-Jahren erheblich ausgedehnt hat. Die Architektur erzählt gleichzeitig viel über die Modernisierung Grönlands im 20. Jahrhundert.

Ein extremes Beispiel war der sogenannte Block P.

Der 1965/66 errichtete Wohnblock war 231 Meter lang und zeitweise das größte Wohngebäude Nordeuropas. Er entstand während einer Phase, in der Menschen aus kleineren Siedlungen in die größeren Städte umgesiedelt wurden. 2012 wurde Block P schließlich abgerissen.

Wer Nuuk heute betrachtet, sieht deshalb nicht nur eine Hauptstadt.

Man sieht auch das Ergebnis eines enormen gesellschaftlichen Wandels.

Und plötzlich werden die vermeintlich langweiligen Wohnblocks zumindest historisch ein bisschen interessanter.

Ist das Katuaq wirklich ein Gebäude aus den Siebzigern?

Das dachten wir beim ersten Blick auf Teile des Zentrums zunächst ebenfalls.

Doch hier lohnt sich der Faktencheck.

Das auffällige Katuaq ist das nationale Kulturzentrum Grönlands und wurde tatsächlich erst 1997 eröffnet. Entworfen wurde es vom dänischen Architekturbüro Schmidt, Hammer und Lassen. Die wellenförmige Fassade soll vom Nordlicht sowie vom Lichtspiel auf Schnee und Eis inspiriert sein.

Im Gebäude befinden sich unter anderem Veranstaltungsräume, ein Kino und ein Café.

Direkt daneben steht das deutlich neuere Nuuk Center. Es war Grönlands erstes Einkaufszentrum und beherbergt mehr als 25 Geschäfte sowie Cafés und Restaurants; darüber befinden sich mehrere Etagen mit Büros.

Vielleicht liegt genau darin unser zunächst etwas irritierter Eindruck:

Nuuk will offenbar gar nicht wie ein romantisches grönländisches Dorf aussehen. Es will eine moderne Hauptstadt sein.

Wo findet man das alte Nuuk?

Man muss ein wenig danach suchen.

Rund um den alten Kolonialhafen zeigt Nuuk noch jene Seite, die viele Besucher wahrscheinlich eher mit Grönland verbinden: historische Holzhäuser, kleinere Gebäude und das Meer direkt vor der Haustür.

Visit Greenland bezeichnet den Colonial Harbour sogar als eine Art „lebendiges Museum“, in dem Geschichte und Tradition der Stadt weiterhin sichtbar sind.

Gerade der Kontrast macht Nuuk interessant.

Auf der einen Seite stehen die historischen Häuser, auf der anderen wächst eine moderne arktische Hauptstadt.

Ob man diese Entwicklung architektonisch schön findet, ist eine andere Frage.

Wir sind da noch nicht restlos überzeugt.

Warum spielt die Natur Nuuk trotzdem locker an die Wand?

Sermitsoq/Sermitiusaaq

Und dann schaut man einfach nach oben.

Über Nuuk erhebt sich die gewaltige Bergwelt. Sermitsoq/Sermitiusaaq beziehungsweise die markante Landschaft rund um den Sermitsiaq gehört zu den Wahrzeichen der Region und erinnert ständig daran, dass die Stadt trotz aller Neubauten mitten in einer außergewöhnlichen Natur liegt. Visit Greenland nennt Sermitsiaq ausdrücklich als eines der Wahrzeichen Nuuks.

Und genau hier gewinnt Nuuk für uns wieder deutlich.

Denn man kann durch ein modernes Stadtzentrum laufen – und wenige Minuten später steht man am Wasser und blickt hinaus in eines der größten Fjordsysteme der Welt. Visit Greenland hebt genau diese unmittelbare Nähe zwischen modernem Zentrum, Nuukfjord und Bergen als Besonderheit der Hauptstadt hervor.

[HIER PANORAMAFOTO / SERMITSIAQ EINFÜGEN]

Vielleicht ist das auch der falsche Ansatz, Nuuk wie eine klassische europäische Städtereise zu beurteilen.

Die eigentliche Sehenswürdigkeit steht nicht im Zentrum.

Sie steht drum herum.

Wie schnell kann sich das Wetter in Nuuk verändern?

Eine weitere Sehenswürdigkeit bekommt man sogar kostenlos:

das Wetter.

Gerade noch strahlender Sonnenschein.

Ein paar Minuten später ziehen Wolken auf.

Dann plötzlich Nebel.

Und kurz darauf öffnet sich die Landschaft wieder.

Wer hier den Wetterbericht für die nächsten sechs Stunden für eine verbindliche Zusage hält, hat unser grönländisches Lieblingswort noch nicht verinnerlicht:

Immaqa – vielleicht.

Wir haben schon im vorherigen Teil unseres Reiseberichts gelernt, wie stark das Wetter in Grönland den Alltag und natürlich auch eine Kreuzfahrt bestimmt.

Jetzt erleben wir es selbst.

Für Fotografen ist das übrigens gar nicht schlecht. Dieselbe Landschaft kann innerhalb weniger Minuten völlig anders aussehen.

Ist Nuuk für Kreuzfahrtgäste langweilig?

Nein – so einfach wäre das Urteil unfair.

Aber Nuuk hat uns anders überrascht, als wir erwartet hatten.

Wer eine Hauptstadt mit großen historischen Sehenswürdigkeiten oder einer besonders malerischen Altstadt erwartet, könnte nach einem zweistündigen Rundgang etwas ernüchtert sein.

Wer dagegen verstehen möchte, wie modernes Leben in Grönland heute aussieht, findet Nuuk gerade deshalb interessant.

Hier treffen traditionelle Holzhäuser auf Wohnblocks, moderne Architektur, Einkaufszentrum und Neubaugebiete.

Und dahinter beginnt praktisch sofort die Wildnis.

Vielleicht muss man Nuuk deshalb gar nicht „schön“ finden, um die Stadt spannend zu finden.

Was bleibt uns von Qaqortoq und Nuuk in Erinnerung?

Unsere ersten beiden grönländischen Städte hinterlassen unterschiedliche Eindrücke.

Qaqortoq kommt dem romantischen Bild Grönlands mit seinen bunten Häusern und der überschaubaren Größe deutlich näher.

Nuuk zeigt dagegen ein modernes Grönland, das wächst und sich verändert – inklusive all jener architektonischen Begleiterscheinungen, die Wachstum nun einmal mit sich bringt.

Unser bisheriges Fazit ist deshalb ziemlich eindeutig:

Die Städte erzählen die Geschichte Grönlands – aber verliebt haben wir uns bislang vor allem in seine Natur.

Und vielleicht ist das überhaupt keine Kritik.

Denn während wir zurück zur ARTANIA schauen, wissen wir bereits, dass der vielleicht spektakulärste Teil unserer Reise noch vor uns liegt.

Weiter nördlich warten der Polarkreis, Ilulissat und die Diskobucht.

Und spätestens dort dürfte Grönland noch einmal eine völlig andere Seite zeigen.

Dieser Artikel ist Teil 5 unseres großen ARTANIA-Grönland-Reiseberichts 2026. Alle Etappen, persönlichen Erfahrungen, Fotos und Videos unserer 25-tägigen Reise sammeln wir zusätzlich in unserem zentralen ARTANIA-Grönland-Reisebericht.


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„Der Kreuzfahrttester“ wird bereits seit mehr als 25 Jahren redaktionell durch verschiedene Blogs und Interseiten zum Thema Kreuzfahrten betrieben. Die Seite www.kreuzfahrttester.com gilt damit als ältester Kreuzfahrt-Blog auf dem deutschsprachigen Markt. Chefredakteur und Inhaber Claus Blohm gilt mit weit mehr als 5.000 Nächten an Bord verschiedener Schiffe als erfahrener Kreuzfahrtexperte. Neben den allgemeinen Reiseberichten erstellt er auch eine Vielzahl interner und vertraulicher Testberichte, die zum Teil von den Reedereien beauftragt werden. Diese Berichte gelten nicht selten als Grundlage für neue Standards an Bord.

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